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Der Israelit · 1890-10-08 · Heft 78-79 (8.10.1890) · page 32

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 78-79 (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
– (sequence 32)
Language
German
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1422 lebhaft; „doch darüber sprechen wir morgen! Jetzt wollen wir gehen!" * * Carlisle faßte Meseritzer an der Hand und betrat so, Hand in Hand mit ihm, den Speisesaal und stellte sich mitten in denselben. Die Tischgäste waren alle noch anwesend und schauten erstaunt zu ihm auf wegen seiner so engen Gemeinschaft mit Meseritzer und wegen seines freudeoerklärten Angesichtes. Das war der so stolze und ernste Carlisle nicht mehr! Max Kirschner erbleichte bis an die Ohrenspitzen. Carlisle sagte mit vor Freude zitternder Stimme: „Meine Herren, ich habe die Ehre, Ihnen hier in Herrn Meseritzer meinen Neffen vorzustellen. Ich kenne Herrn Meseritzer schon lange; aber der erfreuliche Umstand, daß er in so nahem, verwandtschaftlichem Verhältnisse zu mir steht, ist mir heute erst bekannt geworden, und das auf wunderbare Weise." Er hatte die Hand Meseritzer's fahren lassen und war an die Tafel getreten. Hier sprach er weiter: „Ja, meine Herren!" sagte er, „ich muß es hier aussprechen, die Wege Gottes sind wunderbar. Denken Sie nur, was alles nöthig war, um uns beide zusammenzuführen und uns unsere verwandtschaftlichen Verhältnisse bekannt zu geben, die wir außer diesem vielleicht nie kennen gelernt hätten, da ich eines früheren Umstandes wegen mich jeder Verbindung mit meiner Familie enthielt und deßhalb auch meinen Familiennamen geändert habe. Ich bin seit zwanzig Jahren Mitglied dieser Chewra, habe aber noch nie einer Jahresversammlung derselben beigewohnt. Nun mußte es sich ereignen, daß Herr Max Kirschner hier einen Vortrag hält, in welchem er zugleich eine Lebcnsschilderung meines Schwiegervaters mit einflicht, und da Herr Kirschner so freundlich war, mich vorher davon in Kenntniß zu setzen, so legte mir das die Pietätspflicht auf, heute hier zu erscheine»; es mußte sich ferner ereignen, daß Herr Ferdinand Kirschner Herrn Meixner mit dem „N'worech-lelohenu-Benschen" beehrte; ferner mußte es sich ereignen, daß Herr Meixner den Herrn Meseritzer ersucht, den „Schir hamaalaus'" zu singen, und endlich mußte es sich ereignen, daß Herr Meseritzer, dem als bedeutenden Sänger sicherlich viele zu diesem „Schir hamaalaus" passende Melodien zu Gebote stehen, gerade die Melodie wählte, welche die letzte Composition meines seligen Vaters ist, und welche, der Bestimmung meines Vaters zufolge, erst nach einer gewissen Reihe von Jahren, auch außerhalb unserer Familie sollte bekannt werden dürfen. Dieser „Schir hamaalaus" war es denn auch, der mich aufmerksam machte und zur Entdeckung meiner so nahen Verwandtschaft mit Herrn Meseritzer führte. Ist das nicht wunderbar? Die genannten Herren haben daher, durch Gottes wunderbare Fügung, wenn auch unwissentlich, zu dieser, mich und meinen Neffen sehr beglückenden Entdeckung beigetragen und ich bin überzeugt, daß sie sich dessen freuen, so wie ich ihnen auch dankbar verbunden bleibe." Er ging zu Meixner, zu Ferdinand Kirschner und zu Max Kirschner und drückte jedem von ihnen unter Danksagung die Hand. Max Kirschner, ein Meister feiner Umgangsmanieren, nahm diesen Dank sehr freundlich entgegen und gratulirte in so herzlicher Weise, als ob dieser Ausgang ihm ungemeine Freude mache; sein Vater hingegen, dem gesellschaftliche Umgangsformen in sehr ungenügender Weise zu Gebote stand, erwiederte einige unverständliche Worte und schnitt ein Gesicht dazu, als ob ihm eben eine Fischgräte im Halse stecken geblieben wäre. Alle Anwesenden drückten Carlisle und Meseritzer ihre herzlichsten Glückwünsche aus. (Schluß folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bsgen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel jtt bestehen bei E. F. Kleinacker, Leipzig, Rastplatz 18. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition stanco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Nach sechs Monaten. — Zur Lage der Juden in Rußland. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. — Ocsterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. Galgocz. Gacs. — Frankreich: Naney. — Amerika: New-Pork. Baltimore. — Feuilleton: Eine bekannte Melodie. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Bankrutterklärung der Reform. — Zeitnngsriachrrchlen'ir. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Hamburg. — Oesterr. Ungar. Monarchie: Preßburg. — Schweiz: Bern. — Feuilleton: Gofrith womelach. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Leipzig. Trier. Groß-Zimmern. — Oesterr. Ungar. Monarchie: Wien. Preßburg. Lipto-Szent Miklos. — Persien: Maskat. Inhalt d. „Blätter f. d. isr. Schule": Reisekosten werden nicht vergütet. Unverheirathete erhalten den Vorzug. — Die 22. Jahresversammlung der isr. Lehrerkonserenz Hessens. — Recensionen. — Aus Stadt und Land: Mainz. Aus dem Reg.- Bez. Wiesbaden. Aus dem Eisenacher Oberlande. Aus Mittelfranken. — Briefkasten. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Berzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen.

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