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Der Israelit · 1892-03-14 · Heft 21 (14.3.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 21 (14.3.1892)
Date
1892-03-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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398 milienbande und in der gänzlichen Aushebung ihres EhelebenS. Diese Lösung des innigsten Bandes, das Menschen mit Menschen verbindet, vollzog sich theils durch freiwillig gefaßten Entschluß, theils durch unmittelbaren rohen Eingriff ihrer Zwingherren. Als der Pharaonische Blutbefehl erlassen worden war, welcher alle neugeborenen Knaben dem Tode weihte, faßten, nach der Ueberlteferung, die angesehensten Männer der damaligen Zeit auf Amrams Anordnung den Entschluß, ihre Ehen zu lösen, um keinem Kinde mehr das Dasein zu schenken, das dann ja doch den Mordplänen der Tyrannen verfallen gewesen wäre. Darauf habe Mirjam dem Vater Vorstellung darüber gemacht, wie dieses Zerreißen aller Familienbande noch härter als der Pharaonische Blutbefehl sei. Durch letzteren wurden nur die Knaben, durch 'ersteres aber die gesammte Nachkommenschaft betroffen, da die conscquente Durchführung dieses Planes die ganze Zukunft Israels in Frage stellte. Daraufhin habe Amram das bereits gelöste Band der Ehe aufs neue geknüpft und die Großen der Zeit hätten wiederum seinem Beispiele Folge geleistet. — Dann aber hätten die Egypter das häusliche Glück der Unglücklichen dadurch gestört, daß sie die Männer auf das Feld wiesen und sie ihre Häuslichkeit nicht wieder betreten ließen, um so mit brutaler Gewalt das Band zu zerreißen, das jeden Gatten und Vater an seine Familie knüpfte. Das sei das Elend gewesen, welches Gott geschaut und das seine liebende Fürsorge wach gerufen habe. In der That kann die Sorge um das Dasein Jemandem thurmhohe Lasten auferlegen, aber er trägt sie leicht und freudig in dem Gedanken an Weib und Kind, für die er ringt und kämpft. Wohl ist die Sorge um Weib und Kind geeignet, den Kampf ums Dasein zu verschärfen, aber der Gedanke an die Erhaltung der ihm anvertrauten Seelen, der Gedanke an den unerschöpflichen Quell der Freude, der ihm durch die Familie fließt, stattet den von ihm Durchdrungenen, mit einer unversiegbaren geistigen und körperlichen Energie aus, die alle Mühen und Lasten überwindet, welche sonst das Gemüth verbittern und das Haupt zu senken vermöchten. Aber Jemandem unerträgliche Lasten aufbürden und ihm zugleich die Familie rauben, für die er gern alle Mühen und Sorgen des Lebens hingenommen hätte, das ist das Elend, gegen das aller äußerer, politischer und sozialer Druck unbedeutend erscheint, dessen tiefes, unaussprechliches Weh Gott allein kennt, weil seine Liebe es ist, die das Familienband gewoben hat, dessen zarte Fäden die brutale Rohheit der Tyrannen hier zerriß. Uns aber ergiebt sich aus dieser Anschauung für unsere Zeit und ihre richtige Beurtheilung eine bedeutsame Lehre. Unsere Zwingherren wollten uns das Geheimniß des jüdischen Glückes entreißen, indem sie unser Familienleben, das jüdische Haus zu zerstören trachteten. Ihr Haß hatte richtig herausgefunden, daß hier die ganze siegreiche Unüberwindlichkeit wurzelt, die sich stärker als der hundertjährige Druck erwies, der uns vernichten sollte — daß die eingewanderten Jakobssöhne nicht in der egyptischen Entartung untergingen, dagegen schützte sie der Umstand, 1*0 irioi daß jeder als Familienvater, als Repräsentant seines Hauses nach Egypten kam. Wenn man ihnen dann später auch ihre Häuser gewaltsam entzog, in der Erlösungsstunde war es das Haus, das Glück der Familie, das uns Gottes Liebe wieder schenkte, bevor er uns in die Freiheit führte. In Häuser und Familien gruppirte sich das ganze Volk vor seinem Auszug um das Peßachopfer zu genießen — no^> rw ma» rva^> rw btn — Unsere Häuser hat uns Gott gerettet und jeder Sederabend, der uns wieder nach Familien gegliedert, zur Feier jener Befreiungsstunde zusammenführt, legt Zeugniß dafür ab, das diese Rettung noch bis in unsere Zeit sich erstreckt. Wer auch das Jahr hindurch fern und fremd dem Hause geblieben ist, der Peßach, die Sederabende führen alle Glieder der Familie wieder zusammen, wie in jener Stunde, deren Gedächtniß wir feiern. Und während hier das reinste Glück im Pallast und in der Hütte sich in der Familie und in dem innigen Anschluß an sie bekundet, bietet sich uns ein untrüglicher Maßstab für das Leben, das sich draußen vollzieht. — Da liegt die Peßach-Hagada vor uns, und erzählt uns, das größte Elend unserer Väter und Mütter, dessen Größe Gott allein geschaut, seien nicht ihre Lasten und Arbeiten, sondern pw -pi nw'Ts sei die Unmöglichkeit ein Haus zu gründen, sei der Riß in dem Bande gewesen, das die Gatten in Hingebung und Liebe verbindet. Und wir? Bei allem Fortschritt des Geistes, bei allen Errungenschaften von Industrie und Wissenschaft ist die bloße Fristung eines bescheidenen Daseins an so harte Bedingungen geknüpft, daß der Einzelne ihnen nur schwer genügen kann, daß er zurückschrickt ein Haus zu gründen, und erst nachdem die Blüthezeit des Lebens vorüber ist, daran denken darf, der Pflicht Rechnung zu tragen, die die Menschheit an ihn stellt. Während die altjüdische Weisung nsir6 iwp püiö» p den Jüngling nicht früh genug der Ehe zuführen kann, gehört es zur Signatur unserer Zeit, daß ihre Kinder vereinzelt, ehelos, hauslos, ohne Stütze, ohne Hilfe, den harten Kampf ums Dasein in der Vollkraft ihrer Jahre allein kämpfen, und erst wenn diese

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