Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 21 (14.3.1892)
- Date
- 1892-03-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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400 kaufsgelder 810 M., Zinsen 7158 M. 47 Pfg., Mitgltederbeiträge 7812 M. zu verzeichnen. Die Zahl der aktiven Mitglieder (Rabbiner und Lehrer) beträgt mit Beginn des neuen Jahres 332. Wir schließen uns dem Wunsche des Vorstandes an, daß auch fernerhin unter Gottes Hilfe die Kräftigung des Vereins gefördert werde und demselben die kräftige Mithilfe neuer Gönner zu Theil werden möge. Bühl (Baden). Im Gegensatz zu der leider weit verbreiteten antisemitischen Strömung in Deutschland ist in hiesiger Stadt von dieser bedauerlichen Erscheinung gottlob nichts zu verspüren. Bezeichnend dafür ist schon allein die Thatsache, daß in dem hiesigen Bürgerausschusse gegenwärtig 7 israel. Mitglieder sich befinden. Die wahrhaft tolerante Gesinnung kam aber auch jüngst wieder recht deutlich zum Ausdruck bei dem anläßlich des Kaifergeburtstages abgehaltenen und von allen Ständen, Richtungen und Bekenntnissen stark besuchten Festbankett. Wie alljährlich ergriff auch diesmal nach den verschiedenen Staats- und städtischen Beamten Herr Bezirks-Rabbiner Dr. Mayer das Wort zu einer Ansprache, welcher trotz ihres unverkennbaren Freimuths den ungetheilten Beifall aller Kreise fand. Es dürfte daher die freundlichen Leser Ihres Blattes interessiren, im Nachstehenden den Wortlaut dieser Rede kennen zu lernen „Hochgeehrte Festtheilnehmer! Sie werden gütigst auch mir, als dem Vertreter Ihrer isr. Mitbürger, einige Worte gestatten. Als wir vor 4 Jahren zum ersten Mal das Geburtsfest Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm II. begingen, war es noch schwer, uns ein deutliches Bild von dessen Persönlichkeit zu machen. Heute jedoch sind wir in der glücklichen Lage, schon mit einer bestimmten Ansicht herauszurücken. Wie der Kaiser selbst, so ist auch unser Urtheil über ihn inzwischen zu einer gewissen Reife gelangt. Wir haben wohl Alle die Ueberzeugung gewonnen, daß der jugendliche Kaiser ein Herrscher ist, in den das deutsche Volk volles Vertrauen zu setzen alle Ursache hat. Mit fester Hand führt er des Reiches Szepter; hochgeehrt steht er da zunächst nach a uß en h i n. In edlem Wetteifer und in vollkommenem Einvernehmen mit den betheiligten auswärtigen Großmächten ist er seinerseits bemüht, die Segnungen deutscher Kultur und Arbeit selbst nach den fernen Gebieten des dunklen Erdtheils zu verpflanzen. Auch hat das deutsche Reich unter ihm auf friedlichem, unblutigem Wege einen Zuwachs erhalten durch die Erwerbung jener zwar kleinen, aber strategisch wichtigen Insel der Nordsee. Durch die Erneuerung des Schutz- und Trutzbündnisses und den Abschluß der Handelsverträge mit den befreundeten Großmächten ist vollends ein Verhältniß geschaffen, welches ohne Zweifel von wohlthätigem Einfluß auf die Erhaltung des Weltfriedens sein wird. — Aber auch nach innen waltet der junge Kaiser kraftvoll seines hohen Amtes, angeborenen Herrscherwillen weise verbindend mit einem vorurtheilsfreien Blick für die Bedürfniffe der Zeit. Nun schmeichle ich mir zwar keineswegs, hochgeehrte Herren, in die Geheimnisse der leitenden deutschen Politik eingeweiht zu sein; ebensowenig vermag ich darum auch, mit mathematischer Genauigkeit nachzuweisen, inwieweit des