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Der Israelit · 1890-10-08 · Heft 78-79 (8.10.1890) · page 51

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 78-79 (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
– (sequence 51)
Language
German
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1441 ganz besonders das Religionsunterrichtswesen. Der Verein bezwecke deßhalb, sowohl für seine für dauernd oder temporär dienstunfähig gewordenen Kollegen nach Kräften zu sorgen, als denselben durch Aufstellung eines einheitlichen Lehrplanes sowie durch Besprechung und Berathung pädagogischer Fragen auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes an die Hand zu gehen. Lehrer Emmel in Ems trat den ersten Ausführungen entgegen und macht den Vorschlag, keine eigene Unterftützungskasse zu gründen, sondern sich der Achawa anzuschließen. Nach längerer Debatte, in welche noch die Kollegen Lomnitz-Diez, Frank-Westerburg und Fröhlich - Weilburg eingriffen, einigte man sich dahin, mit dem zu gründenden Lehrervereine auch eine eigene Unterstützungskasse zu bilden. Der Verein erhielt den Namen: „Verein isr. Lehrer Nassaus." Hierauf schritt man zur Wahl des Vorstandes. Es wurden gewählt die Herren: Lehrer und Waisenvater Lomnitz-Diez zum 1. Vorsitzenden, Lehrer F a l k e n st e i n-Wallau zum 2. Vorsitzenden, Lehrer Fröhlich-Weilburg zum Schriftführer und Kaufmann L. Sternberg-Limburg zum Kassierer. Herr Dr. Weingarten wurde per Acclamation zum Ehrenpräsidenten ernannt. In die Kommision zur Berathung der Statuten wurden außer den eben genannten Vorstandsmitgliedern noch die Herren Blumenthal-Limburg und Alt-Diez gewählt. Die Kommission besitzt das Recht der Kooptation. Bet der nächsten Konferenz, die am 12. Oktober in Limburg stattfiuden wird, sollen die Statuten ausgearbeitet vorgelegt und berathen werden. Hierauf schloß Herr Dr. Weingarten die Sitzung und am Anfänge des gemächlichen Theiles brachte er ein Hoch auf Se. Majestät, den Deutschen Kaiser aus, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Gleichzeitig wurde an denselben folgendes Telegramm gesandt.- Sr. Majestät Kaiser und König Wilhelm Berlin, gestattet sich der heute hier begründete Verein isr. Lehrer Nassaus die Versicherung ehrfurchtsvollster Ergebenheit ganz unterthänigst darznbringen. Namens des Vereins: Bezirks-Rabb. Dr. Weingarten- Ems. A. Fröhlich, Schriftführer. Aus dem Eisenacher Oberlande. Selten dringt aus unsrem stillen Winkel an den Abhängen der Rhön ein Laut hinaus ins Leben der großen Welt. Und wir können darob nicht klagen; sind doch die Nachrichten, die von draußen zu uns gelangen, nicht immer die angenehmsten; kühner, rücksichtsloser und verlogener als je erhebt der alte Feind mit neuem Namen Haupt und Hand gegen uns, die Vielgehaßten. Er drängt sich bis in den Schoß der Versammlung, in deren Mitte aus dem Samenkorn der göttlichen Lehre von Menschenliebe, Menschenwerth und Menschenrecht die köstlichsten Früchte in Form von Recht und Gesetz entsprießen sollen. Wir in unserem entlegenen Heim hören mit Bedauern, wie Lug und Vorurtheil nur wenig gehindert die Gemüther gegen uns verhetzen und freuen uns, den Boden der heimathlichen Stätte solch giftiger Saat verschlossen zu sehen. Seit Alters weht in unserem Heimathlande ein milder, freier Hauch, ein ErbtheU unseres erlauchten Fürstenhauses, das der Welt einen Karl August gegeben, dessen heute regierender Enkel die Tradition der Duldsamkeit und des Rechtes unverändert bewahrt. Schon die Einrichtung unserer Schulen beweist dieses. Seit dem Jahre 1875 sind die jüd. Gemerudeschnlen bei uns aufgehoben; die politische Gemeinde bildet zugleich eine Schulgemeinde, in deren Schulen die Kinder aller Konfessionen den Unterricht (mit Ausschluß des Religionsunterrichtes natürlich) gemeinsam genießen und an denen auch je ein jüdischer Lehrer (in den Orten mit jüd. Gemeinde) eine Klasse führt. Die angebliche Gefahr jüd. Einflusses.'auf die christl. Jugend muß doch wohl nicht vorhanden sein, trotz des großen Lärmens unser adeligen und nichtadeligen, geistlichen und weltlichen Feinde da draußen; denn alle Theile fühlen sich gleich wohl bei solcher Einrichtung, Sittlichkeit und Vaterlandsliebe sind nicht geringer geworden und unsere gesetzgebenden Faktoren haben sich nicht veranlaßt gesehen, diese Einrichtung (Simultanschule) aufzuheben. In einem weimarischen Orte mit jüd. Gemeinde, in Peisa, ist seinerzeit nicht die Simultanschule eingeführt, sondern aus den jüd. Schülern eine besondere Abtheilung der ftädt. Volksschule gebildet worden; doch lag die Ursache hierzu nur allein in damaligen örtlichen Verhältnissen. Daß auch tm genannten Orte das gleiche Recht für alle praktisch selbst da gehandhabt wird, wo es schlechtem Willen leicht wäre, uns die Uebermacht fühlen zu lassen, mag folgende erfreuliche Thatsache beweisen. Es besteht in Peisa eine Privat-Lateinschule, welche aus bischöflichen und privaten Gaben gegründet wurde und von solchen zum Theil noch heute erhalten wird. In dieser Anstalt, welche von dem zweiten Geistlichen des Ortes geleitet wird, und welche gegründet worden ist, um den Knaben der Gegend den Zugang zum theologischen Studium zu erleichtern, finden Kinder aller Konfessionen nicht nur Aufnahme, sondern auch die größte Rücksichtnahme auf ihr religiöses Bedürfniß. Ohne besonderen Antrag ist den jüdischen Schülern das Schreiben am Sabbat und an den Festtagen erlassen; aus einfache Mittheilung hin

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