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Der Israelit · 1890-10-08 · Heft 78-79 (8.10.1890) · page 52

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 78-79 (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
– (sequence 52)
Language
German
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1442 werden sie von Zeit zu Zeit an den Sonnabenden und stets an den Festtagen für die Dauer des Gottesdienstes vom Unterrichte beurlaubt. So wenig je ein Wort darüber verlautete, daß die Einrichtung der Simultanschule dem Wirken der Volksschule hinderlich sei, so wenig hat noch je jemand sich darüber ausgesprochen, daß jenes wohlwollende Verfahren in der Lateinschule eine Störung des Schulmechanismus verursache; auch von einem verderblichen Einflüsse der jüd. Schüler, welche 10°/0 der Schülerzahl ausmachen, auf die christlichen Mitschüler scheint man nichts zu befürchten. — Die öffentliche Anerkennung, die solch freundliche Rücksicht verdient, sei hiermit ausgesprochen. Möge eS auch in Zukunft unfern Gegnern draußen nicht gelingen, den Giftkeim des Glaubens¬ und Rassenhasses in unsere engere Heimath zu verpflanzen! Aus Mittelfrauken. In der Gemeinde zu N. wirkte mein Vorgänger V. ca. 5 Jahre; als ich dorthin kam, sah ich, daß dessen Leistungen in der Schule anerkennenswerth und die Schule eine gute war. Die Stelle ernährt einen Mann nur unter großen Entbehrungen. B. beabsichtigte deßhalb, seine Stelle zu verbessern, denn er war schon längst in die Jahre gekommen, in denen man eine Familie zu gründen pflegt. Was geschah? Als die Gemeinde Kunde von dem „schlechten" Vorhahaben ihres Lehrers erhielt, wurde ihm sofort — gekündigt; V. hatte noch keine andere Stelle und hätte durch seine „schlechten Absichten" leicht brodlos werden können; nun, G. L., so weit kam's nicht. Mir erging es nicht besser. Nachdem ich zwei Jahre in N. war, habe ich mich um eine Stelle, die das doppelte Erträgniß aufweist, beworben und dieselbe auch erhalten; ich stand im sogenannten besten Einvernehmen mit der Gemeinde, theilte dem Vorstände mit, daß ich am 14. Sept. aus besagtem Grunde meine Stelle in N. verlassen würde. Nun höre man die darauf folgende „Eröffnung" des Vorstehers, „ich sei sofort meiner Funktionen enthoben, was dadurch bethätigt wurde, daß man mich bei dem nächsten Gottesdienste — gelinde gesagt — am Vorbeterpult wegschrie; auch eine Strafe glaubte der Vorsteher mir auferlegen zu können. Er erklärte mir, ich hätte mein ganzes Vierteljahres-Gehalt verwirkt. Also am 19. August enthebt mich der Cultusminister, xaräon, der Cultusvorsteher meiner Funktionen und vom 1. Juli habe ich mein Gehalt verwirkt!! Die Behörde hat hierauf die Angelegenheit zu meinen Gunsten entschieden. Sofort nach der Enthebung von meiner Stelle wurde dieselbe mit einer Gehaltserhöhung von 100 M. — nämlich mit 500 Mark — ausgeschrieben; oft freute ich mich darüber, denn ich dachte, die Gemeinde sei jetzt klüger geworden. Aber es war leider — Täuschung. Noch nicht ganz ein Jahr wirkt mein Nachfolger in N. und schon ist sein Gehalt zuerst auf 400 M. und endlich sogar auf 350 M. zugeschnitten worden. Das Ausschreibeu von 500 M. scheint also nur eine Lockspeise gewesen zu sein. (Solche Gemeinden verdienen mit Namen benannt zu werden, damit sich Bewerber um Lehrerstellen vorsehen können. Doch meinen wir, daß der Herr Correspondent zu subjectiv urtheile. In Bayern kann keinem Lehrer ohne Genehmigung der Regierung gekündigt, ihm also auch sein Gehalt nicht gekürzt werden. Die Sachen werden wohl etwas anders liegen; trotzdem verdient ein solches Vorgehen, daß es von der Qeffentlichkeit verurtheilt werde! Red.) Briefkasten -er Redaktion. R. K. 9iitv Geduld — es muß doch Frühling werden. E. in P. Auch wir haben nichts weiter von hem Vereine gehört. Die Schuld liegt am Präsidenten; wenden Sie sich an diesen. M. L. in W. Berichte über solche gemüthliche Zusammenkünfte bringen wir nicht. R. in B. Dort sollen die Verhältnisse besser liegen, als in Preußen; bleiben Sie, wo Sie sind. Anonymus in Mainz. Offenes Visir, lieber Herr, wer solche Behauptungen aufstellt, wie Sie, muß auch den Mnth haben, dieselben mit seinem vollen Namen zu vertreten; andernfalls ziehen Sie sich den Vorwurf der — Feigheit zu. CH. L. in S. Senden Sie gefäll. das Manuscript ein. L. M. in T. Auch wir können Ihnen die bctr. Gesellschaft bestens empfehlen. Dr. E. in F. Jene Gesellschaft macht das Unmögliche möglich; es wäre unnütz, hier belehrend austreten zu wollen. Sie wissen ja: Gegen Dummheit :c. Gruß! O. in D. Seinen Jrrthum eingestehen, ist, selbst einem Schüler gegenüber, keine Schande; aber Falsches lehren ist — ein Verbrechen. Verantwortliche Rebaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit" u. „Jeschururi", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

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