Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-10-08 · Heft 78-79 (8.10.1890) · page 49

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 78-79 (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
– (sequence 49)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448098--30852-3519665
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1439 für die bewährte Leitung der Verhandlungen den Dank der Versammlung ausgesprochen hatte, wurde die 22. Jahresversammlung geschlossen. Das gemeinschaftliche Mahl, an dem sich auch eine größere Anzahl von Damen betheiligten, wurde im Palaisrestaurant eingenommen. Die gehobene Stimmung, welche während der ganzen Dauer der Versammlung vorgeherrscht hatte, setzte sich auch hier fort. Trinksprüche brachten — meist in längerer Rede — aus: Herr Dr. Stein auf Se. Majestät den Kaiser, Herr Cornelius auf Herrn Dr. Stein, Herr Gutkind auf Herrn Geheimrath Dr. Kristeller, dieser auf die Lehrer in ganz Deutschland, der Unterzeichnete, Oppenheim, auf die Gäste, Herr Gotthelft auf die Frauen und Herr Dr. Munk auf den Ausschuß der Lehrcrkonfereuz. — Nachdem Herr Dr. Prager das Tischgebet gesprochen, trennte man sich mit dem Wunsche eines frohen Wiedersehens in Fulda. Die Schriftführer: A m r a m-Borken. Oppenhei m-Traisa. TloccirNonen. Fibel für israelitische Volksschulen. Mit Anhang: Hebräische Lesefibel. Mit Genehmigung der Kgl. württemb. Oberschulbehörde bearbeitet von B. Straßburger, Lehrer in Buchau. Stuttgart 1800. Deutsche Verlags- Anstalt (geb. 90 Pf.). Lesebuch für die israelitischen Volksschulen. Erster Th eil. Für die Mittelstufe. Mit Genehmigung der Kgl. württemb. Oberschulbehörde umgearbeitet von Lehrer Straßburger in Buchau. Stuttgart 1890. Deutsche Verlags- Anstalt (geb. M. 1.). Die Erkenntuiß, daß in israelitischen Schulen nur nach Lehrbüchern unterrichtet werden darf, die in jüdischem Geiste geschrieben und verfaßt sind, bricht sich in immer weiteren Kreisen Bahn und es zeigt sich ein rühriges Streben in der isr. Lehrerwelt, Lehrmittel für die isr. Schulen zu schaffen. Das ist keine leichte Arbeit; die Schwierigkeiten, die sich der Abfassung von Schulbüchern für die isr. Volksschule entgegenstellen, sind sehr groß, und ein jeder Versuch, diese schwere Aufgabe zu lösen, muß mit Freuden begrüßt werden. Eine ganz besondere Wichtigkeit hat das Lesebuch und die Fibel im Rahmen der Volksschule. Die Fibel, als Grundstein, auf welchen der Lehrer bauen muß, das Lesebuch als Mittelpunkt für den gesammten Unterricht verlangen hervorragende didaktische und pädagogische Kenntnisse von ihren Verfassern. Straßburger ist als tüchtiger Pädagoge weit über die Grenzen seines engeren Vaterlandes hinaus bekannt und aus seiner Feder dürfen wir etwas Gutes erwarten. Es ist nur schade, daß er eine Umarbeitung einer schon existirenden Fibel uns vorlegt und nicht seinen eigenen Weg geht. Das, was -wir an den Büchern auszusetzen haben, wäre dann sicher vermieden worden. Wir erwarten auch, daß er in einer neuen Auflage die Mängel abstellt und unsere wohlgemeinte und ehrliche Kritik nicht übel deuten wird. Der Verfasser hat uns die Schreiblesemethode vorgesührt. Hier zu Lande ist die Normal-Wörter-Methode mit bestem Erfolge eingeführt und im Anschluß an das Normalwort werden nur Silben und Wörter gelesen, die Sinn und Bedeutung haben. In der vorliegenden Fibel ist hierauf kein Werth gelegt. Warum vermeidet der Verfasser bis Seite 25 so ängstlich jedes dreisilbige Wort? Kann das Kind nicht ebenso gut: re-de, la-de, scha-de, schau-e u. s. w. lesen wie: schad, red, lad u. s. w. Die Methode will uns nicht mehr gefallen und empfehlen wir die Fibel nach dem Muster derjenigen von: Kehr, Fechner, Pa che, Vogel, Böhme, Thomas o. a. m. umzuarbeiten. Auf Seite 34 beginnen die großen Druckbuchstaben, die mit Dingwörtern eingeübt werden. An jede Uebung schließen sich kleine Sätze, die zum Theil recht oft unkorrekt sind. Wir führen an: Nr. 2, 7, 11, 12, 13, 14, 22, 3t, 32, 35—88, 40—43. Seite 55 MUß es Botin, statt Bötin heißen. — Die lateinische Schrift wird von Seite 71—78 eingcübt. Den Schluß des ersten Thciles der Fibel bilden 80 Lesestücke , die zum Theil recht brauchbar sind, wir konnten sie indeß nicht alle lesen. Gehen wir daher zur Beurtheilung des Anhanges, der, aus 14 Seiten bestehend, das hebräische Lesen lehren möchte. Ob es ihm gelingt? Wir zweifeln daran, daß ein Kind auf 12 Seiten hebr. Lesen lernen wird. Gleich auf der ersten Seite finden sich Fehler. Das Segol steht auf dem Kopfe, also: das Chaulom soll wie o gelesen werden. (!) Für die Auslassung von Vokalen auf S. 3, 6, 7 u. s. w. können wir den Verfasser nicht verantwortlich machen. Der Druck ist übrigens ein sauberer, auch in dem noch zu besprechenden Lesebuche. Was hingegen die deutsche und hebräische Schreibschrift angeht (s. S. 16, eigentlich 14), so kann sie unsern Beifall nicht finden. Mehr Beifall findet das Lesebuch für die Mittelklasse. Es ist ja auch leichter, ein Lesebuch zusammenzustellen, als eine Fibel auszuarbeiten, die zweckmäßig ist. Und dennoch hat es sich der Verf. zu leicht gemacht, weil er bei der Auswahl der Stücke nicht vorsichtig und sorgfältig genug gewesen ist. Wir machen heute nur auf Folgendes aufmerk-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.