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Der Israelit · 1890-10-08 · Heft 78-79 (8.10.1890) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 78-79 (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
– (sequence 29)
Language
German
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1419 Ewige so mit uns verfahren, daß eine herrliche Stadt eine Brandruine wurde, daß prachtvolle Paläste in Trümmer fielen, Synagogen und Lehrhäul'er verödeten, und daß Arme, Bettler, Nackte und Darbende hier auf den Straßen lagern. Das Heim meines Volkes jammert nun und dessen Bewohnern rieseln ununterbrochen dieThränen über die Wangen, ohne daß ihnen Jemand Trost und Hoffnung zusprechen könnte. Indes;, Gott sei Dank, daß uns nicht alle Hilfe mangelt, denn er lenkte sogleich auf uns die Gnade unseres gütigen und barmherzigen Herrn, des Sultan Abdul Hamid, der von seiner Residenz aus auf uns hcrüberblickte und uns eine reichliche Unterstützung, wie sie eines Fürsten würdig ist, zu Thckl werden ließ. Auf beffeir erhabenen Wunsch wurde hier sogleich ein Hilsscomitö niedergesetzt, dessen Ehrenpräsident Se. Majestät selbst ist und dessen Aufgabe es nun bildet, milde Spenden für uns Zu sammeln, um unseren Armen und Obdachlosen schnelle und rasche Hilfe zu bringen. Ans dem Innersten meines Herzens flehe ich nun zum Allmächtigen, daß er von seinem Throne aus ans unfern Herrn niederschaue, ihm Kraft und Macht verleihe, seinen Namen glänzen lasse und seine Herrschaft für die Ewigkeit befestige, Amen. Auch möge der Allmächtige all' des Guten gedenken, was uns Se. Hoheit, unser Gouverneur Chalif Pascha zu Theil werden läßt, der für die Armen besonders kräftig cintritt. Und nun, mein Lieber, trotz aller dieser Anstrengungen, die gemacht werden, um unser Elend zu lindern, trotz der Unterstützungen, die uns sowohl von Glaubensgenossen, wie von Andersgläubigen bisher zugckommen sind und trotzdem sich auch in einigen anderen türkischen Städten Conüle's gebildet haben, um uns Hilfe zu brillgen, so reicht dies doch nicht hin, denn bedenke nur, daß zehntausend Personen ohne alles dastehen. Ich ersuche dich daher mein Glaubensbruder, greise auch du nach deiner Feder und verkünde unsere traurige Lage in den Städten des Abendlandes, damit auch dort die Edlen unseres Volkes sich für uns begeistern und uns ihre Hilfe zu Theil werden lassen sollen. Dir aber möge der Allmächtige seinen Segen spenden und Dir und all den Deinen seinen Frieden gewähren. Dein Freund und Verehrer, der stets um Dein Wohl besorgt ist, der Diener Gottes, Jakob H an an ja h Ko wo. Es ist wohl überflüssig, hier auch noch unsererseits eine besondere Befürwortung an das bekannte jüd. Herz, auf das wir ja so stolz und mit Recht stolz sind, hinzuzufügen, die nackte Thatsache spricht so sehr für sich, daß deren Kenntniß allein genügt, uns zur schleunigen Hilfe zu veranlassen. Hnty rva hi ‘i Y£'N ns-wn ns d3\ Die Redaction des „Israelit". O e st e r r. - ll ir g a r. Mona rchi e. Budapest. Im Aufträge der Frau Johanna Bischiv reist Dr. Michael Singer nach Tokaj behufs Ausnahme der Feuerschäden und Feststellimg der Unterstützungsweise. Nach Einlangen der diesbezüglichen Propositionen wird Frau Bischitz die vom Baron Hirsch bewilligten 50,000 fl. sofort ihrer Bestimmung zuführen. — Es kommt die Trauerknnde, daß der Rabbiner der Szecsönyer orth. isr. Kultusgemeinde, Herr Nathan Müller, am 15.d., Abends 9 Uhr, einem Herzschlage erlegen ist. Am Vormittag hatte der Rabbiner noch in der Synagoge eine gehaltvolle Nenjahrspredigt gehalten. Das Leichenbegängniß fand unter großer Theilnahme statt. Zum Nachfolger Müller's wurde dessen Sohn, der gegenwärtige Rabbiner in Csabrendek, Salomon Müller, mit Akklamation gewählt. Am Bußsabbat hielt — wie üblich — der ncngewählte Oberrabbiner Koppel Reich, eine Derascha- In Folge dessen war der Tempel der autonomen orth. Israelitengemeinde im Orczy'schen Hanse zum Erdrücken voll und uoch immer strömte das Publikum in vollen Schaaren nach dem Gotteshanse und wollte sich den Eingang in die Synagoge gewaltsam erzwingen. Es gab naturgemäß ziemlich turbulente Szenen und wurde der Andrang der Andächtigen vor dem Tempcleingange so gefährlich, daß schließlich Polizei geholt werden mußte, um Unfälle zu verhüten. Die Derascha dauerte fünf Viertelstunde und hat die Zuhörer geradezu entzückt. v. H. 8. Galgoez (Frcistadl) an der Waag, 21. Sept. lrn^iD px ns neni ny aw nb w iaa iaa „Weinet, weinet nach dem Auswanderer, denn er wird nicht mehr wiederkehren und sein Vaterland nie mehr sehen." Vor einigen Wochen erst habe ich Ihnen gemeldet, daß der Rabbiner von Baltimore, Dr. Aron Bettclheim, nach einer Abwesenheit von fünfundzwanzig Jahren seine Vaterstadt, unsere Gemeinde mit seinem Besuche beehrt hat, um hier die heißen Monate zu verleben. Mitte August verließ er uns wieder, um nun zu seiner Heerde jenseits des atlantischen Oceans heimzukehren. Kaum hatte er jedoch'in Bremen das Schiff betreten, so erkrankte er an einem Herzübel, das schon nach wenigen Stunden seinem Leben ein Ende machte. Da man die Leiche unmöglich an Bord behalten konnte, so wurde dieselbe um Mitternacht (Donners-

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