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Der Israelit · 1892-03-17 · Heft 22 (17.3.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 22 (17.3.1892)
Date
1892-03-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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4J2 über den Durst getrunken und litt an Katzenjammer. Denn daß er aus Feigheit sich gedrückt haben sollte, kann man doch nicht gut annehmen. Leipzig. Die „Deutschsozialen Blätter" veröffentlichen einen Artikel, der die schöne Ueberschrift trägt: „Schädige Niemand ohne Noth!" Die „Deutschsozialen Blätter" erscheinen im Verlag desselben Herrn Theodor Fritsch, der schon unzählige Schmähschriften veröffentlichte, deren einziger Zweck es war, die jüdischen Geschäftsleute ohne Noth zu schädigen. Derselben Nummer des Blattes, welches obigen heuchlerischen Artikel veröffentlicht, liegt ein Flugblatt bei, durch welches aus Anlaß des bevorstehenden Konfirmationsfestes christliche Eltern ausgefordert werden, nicht bei Juden zu kaufen. -4 Vermischtes. 4 Mainz Der seit *U Jahren in Wirksamkeit getretene „Israelitische Hilfs-Verein" dahier, der die Bestimmung hat, arme durch Altersschwäche, Krankheit, Gebrechen und andere Zufälle erwerbsunfähig gewordene Angehörige der hiesigen israelitischen Gemeinde zu unterstützen, zählt bereits 263 Mitglieder, die sich zur Zahlung von Jahresbeiträgen von dem Minimalsatze von Mark 12 anfangend bis zu Mark 40, und in einzelnen! Falle bis zu Akk 100 bereit erklärten. Welche Wohlthat der Verein in unserer Gemeinde ist, ergiebt sich schon daraus, daß der Vorstand in der Lage war, sich für fortwährende Monatsunterstützungen pro 1892 für den Betrag von ungefähr Mk. 3000 zu verpflichten. Andererseits ist es dringend nothwendig, wenn der Vorstand auch ferner eine umfassende segensreiche Wirksamkeit entfalten und was er erstrebt, alle seitherigen privaten Unterstützungsvereinigungen übernehmen soll, daß weitere Mitglieder mit nahmhasten Beiträgen dem Vereine beitreten. Das Vereinsvermögen beträgt 11,483 Mk. 98 Pf., hiervon sind 3668 Mk. 50 Pf. auszuscheiden, welche als Pfründner- und Krankenhaus-Fonds getrennt verwaltet werden. Der derzeitige Vorstand besteht aus den Herren: Bernhard Albert Mayer, Eduard Simon, Joseph Heiden-Heimer, Leopold Oppenheim, Dr. Max Löb, Dr. Benedict Heffdörffer, Hugo Bondi jr., Martin Moritz, Nathan Philipp Reis. A Breslau, 24. Febr. Amtsrichter Freund vom hiesigen Amtsgericht ist zum Amtsgeri chtsrat h ernannt worden. Insterburg. Der in Nr. 2 erwähnte Landrichter Eichelbaum, welcher zum Landgerichtsrath ernannt worden, ist, wie uns berichtet wird, ein getaufter Jude. Petersburg, 29. Febrnar. Der Reichsrath hat den Gesetzentwurf, wonach die jüdischen Stadtverordneten in keiner Stadt Rußland's mehr als den fünften Theil des ganzen Collegiums bilden dürfen, angenommen. Ueber Ausnahmefälle hat nur der Minister des Innern zu bestimmen. Paris. Bei Gelegenheit der mse "ü seines Sohnes Iames, beschenkte Baron Edmond v. Rothschild die Hauptsynagoge mit eine ^->c22,-i-Rolle. Dieselbe, von dem B u n i mowitz in Frankfurt a. M. angesertigt, ist, wie sich der Grand-Rabbi Zadok Kahn in einem Schreiben ausdrückt, ein Meisterw e r k. Feuilleton. Per Günstling des Gzaren. Eine Erzählung aus Rußland. Von Jon. Lehmann, Dr. phil. (26. Fortsetzung.) „Alexei, Du kluger, guter Mann, rette mich!" flüsterte Frau Horwitz leise. Die Todesangst benahm ihr schier die Stimme. Der Gatte setzte das Hebelwerk in Bewegung und die Decke des Gewölbes hob sich empor, nun der flüssigen Maffe, die tosend herniederstürzte, einen breiten Einlaß gewährend; noch einen Augenblick, und das Gewölbe war gefüllt. Die Verzweiflung verlieh dem alten Mann ungeheure Kräfte, mit beiden Händen krallte er sich an den Rand der Grube an und sich im Sprunge mit den Füßen abstoßend und mit den Händen emporziehend, gelangte er in den höheren Kellerraum; nur leichte Hautschürfungen und Risse trug er bei dem gewagten Sprunge davon. Dann beugte er sich hernieder, streckte die Hände in die Oeffnung, ergriff sein Weib, noch ein einziger Augenblick, in der die Liebe und die Todesangst ihm Riesenkräfte verliehen, und auch Tanas hatte die Oeffnung verlassen und stand in dem nassen Kellerraum. „Vor dem nicht mit Verstand begabten Elemente sind wir gerettet," flüsterte Alexei, „vor den weit unvernünftigeren Menschen aber, deren Wuth wir nun ausgesetzt sind, kann uns nur Einer bewahren, der große, allmächtige Gott dort oben!" Watend durchschritten sie die Nässe des Kellers, die ihnen schon über die Knöchel reichte und in jedem Augenblick höher stieg; sie suchten sich nach der Treppe zu flüchten, die in den Vorplatz des Hauses führte; auf ihrem Wege gelangten sie zu den beiden besinnungslos daliegenden Bauern, die von der von ihnen selbst herbeigeführten Fluth umspült wurden; sie lagen langgestreckt auf dem Erdboden und wenn die Flüssigkeit nur noch ein wenig stieg, so mutzte sie über ihren Häuptern zusammenschlagen und ihnen den Tod bringen. „Wie traurig, wie traurig, daß es solche Menschen geben kann, die in ihrer Sinnlosigkeit sowohl das Leben ihrer Mitmenschen als ihr eigenes verderben", sprach Alexei, mitleidsvoll auf die beiden Männer blickend.

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