Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1892)
- Date
- 1892-03-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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418 und ihnen erzählen, wie wir einst Knechte dem Pharao in Mizrajim waren, und wie Gott uns befreit hat, wie wir, unsere Kinder und Kindeskinder ohne diese Befreiung in ewiger Sclaverei untergangen wären, wie uns der Menschendienst nur abgenommen wurde, um in den Dienst Gottes zu treten, so ist damit die Grundlage für die ganze Erziehung unserer Jugend gelegt. Wenn wir noch so weise, noch so gebildet, noch so fortgeschritten wären, keine Wissenschaft und keine Bildung könnte uns von diesen Konsequenzen dispensiren, die sich für uns an unseren Auszug aus Egypten knüpfen. So geloben wird uns alljährlich in der Gedächtnißstunde unserer Befreiung. Wie aber stehts mit der Verwirklichung dieses Gelöbnisses? Unsere Mühseligkeit, das sind unsere Kinder. — Wie viele Eltern, die noch mit aller Innigkeit, mit lebensfrischer Begeisterung sich zum Seder niedersetzen, lesen es den Blicken und Mienen ihrer Kinder ab, daß es ihnen nicht einmal für diese höchsten Weihemomente des jüdischen Lebens gelungen ist, ihren Geist, ihrem Fleisch und Blut einzuhauchen. Aber mit dem Brot der Armuth in der Hand nicht nur in diesen Feierstunden, sondern ein ganzes Leben lang sich der uns von Gott gewährten Freiheil zu freuen, wie viele, wie wenige Ellern giebt es doch, die den Muth und die Einsicht haben, dieses herrliche Kleinod ihren Kindern als unverlierbares Eigenthum zu hinterlassen? Das Brot der Armuth dünkt ihnen eine Schande, und das Brot des Reichthums macht das Streben und Sorgen der meisten Eltern für ihre Kinder aus. ")3j MO' di-6 133 ip3. Für die Erlangung dieses Stück Brotes, schrecken viele vor offenem Abfall und Treubruch nicht zurück. Ihm fallen Sabbat und Feiertag, die Satzungen über Speise und Trank, die Anforderungen Gottes an die Lauterkeit des Erwerbs und die Reinheit des Genusses, ihm fällt das Höchste, Edelste im Menschen zum Opfer. Geht doch die Verblendung vieler Eltern soweit, daß sie sich an ihren Kindern zu versündigen glauben, wenn sie dieselben mit jenem Ernst des Lebens ausstellen, der das Brot der Armuth mit der uns von Gott gewährten Freiheit allem Wohlstand und Wohlleben vorzieht, die uns zu Sklaven der Sinnlichkeit und Leidenschaft machen! Aber selbst diejenigen Eltern, die bei der Erziehung ihrer Kinder, alle diese Klippen vermeiden, verlieren die Ruhe und Zuversicht in Gott angesichts der Sorge um die Zukunft und die Versorgung ihrer Kinder. Brave, wackere Eltern verheirathen ihre Söhne, ohne Rücksicht aus die erprobte jüdische Gesinnung ihrer einstigen Lebensgenossinnen, geben ihre Töchter dem Judenthum entfremdeten Schwiegersöhnen und beruhigen ihr nagendes Gewissen mit dem Seufzer a»)3n libov nxi, daß ihre mühseligste Sorge eben die Kinder bilden, dem gegenüber sie zu schwach seien, die erforderliche Festigkeit zu bewahren und zu bewähren. Allen diesen muthlos, bekümmerten Vätern und Müttern redet die Hagada schel Peßach die Wahrheit ins Herz, daß an dieser ihrer schwersten Sorge ihnen der Vater im Himmel tragen hilft, nxi u’jv nx nti, sein Blick ruht auch auf diesem Elend, wenn wir nur den Muth und das Vertrauen haben, redlich das unsere zu thun und das übrige seiner Allmacht anheimzustellen. Jedes der alten tausendjährigen Festsymbole, das Sclavenbrod, düs wir noch heute genießen, wie es die Väter aßen, das Bitterkraut, die Pokale, die wir erheben, sagen uns, dhxd pwo 'x 'i ojx. Ich bin noch derselbe Gott vom Lande Mizrajim her, und der Gottesblick, der damals auf der Sorge um unsere Kinder ruhte, kennt heute noch die geheimsten, heißesten Wünsche, die wir im tiefsten Innern um die theueren Pfänder unser Liebe bangend hegen! Deßhalb brauchen wir uns nur anzusehen, als seien wir selbst aus Egypten gezogen, deßhalb quillt aus jeder neuen Vertiefung in die Leidensgeschichte unserer Ahnen in Egypten heiteres Gottvertrauen für das eigene, uns beschiedene Lebensschicksal. Als man damals die verhängnisvolle Ausnahmsstellung über sie verhängte, begründete man si; mit dem Vorwand, die Kinder Israel seien zu zahlreich, man müsse daher aus ihre Verminderung bedacht sein, durch politischen und sozialen Druck und zunächst durch aufreibende Frohnarbeit. Als hierdurch der Zweck nicht erreicht wurde, störte man ihr Eheleben und warf die neugeborenen Kinder ins Wasser. Bei dieser rohen Vergewaltigung, die ihr Ziel ja nicht verfehlen konnte, wären die Unglücklichen wenigstens zu der Hoffnung berechtigt gewesen, daß jetzt der sie auszureiben drohende Druck aufhören könne, aufhören müsse. Als dies aber nicht der Fall war, empfanden sie ihn erst in seiner ganzen Bitterkeit, weil ihm auch der einzige, dürftige Vorwand fehlte, mit dem man ihn anfänglich aus Rücksichten der Staatsraison zu motiviren suchte. Deßhalb schließt sich an nx xti nxi wjy noch mrb, den die Hagada durch den Hinweis commentirt: .iv3 pmn m nxi .onw o’xrnb om® uw pr6n nx »rwn an iöxj» „Unser Druck; das ist die Bedrückung, wie es gesagt ist: Auch habe ich den Druck gesehen, mit dem die Egypter sie bedrücken." pr6 und pm dürften sich wie Druck und Bedrückung unterscheiden. wird auch in Fällen gebraucht, wo es nur das Entbehren von etwas Rothwendigem bezeichnet, z. B., yrb o»m ix Dn?,