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Der Israelit · 1890-10-08 · Heft 78-79 (8.10.1890) · page 47

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 78-79 (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
– (sequence 47)
Language
German
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1437 weiß, da die ganze Summe der religiösen Kenntnisse, die sie besitzt, oft nur der Segensspruch ist, den sie einmal, wenn sie ms» wird, ausspricht. Ja, die isr. Jugend bedarf gar sehr der Lehre, noch mehr aber der Liebe. Die Liebe zur angestammten Religion, die Liebe zur Thora und zu den göttlichen Geboten, die Liebe zum Nächsten, die Liebe zur Thierwelt, die Liebe zur Tugend, die Liebe zur Arbeit, die Liebe zur Heimath und zum Vaterlande und endlich die Liebe zur Gemeinde und Familie, das sind die Felder, welche der isr. Lehrer zu bebauen, die Früchte, die er in den Herzen von Israels Jugend zu zeitigen hat. In der Jugend liegt die Zukunft eines Volkes und darum gehört die Zukunft der Schule. Und die Lehrer sind die Männer der Zukunft. Deßhalb sollten sie in materieller und soeialer Hinsicht so gestellt sein, daß die Schule ihr Weinberg, die Familie ihre Erholung sei, daß sie in eigener Familie die Liebe empfangen und geben können, die Eure Kinder, ihre Schüler, so sehr bedürfen. Je größer der Schatz ist, um so geeigneter und wachsamer muß dessen Hüter sein. Nur Der kennt den Werth der Kinder, die Angst um Kinder, der selbst Kinder besitzt; nur Der bietet eine Garantie für die Reinheit seiner Lehren, der an sich selbst die Sorge empfinden kann, welche das Elternherz ergreift, wenn es ein Kind verlieren soll. Und ein mtßrathenes, irregeleitetes Kind ist ein verlorenes Kind. Das bedenket, Ihr Eltern, darüber sinnet nach, Ihr Gemeinden und erleichtert denen, denen Ihr Eure Kinder anvertraut, ihr schweres Amt. Nicht „Unverheirathete Bewerber" bevorzugt, sondern solche Lehrer, deren Leistungen in der Schule vorzüglich sind, deren sittliches Leben und deren Familie Euren Kindern zum Muster dienen kann, das seien die Bevorzugten! Die 22. Jahresversammlung der isr. Lchrerkonserenz Hessens fand am 7. Juli in Cassel statt, zu welcher der Vorsitzende des D.-J. G.-B. Herr Geheimrath Dr. Kristeller zu Berlin einen Vortrag über ein Gebiet aus der jüdischen Wissenschaft angemeldet hatte. Daher war der Besuch auch ein recht zahlreicher; gegen 100 Theilnehmer wurden gezählt. An hervorragenden Gästen sind außer Herrn Geheimrath Dr. Kristcller zu nennen: die Herren Rabbinen Dr. Prager-Cassel und Dr. Munk-Marburg, der Delegirte des D.-J. G.-B., Herr Adolf Gotthelft- Cassel, Herr Nealschul-Direttor Dr. Bärwald-Frankfurt a. M., die Herren Rechtsanwälte Hirsch und Dr. Rothfels-Cassel, sowie Herr Blumenau-Cassel, der bisherige Vorsitzende des rheinisch-westfälischen Lehrervereins. Auch eine Anzahl Kollegen aus den Nachbarprovinzen, besonders aus Hannover, sowie die Lehrerin Fräulein Kronenberg-Jmmenhausen waren erschienen. Zur festgesetzten Stunde begannen im großen Saale des Arbeiter-Fortbildungs-Vereins die Verhandlungen. Herr Dr. Stein-Cassel hielt in gewohnter Meisterschaft die Eröffnungsrede, welche in ihren Grundzügen eine Gedächtnisrede auf Moses Mendelssohn, den großen Deutschen und Juden, bildete. Es sei — so führte der Herr Redner aus — nicht ohne geschichtlichen Zusammenhang, wenn unsere Konferenzen mit Vorliebe in Cassel abgehalten würden. Habe doch Mendelssohn, durch den der noachidische Segen, daß Japyet in Sems Hütten wohnen solle, so recht zur Wahrheit geworden sei, hier in Cassel seine würdigsten Nachfolger gefunden. Mendelssohn, nicht allein als Schriftsteller groß, habe auch den pädagogischen Bestrebungen seiner Zeit, besonders denen Basedows nahegestanden, wie aus einem 1778 an Campe gerichteten Briefe hervorgehe, denn sein für alles Edle empfängliches Herz mußte von Basedows philantropischen Ideen tief ergriffen werden. Von hervorragender pädagogischer Bedeutung sei seine Bibelübersetzung gewesen, denn hauptsächlich durch diese hätten die Israeliten in ihrer großen Masse erst die deutsche Sprache schätzen gelernt und sich angetgnet; dadurch seien sie erst im Stande gewesen, an dem deutschen Geistesleben theilzunehmen und im deutschen Volke aufzugehen. Auch das religiöse Gefühl sei durch sie nachhaltig gekcäftigt worden. Mendelssohns Verdienste wären aber verloren gegangen, wenn nicht die israelitische Volksschule erstanden wäre, seine Bestrebungen fortgesetzt und ihnen dauernden Erfolg gesichert hätte. Die Begründung der israelitischen Volksschule sei aber von Cassel ausgegangen, wo zu allen Zeiten im Mendelssohn'schen Geiste wirkende, das israelitische Schulwesen treusördernde Männer*) gelebt hätten und wo schon 1810 Israel Jakobsohn die erste israel. Volksschule in Deutschland, die sogenannte Konsistorialschulc, errichtet habe. Zwar seidiese Anstalt infolge der *) Die aber leider nicht immer dem jüdischen Religionsgesetze ergeben waren. (Red.)

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