Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1892)
- Date
- 1892-03-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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-401 sonders über die Zustände in Florenz und Rom. Auf Grund eigener Erlebnisse konnte uns der Redner mit Recht zeigen, wie die Florentiner Juden als Muster gelten können für die Vereinigung der Religion und modernen Bildung, die römischen Juden aber als Warnung für das Elend, das durch religiösen Haß und Hader heraufbeschworen wird. Besonderer Dank sei für die Besserung der Verhältnisse Herrn Dr. Margulies, Oberrabbiner in Florenz, nnd Herrn Professor Dr. Ehrenreich, Oberrabbiner in Rom, zu zollen. Wir hätten den interessanten „Bildern und Eindrücken" noch lange zuhören mögen, wenn die vorgerückte Stunde den verehrten Redner nicht an den Schluß gemahnt hätte. Stürmischer langanhaltender Beifall und einstimmige Dankesäußerungen zeigten am Schluffe dem Redner, welchen Anklang der durch Form wie durch Inhalt gleich ausgezeichnete Vortrag gefunden. Da Herr Dr. Stern in diesem Jahre sich von Neuem nach Italien begiebt, mußte er unter lebhaftem, allgemeinen Beifall versprechen, uns im nächsten Jahre mit einer Fortsetzung der „Bilder und Eindrücke" erfreuen zu wollen. Ein zu Ehren des Herrn Redners stattfindender Commers vereinigte nach dem Vortrage einen großen Theil der jüdischen Gemeinde zu gemüthlichem Beisammensein. O e ft e r r. - U n g a r. Monarchie. Aus Ungarn, 3. März. Am letzten n-iy stmp rer starb 76 Jahre alt, der Felsö-Abram y er Rabbiner, Samuel Schl es in ge r b"x. Der Dahingeschiedeue war einer der berühmtesten Kenner des rabb. Schristthums, in dessen Tiefe ihn noch R. Moses S ofer einführte. 40 Jahre hindurch wirkte er in seinem bescheidenen Kreise segensreich und hat als Ergebniß seines emsigen Studiums stattliche Bände bildende, werthvolle Manuscripte hinterlassen. Die n'ö.i gestaltete sich zu einer höchst imposanten Kundgebung der Ehre , dessen er sich ungetheilt erfreute, lieber 700 Köpfe zählte die leidtragende Menge, welche die Bahre des Verstorbenen umstanden, und außer seinem Sohne, dem Gemeindepräses zu Tokaj, hielten noch 6 Rabbinen ergreifende Trauerreden, die ans die Zuhörerschaft den nachhaltigsten Eindruck hinterließen. L. G—g. Griechenland. Korfu. Bisher bestand unsere Gemeinde, obwohl sie nach Außen hin und besonders den Behörden gegenüber als eine einzige einheitliche Körperschaft auftrat, aus zwei verschiedenen Gemeinden, der griechischen und der italienischen (pugliese), die auch zwei ganz von einander abgesonderte Verwaltungen hatten. Auf Vorschlag der „Alliance JsraeJite feboä), die durch ihren Delegirten, Herrn Schuldirektor Pariente aus Smyrna, in diesem Sinne Propaganda hatte hier machen lasset!, haben sich nun beide genannten Gemeinden^zu^einer einzigen geeinigt, und sogar auch schon ihre Administration in eine einzige umgeschmolzen. Beide Gemeinden haben zugleich auch ein neues Statut vereinbart, das ihre Verhältnisse zu einander genau sestsetzt und regelt. Dank nun der jetzt in unserer Mitte herrschenden Einigkeit, konnte es unser verehrter Oberrabbiner '"j, der dabei vom genannten Herrn Pariente kräftigst unterstützt wurde, durchsetzen, daß nun die heilige Schrift in den Gemeindeschulen auch in der neugriechischen Sprache vorgetragen wird, ein Schritt, der schon längst nothwendig war, den aber die italienische Gemeinde bisher zu vereiteln gewußt hatte, da sie von der falschen Ansicht ausging, daß, weil sie in der Majorität ist, so müsse sich die Minorität ihr fügen und ihren Kindern, obwohl deren Muttersprache das Neugriechische ist, die heilige Thora sammt den übrigen Büchern des Kanons, nur in der italienischen Sprache vortragen lassen. Unser verehrter Oberrabbiner hat nicht weniger als drei Predigten über diese Angelegenheit gehalten, in denen er aber zugleich darauf hinwies, daß weder die italienische noch die griechische Sprache uns nützen werden, wenn wir nicht zugleich auch eine gründliche Schulbildung besitzen würden. Diese Predigten haben hier großes Aufsehen gemacht. Jetzt ist unser verehrter Oberrabbiner wieder damit beschäftigt, eine Kinderbewahranstalt und auch zugleich einen Verein zur Förderung des Handwerkes zu gründen, indem er hofft, daß dann unsere Jugend, die sich bisher dem Handel widmete, mehr Liebe zur Arbeit gewinnen und sich mittelst derselben eine Existenz zu gründen suchen werde, ’d teo y\r .-p zntti "pffN Vor wenigen Tagen ist der Nestor unserer Hasanim, Nifsim^ Belleli,^im Alter von achtzig Jahren aus den? Leben geschieden. Derselbe war eigentlich Economist unserer Gemeinde, aber nebstbei fungirte er fast jedes Jahr an den hohen Feiertagen, besonders an den d’ö\ als Vorbeter. An seinem Begräbnisse betheiligte sich fast die ganze Gemeinde, während unser Oberrabbiner am offenen Grabe dem Dahingeschiedenen einen rührenden Nachruf widmete. Fast gleichzeitig mit diesem schied auch das verdienstvolle Mitglied unserer Gemeinde, Herr Jsak Mordo, der mehrere Synagogenämter bekleidet hatte, aus diesem Leben und ging in das andere Leben ein. nmao onrnao ’nn Bulgarien. tu, 12. Februar. Das Ministerium hat die Enthebung des Herrn Rabb. Dr. D a n k o w i c z von seinem Amte nunmehr genehmigt.