Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 78-79 (8.10.1890)
- Date
- 1890-10-08
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448098--30828-3519641- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXI. Jahrgang. WWYHWWWM v.-eD^. ^V8 & VS. Israelit....»Zescharun. MMiuft iiir Fördermg jild. Gelltes MS W. Kebm i» Kws. GmeiMe MS Mle. KenLrak-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von vr. Lehman» in Mainz. Mittwoch, den 8. Oktober 5651 (1890). Leitender Artikel. Mach sechs Monaten! Von Liepman Philip PrinS. Frankfurt a. M., 25. September. Wenn diese Blätter in die Hände unserer geehrten Leser gelangen, dann ist die Zeit der Feste bereits verhallt. Der Tag, an welchem wir die Thora zu Ende lesen, um sie sogleich aufs Neue wieder zu beginnen, und den wir deßhalb „Thorafreude" nennen, bildete den Schluß der Festesreihe und mit dem schönen Bewußtsein, den Besitz, dessen wir nie. verlustig gehen können, und der selbst' naUMn"TM unser unveräußerliches Eigenthum bleibt, den Besitz an Mizwoth um ein gut Theil vermehrt zu haben, beginnen wir das Alltagsleben. Noch klingen die Schlußworte der Thora in uns nach, die in kurzen, aber überaus inhaltreichen, markigen Zügen das ganze Lebensbild des großen Meisters, des Königs und Führers, des Lehrers und Richters noch einmal wiederspiegeln. Das herrlich aufsteigende und sich wunderbar gestaltende Leben des bedeutenden Mannes tönt uns, wie ein Gesang aus höheren Sphären, aus den wenigen Worten entgegen. Wir erfahren aus ihnen, wie Moscheh einst seine gesammte Kraft entfaltete, allen seinen, durch seine große Gottesfurcht erlangten Einfluß aufwendete, die Augen seines Volkes zu erleuchten, wir erfahren aber auch aus ihnen, wie dieser Einfluß mit Moscheh's Hinscheiden nicht nur nicht erlischt, sondern wie dessen Segnungen seinem Volke für alle Zeiten erhalten bleiben. Der Talmud Jeruschalmi (Taanith IV, 5) schildert bei Erläuterung dieser Stelle den Grimm Gottes über Israel, als es das goldene Kalb verfertigte. Vierzig Tage waren kaum verflossen, daß Israel des größten, erhabensten Ereignisses, das je auf Erden sich vollzog, der Offenbarung am Sinai, gewürdigt worden war, und schon verfiel es wieder dem alten Banne. Ein Götzenbild ließ es an die Stelle seines Gottes treten, des Gottes, der ihm die doppelte Freiheit gebracht, die körperliche Freiheit, und die des Denkens und Fühlens. Ein Kalb aus schillerndem Metalle ließ Israel das Dasein des Wesens vergessen, das erhaben über alle Naturkräfte, Himmel und Erde und Alles was sie füllt, durch Sein Wort erstehen ließ. „Nicht würdig ist Israel des Besitzes Meiner Gesetze" ertönte die donnernde Gottesstimme, und die Bundestafeln standen im Begriffe zu verschwinden. Da zeigte Moscheh seine außerordentliche Kraft: npinn Tr. Er achtet nicht auf Gebirg und Kluft, die von der Gottesstimme wiederdröhnen, das laute Krachen der Felsen, das dumpfe Grollen der Blitze schleudernden . Men bemerkt. ex nicht, lelöst-chsLLchrul der- Herbeleuenden Wüstenthiere ficht ihn nicht an, mit eherner Hand erfaßt er die Tafeln, die im Begriffe waren zu verschwinden, er bemächtigt sich derselben und erreicht damit den Fuß des Horeb. — Hier aber verließen die Buchstaben die Gesetzestafeln, und Letztere wurden so schwer, daß Moscheh sie fallen lassen mußte. Und Gott sprach: nt by nt 'njö '*t>y „Friede sei der Hand, die sich Mir gegenüber kräftig zeigt." Solange die Schrift auf den Tafeln sichtbar war, war es dem Gottesmanne möglich, die Tafeln an sich zu fesseln. Nach dem Verschwinden der Buchstaben aber fielen die Tafeln in Trümmer. Da heißt es: ntoh Die menschlichen Kräfte Moscheh's reichten zur Erlangung seiner Zwecke nicht mehr aus, er suchte durch die tiefe Ehrfurcht, die er vor Gott hegte, zur Erfüllung seiner hohen Aufgabe zu gelangen. Sein von heiliger Begeisterung durchglühtes Wort widmet er der ihm anvertrauten Nation, er setzt Alles daran, sie auf den rechten Weg zu führen. Jene Verbrecher, die sich dem Götzendienste geweiht, verurtheilte er zum Tode. Der Bruder mußte den Bruder erschlagen, der Freund den Freund, der Mann seinen Verwandten. Dreitausend Männer wurden das Opfer ihres Abfalls. Und einen Tag darauf sprach Moscheh zu dem Volke: „Schwer habet Ihr Euch versündigt, doch will ich hinaufsteigen, vielleicht gelingt es mir, Euch Sühne zu bringen." Und wiederum bestieg Moscheh den göttlichen Berg, achtzig Tage verweilte