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Der Israelit · 1890-10-08 · Heft 78-79 (8.10.1890) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 78-79 (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1396 es unmöglich aus einer gedruckten Predigt jene Wirkung zu entnehmen, die der Brustton des begeisterten Redners zu erzielen vermag. Möge seine Verbindung mit der altehrwürdigen Gemeinde Ung. Brod zum Heile für beide Theile werden! Frankreich. Lille, 10. September. Um dem Antisemitismus, welcher am hiesigen Platze in jüngster Zeit bedenkliche Erscheinungen gezeitigt hat, einen Damm zu setzen, hat sich, wie in der Z. d. I. berichtet wird, der Oberrabbiner Cahen in einem Schreiben an den Erzbischof von Cambray gewandt und ihn angefragt, ob es wahr und möglich ist, daß man seitens der katholischen Kirche die Hetze gegen die Israeliten mit günstigen Blicken betrachte. Er bitte im Namen des sozialen Friedens und der beiden Religionen gemeinsamen Prinzipien seinen mächtigen Einfluß einsetzen, um diesen Angriffen ein Ende zu machen, welche, weit entfernt, irgendwem zu nützen, den Gegnern jeder Religion nur Waffe in die Hand gäbe. Die Antwort des Erzbischofs lautete, wie nicht anders zu erwarten war, daß er von der journalistischen Hetze gegen die Israeliten keine Kenntniß gehabt habe, daß er Zeitungsaufsätze, welche die Verunglimpfung der jüdischen Religion und die Erregung von Haß gegen eine Bürgerttasse, in der sich so viele angesehene Mitbürger fänden, durchaus mißbillige. Er versprach ferner, seinen ganzen Einfluß aufzubieten, um dem Kampfe ein Ende zu machen. 31 m u i f a. Philadelphia. Hierselbst fand soeben auf die Kunde der Israeliten - Verfolgung in Rußland eine Versammlung hervorragender Israeliten statt, welche unter Anwesenheit von Vertretern der vornehmlichsten Vereine und unter Vorsitz des Herrn Ehr. Hoffmann folgenden Bericht und Beschlüsse annahm: „Um zu verhindern, daß die zahlreichen jüdidischen Emigranten aus Rußland, welche in Folge der Jsraeliten-Verfolgung daselbst nach den Vereinigten Staaten herüberkommen, sich in den großen Städten niederlassen, wo sie ein schweres Fortkommen haben und an Leib und Seele zu Grunde gehen, soll eine aus Delegaten von Vereinen, Logen, Gemeinden und einzelne Personen bestehende Vereinigung gebildet werden, welche dafür Sorge trägt, daß die Emigranten auf das Land kommen, wo sie Luft und Sonnenschein haben und sich auf anständige Weise ihren Lebensunterhalt verdienen können." Die Beschlüsse lauten: „„1. Der Name der Organisation soll sein.- „Jüdische Allianz von Amerika." 2. Zweck derselben soll Verbreitung des Ackerbaues und ähnlicher Industrien unter den russischen Emigranten nach diesenr Lande sein. 3. Mitglieder der Organisation können Delegaten der verschiedenen jüdischen Gesellschaften im Lande und einzelne Mitglieder sein. Jede Gesellschaft, welche Delegaten schickt, soll für jeden Delegaten 25 Dollars einbezahlen; der Jahresbeitrag einzelner Mitglieder soll 3, der der Patrone 10 D. betragen. 4. Beamte sollen in der Jahresversammlung im September gewählt werden. Alle Mitglieder sind stimmberechtigt, wählbar jedoch nur die Delegaten. 5. Die Beamten sollen bestehen aus einem Präsidenten, Vice-Präsidenten, Schatzmeister, Sekretär und zwölf Direktoren." u Der Bericht wurde darauf abschnittsweise verlesen und über die einzelnen Abschnitte abgestimmt. Die Präambel wurde angenommen, nachdem die Worte von „aus Rußland" bis „herüberkommen" einschließlich gestrichen waren. Beschluß 1 wurde, wie berichtet, angenommen. Beschluß 2 wurde dahin amendirt, daß das Wort „russische" gestrichen wurde. Beschluß 3 wurde, wie berichtet, angenommen. Beschluß 4 wurde dahin amendirt, daß October für September substituirt wurde. Bei Beschluß 5 strich man „und zwölf Direktoren." Wie viele Direktoren zu erwählen sein werden, wird in der ersten Konvention bestimmt werden. Nachdem Rabbi Dr. Morats noch eine Ansprache gehalten, in welcher er sich mit der Bewegung vollständig einverstanden erklärte und der Hoffnung Ausdruck verlieh', daß die Verfolgungen der Israeliten in Rußland endlich ein Ende finden mögen, wurde der von dem Comitö berichtete Plan in der amendirten Fassung angenommen. Eine Mlelodie. Eine Erzählung von B. Hause. (Fortsetzung.) Die Tischgenossen waren über Carlisles auffallendes Benehmen nicht wenig verwundert. „Carlisle hat geweint!" sagten Einige nach beendigtem Tischge-

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