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Der Israelit · 1890-10-08 · Heft 78-79 (8.10.1890) · page 48

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 78-79 (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
– (sequence 48)
Language
German
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1438 politischen Umwälzungen jener Zeit wieder eingegangen, aber die unausgesetzten Bemühungen der Männer, die auch nachher in Mendelssohn'schem Geiste fortwirkten und an deren Spitze der sel. Ptnhas stand, hätten den Erfolg gehabt, daß 1824 in Cassel das erste israelitische Lehrerseminar Deutschlands eröffnet werden konnte, worauf sich in Hessen das jüdische Volksschulwesen ganz nach deutschem Muster ausgebildet habe. „Möchten", so schloß die Eröffnungsrede, „auch ferner aus den israelitischen Schulen Hessens treue Israeliten und treue Söhne des Vaterlandes hervorgehen!" Nach Begrüßung der anwesenden Gäste wurde durch den Herrn Vorsitzenden der Jahresbericht verlesen, welcher Rechenschaft von der Thätigkeit des Ausschusses gab, auf die günstige Entwickelung hinwies, die im abgelaufenen Vereinsjahre hinsichtlich der pecuniären Stellung des Lehrerstandes in Preußen eingetreten sei, und den Staatsbehörden hierfür Worte des Dankes zollte. — Nicht so erfreulich war der durch Herrn Gutkind-Cassel erstattete Kassenbericht, der ein nicht unerhebliches Defizit feststellte. Hochherzigerweise erklärten die beiden anwesenden Mitglieder des Vorsteheramts der Israeliten zu Cassel, die Herren Landrabbiner Dr. Prager und Rechtsanwalt Hirsch, die Deckung dieses Defizites durch die Kasse des Vorsteheramtes in Anregung bringen zu wollen. Nun folgte das Referat des mitunterzeichneten Amram, der ethische Inhalt der Gebete. Auf die eigentlichen Gebete sich beschränkend, also die biblischen und talmudischen Stücke des Gebetbuches außer Acht lassend, zeigte das Referat, auf welch' hohem ethischen Standpunkt die Gebete der Israeliten stehen, wie sie denselben ethischen Geist athmen, der die heilige Schrift und das jüdische Schriftthum erfüllt und welch großen erziehlichen Werth sie besitzen. Da das Referat auf Antrag der Herren Dr. Bärwald und Dr. Munk dem Druck übergeben werden soll, so beschränken wir uns hier auf Wiedergabe der aufgeftellten Leitsätze. I. Die Gebete der Israeliten sind ihrem Inhalte nach ganz den ethischen Grundsätzen der h. Schrift und Morallehren 'aller Kulturvölker entsprechend. II. Die Gebete der Israeliten haben einen großen erziehlichen Werth für den Betenden, indem sie zu innerer Heiligung führen. III. Die Gebete der Israeliten unterstützen und fördern den Religionsunterricht und die religiöse Erziehung durch die Schule; deßhalb muß die Schule deren Verständniß ganz besonders pflegen. Das Korreferat des Herrn David - Uesbcrg stimmte vollständig mit dem Referat überein und konnte aus diesem Grunde kurz gehalten sein; es wird mit dem Hauptreferate verbunden im Druck erscheinen. Die Besprechung der Referate wurde auf nächstes Jahr verschoben und Herrn Dr. Kristeller die dadurch gewonnene Zeit zur Verfügung gestellt. Nach einer 1/4ftönbtgen Pause folgte dessen Vortrag, durch den wohl die hohen Erwartungen, die man hegte, weit übertroffen wurden und der noch kür lange Zeit den Glanzpunkt unserer Versammlungen bilden wird. Der Vortrag schloß mit den Worten: „Lehren Sie in diesem Sinne, lassen Sie Ihren Kindern alles, was gut, schön und heilig ist, zum Elgenthum werden. Gottesfurcht ist aller Weisheit Anfang. Bauen wir auf der Gottesfurcht nur weiter und pflegen wir neben der Bibel auch den Talmud." Reicher, nicht enden wollender Beifall wurde dem Herrn Redner zutheil und mit Recht konnte der Herr Vorsitzende in seinen Dankesworten sagen, der Vortrag würde uns durch die gebotene Gedankenfülle noch lange Stoff zur Verwerthung beim Unterrichte geben. Von „Mittheilungen" sind zu erwähnen: eine solche von Herrn Dr. Stein, die demnächst erscheinende dritte Auflage seines Lesebuches betreffend, sowie eine solche von dem Unterzeichneten Amram über die Generalversammlung der Achawa, an die sich die Aufforderung schloß, nicht allein diesem so segensreich wirkenden Vereine recht zahlreich beizutreten, sondern sich auch ebenso zahlreich an den gemeinnützigen Veranstaltungen des Hessischen Volksschullehrervereins zu betheiligen. Ebenso wurde vom Vorsitzenden das Antwortschreiben des Vorsteheramtes zu Fulda auf das Gesuch des Ausschusses, sowie die Erwiderung des Herrn Geheimraths Dr. Kristeller auf die demselben zur Feier des 70. Geburtstages vom Vorsitzenden namens der isr. Lehrerkonferenz Hessens überreichte Adresse verlesen. Die nächste Jahresversammlung soll in Fulda stattsinden. Bei der Auswahl eines Referates sprach Herr Geh. Dr. Kristeller den Wunsch aus, die isr. Lehrerkonferenzen Deutschlands möchten sich wegen der aufzustellenden Referate unter einander verständigen. Auf diese Weise lasse sich ein wahres Bild von den Bestrebungen der Lehrerwelt erzielen. Herr Plaut-Grebenstein übernahm das Referat, Herr Levi-Höfgeismar das Korreferat über: „Die soziale Stellung der isr. Lehrer in Hessen und die sozialen Aufgaben, die ihnen obliegen." Der Ausschuß bleibt auf Antrag des Herrn Heiser-Niederstein in seiner jetzigen Zusammensetzung auch für das nächste Veremsjahr. Nachdem Herr Gotthelft-Cassel Herrn Dr. Stein

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