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Der Israelit · 1893-07-06 · Heft 54 (6.7.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 54 (6.7.1893)
Date
1893-07-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1029 Umstand auch den Einblick in ihre Handlungen, längst bevor sie sich vollzogen." — Es ist dies dieselbe Consequenz, die Rabbi Levi aber nicht aus derselben Prämisse, sondern aus dem Umstande zieht, daß Gott der Einzige ist in seiner Welt, daß es also nichts gibt, was sein Merken und Wissen zu beeinträchtigen vermöchte. — Während R. Levi aus Gott als to» seine Fähigkeit als po folgert, ergibt ste sich R. Abin aus Gott, als mto, als der einzige Schöpfer der Welt. Unsere Mtschnah folgert sie aus beiden Voraussetzungen, indem ste lehrt: .pan Min mnn am to»h Min (Fortsetzung folgt.) Wach dem Kampfe. Die Wahlfchlacht ist beendet; über ihre einzelnen Momente wurde in diesen Blättern berichtet, so weit sie uns als Juden interessiren konnten. Es dürfte sich vielleicht empfehlen, von dem gleichen Gesichtspunkt aus auch das Gesammtergebnitz einer vorurtheilsfreien Betrachtung zu unterziehen. An die Spitze einer solchen müssen wir das Geständntß stellen, daß die Antisemiten Erfolge errangen, welche unsere schlimmsten Befürchtungen übersteigen. Bei der Auflösnng verfügten sie über 6 Mandate und mit 17 kehren ste zurück; diese Ziffern haben in den Reihen unserer Glaubensgenossen eine Bestürzung hervorgerufen, die uns über das Maß des Begründeten hinauszugehen scheint, denn diese Bestürzung wäre nur dann eine gerechtfertigte, wenn diese Erfolge der Ausdruck einer machtvollen, im Volke vorhandenen Strömung wäre, die sich lediglich gegen die Juden richtete. Das ist aber keineswegs der Fall, wie sich aus näherer Betrachtung der Umstände, unter welchen die einzelnen Mandate errungen wurden, leicht ergibt. Zunächst fällt hier ins Gewicht, daß im ersten Wahlgange nur 2 Antisemiten durch kamen: Herr Ahlwardt und Liebermann von Sonnenberg. Letzterer hat seine glatte Wiederwahl nur der geschickten Taktik seiner Gesinnungsgenossen im Wahlkreis Cassel zu verdanken, die dort auf die Aufstellung eines eigenen Candidaten verzichteten und dafür im benachbarten Homberg-Fritzlar von den Confervattven den gleichen Liebesdienst bedangen. Die anderen antisemitischen Abgeordneten verdanken ihre Mandate den Stichwahlen, d. h. also der Uneinigkeit der anderen Parteien. Bemerkenswerth ist hierbei, daß Herr Dr. Böckel sich in seiner Domäne Marburg, wo er früher stets sofort gewählt wurde, einem zweiten Wahlgange unterziehen mußte; im ersten Wahlgange hatte er nämlich diesmal 2000 Stimmen weniger erhalten als 1890. Auch im Kreise Alsfeld war der Stimmenrückgang für die Antisemiten ein beträchtlicher, 3800 gegen 5000 in 1690; wenn dort der antisemitische Vertreter, Herr Zkmmermann, noch einmal durchkam, so verdankt er dies nur der Uneinigkeit der liberalen Parteien und wir haben begründete Hoffnung, daß bet der in nächster Zeit stattfindenden Nachwahl dieser Kreis den Antisemiten wieder entrissen wird. Aehnlich liegen die Dinge in allen anderen hessischen Wahlreisen, mit Ausnahme von Homberg- Fritzlar; in keinem vermochten die Antisemiten aus eigener Kraft zu siegen, sie waren nur der lachende Dritte, den die Uneinigkeit der anderen die Beute davontragen ließ. Ist es wichtig diesen Umstand festzuhalten, so ist es vielleicht noch wichtiger, festzustellen, ob diejenigen, welche ihre Stimmen für Antisemiten abgegeben haben, hiermit auch ihre Stimmen gegen die Gleichberechtigung ihrer jüdischen Mitbürger abgeben wollten. Nach dem persönlichen Eindrücke, den der Schreiber dieser Zeilen im letzten Wahlkampfe in den verschiedensten Kreisen gewonnen hat, ist diese Frage für beide Hessen unbedingt zu verneinen. Wir standen in mehreren großen Versammlungen den Führern Böckel, Zimmermann rc. gegenüber und konnten bemerken, daß in ihren Reden von jüdischem Wucher, Güterschlächterei rc. fast nicht mehr die Sprache war. Sie operirten vielmehr genau mit den gleichen Schlagworten wie der Sozialismus, donnerten gegen das Großkapital und gegen den Großgrundbesitz und spielten sich vor allem als die einzige Partei auf, der es mit dem Schutz der kleinbäuerlichen Interessen Ernst sei. Nach unsrem Dafürhalten ist es gerade der letztere Punkt gewesen, der den Antisemiten die meisten Stimmen zugeführt hat; daß die gleichen bäuerlichen Wähler, welche um des vermeintlichen Schutzes ihrer Sonderintereffen willen dem Antisemiten ihre Stimmen gaben, noch keine Judengegner zu sein brauchen, steht für uns fest und wird z. B. durch folgendes Vorkommniß erhärtet. In einem rein antisemitisch gesinnten, größer« Dorfe wollte Schreiber dieses eine freisinnige Wählerversammlung abhalten, man widerrieth ihm von allen Seiten, die Bauern würden Niemand zu Wort kommen lassen u. s. w. Die Versammlung fand dennoch statt und verlief in aller Ruhe, trotzdem die Hörer über die alttestamenlarische Abstammung des Redners keinen Augenblick im Zweifel sein konnten. In der anschließenden Diskussion stellte sich dann heraus, daß keiner der Anwesenden für eine Verkümmerung unserer staatsbürgerlichen Rechte eintrat; wenn ste trotzdem sich mit Begeisterung für den antisemitischen Candidaten aussprachen, so geschah es nur, weil ste von ihm ein intensives Eintreten für den Schutz der Landwirthschaft erhoffen, mit welchem Rechte, das wird ja die Zukunft lehren.

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