Kaisers politische Richtung auf eigener Initiative beruht, oder auf äußere Einwirkung zurückzuführen ist; ich lebe ja im Volke und mit dem Volke und folgerichtig kann daher auch meine politische Kombinationsgabe nicht weiter reichen, als die eines Jeden von Ihnen. Aber wenn die Volkesstimme nicht völlig irrt, ist unser allverehrter Grotzherzog nicht ohne Einfluß aus seinen kaiserlichen Neffen gewesen; wenn nicht Alles lauscht, ist unser edler, freigesinnter Landesfürst bei so manchen wichtigen Entschließungen des Kaisers zu Pathe gestanden, hat sein erprobter Rath ihn auf den Weg gewiesen, der allein zum Ziele und zum Heil führt: auf den Weg der altbewährten hohenzollerschen Herrscherkraft, verbunden mit besonnenem Fortschritt. — Hochgeehrte Festtheilnehmer.' Mit so manchen liebgewordenen Ueberlieferungen, Neigungen und Gewohnheiten hat der Kaiser gebrochen, so z. B. in besonders fühlbarer Weise auf dem Gebiete des wirthschaftlichen Lebens, indem er, unbeirrt von hüben und drüben, von rechts und links, von dem allein richtigen Gedanke ausgeht, daß des Herrschers wahre Aufgabe nicht darin bestehen kann, einer einseitigen Jnteressenpolitik, sondern der ausgleichenden Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. — Den wohlverdienten Dank aller Edelgesinnten des deutschen Volks, wozu ich ja auch Sie, hochgeehrte Herren, sowie die gesammte verehrliche Bürgerschaft, zähle, ich wiederhole, den wohlverdienten Dank aller Edelgesinnten unseres Volkes hat sich aber unser Kaiser insbesondere auch dadurch erworben, daß er vor Allem mit einer Ueberlieserung gründlich aufgeräumt hat, die wahrlich dem deutschen Namen bislang nicht zur Ehre gereichte, vielmehr einen dunklen Fleck bildete, in den so zahlreichen Ruhmesblättern seiner Geschichte! — Sie ahnen Wohl, m. H., worauf ich hinaus will; ich brauche keine Namen zu nennen, denn nomina sunt odiosa! Meine ich doch jenen Wortführer des unseligen Raffenhasses im frommen Priestergewand, wahrlich eine Ueberlieserung, ein Erbstück aus alter Zeit, um welches uns das Ausland nicht beneidete, dem aber unser thatkräftiger Kaiser kurz entschlossen den Abschied gegeben, so Gott will, auf Nimmerwiedersehen! — Hochgeehrte Festtheilnehmer! Längst gilt das deutsche Reich mit Recht als das mächtige Bollwerk des allgemeinen Völkerfriedens! Nun, so möge denn dieses deutsche Reich wie nach außen, so auch nach innen dastehen, als der mächtige Hort des Friedens, des Friedens aller seiner Bürger untereinander, ohne Unterschied des Glaubens und der Rasse! Diesem Gedanken lasten Sie uns, hochg. Herren, kräftigen Ausdruck geben, indem Sie mit mir einstimmen wollen in den Ruf: der konfessionelle Friede, wie er unserer lieben Stadt Bühl stets zum Ruhme gereicht hat und auch fernerhin gereichen wird, der konfessionelle Friede, sag' ich, er lebe hoch.' Lübeck, 6. März. Dem Vortrage des Herrn Dr. Berliner ist im hiesigen „Haschkomoh"-Verein nunmehr auch der des Herrn Dr. Stern aus Kiel über „Bilder und Eindrücke aus Italien" gefolgt. Ein zahlreiches Publikum, unter dem wir auch angesehene christliche Mitbürger erblickten, hatte sich im großen Logensaale eingefunden und lauschte den fesselnden Ausführungen des verehrten Herrn Redners. In lebendiger Schilderung führte uns dieser die jüdischen Verhältnisse Italiens in Vergangenheit und Gegenwart vor und machte lehrreiche Eröffnungen be-