Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 78-79 (8.10.1890)
- Date
- 1890-10-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1394 Remagen. Dem Geschäfts-Bericht der „Chebroh- Kadischoh", Verein zur Hebung und Verbesserung der sozialen Lage der Juden über das Jahr 1889. (Sitz: Remagen) entnehmen wir: Das verflossene Jahr ist für unfern Verein als ein günstiges zu bezeichnen. Nicht nur, daß demselben 65 neue Mitglieder beigetreten sind, wodurch er eine bis jetzt noch nie erreichte Mitgliederzahl besitzt, hat dieser beträchtliche Zuwachs noch einen ganz besonderen Werth dadurch, daß ein großer Theil der Neueingetretenen aus Landgemeinden stammt. Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir dieses hocherfreuliche Ergebnis; zum Theil auf die von dem Verein statutenmäßig abgehaltenen populären Vorträge über jüdische Wissenschaft zurückführen. Mit diesen Vorträgen bezweckt der Verein, das Band der religiösen Gemeinschaft fester zu knüpfen, die Juden auf dem Lande", mehr wie bisher, mit den großen Schätzen der jüdischen Geschichte bekannt zu machen, und sie zu einem engeren Anschluß an Glaubensgenossen zu veranlassen. Die zahlreiche Anwesenheit bei den Vorträgen, sowie die oben erwähnte große Zahl der neueingetretenen Juden vom Lande beweist, daß wir auf dem richtigen Wege sind, unser Ziel zu erreichen. Auch bei Ausführung des Hauptzweckes unseres Vereins: „Die Verbreitung und Förderung des Handwerks unter den Juden" haben wir im verflossenen Jahre erfreuliche Ergebnisse zu verzeichnen. Täglich treten aber auf diesem Gebiete größere Anforderungen an uns heran, und müssen wir dcßhalb den schon im vorigjährigen Bericht an unsere Mitglieder ergangenen Ruf, immer mehr für den Verein Propaganda zu machen, aus das dringendste wiederholen. Neuwied, 11. Sept. Gestern wurden zwei junge Männer aus Sayn von der hiesigen Strafkammer zu je 4 Wochen Gesängniß vcrurtheilt, weil dieselben ein Grabdenkmal auf dem jüdischen Kirchhofe ihrer Vaterstadt böswillig z er trü mm e rten. Mayen, 16. Sept. Auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe wurden in der Nacht von Sonntag auf Montag 20 Grabsteine zertrümmert. Heidelberg, 10. Sept. Die Antisemiten unter Führung des Abg. Liebermann beabsichtigten am letzten Sonntag auf der Burgruine Strahlenburg bei Schriesheim eine Versammlung unter freiem Himmel abzuhalten. Nicht allein, daß die projectirte Versammlung vom Bezirksamte Mannheim verboten wurde, hat auch der Eigenthümer der schönen Ruine, Herr Graf von Oberndorff, wie der N. B. Ldsztg. mitgctheilt wird, als er Kenntniß von der beabsichtigten Versammlung erhielt, den Auftrag ertheilt, das sich etwa einfindende Publikum wegzuweisen. Aus dem Unter-Elsaß. Während im Ober-Äsaß noch keine einzige Orgel-Synagoge existirt, ersteht ini Unter-Elsaß äußerst selten eine neue Synagoge ohne Orgeleinrichtung, selbst in den Synagogen des Unter-Äsaß, in welchen diese Reform- Einrichtung fehlt, fehlt sie großcnthcils nicht aus religiösen Gründen, sondern nur der großen Ausgaben wegen, die ein Orgelgottesdienst beansprucht. Würde der Staat diese Ausgaben bestreiten, so gäbe es gewiß wenig Synagogen ohne Orgel. Und warum denn nicht? »t by na» ^n, »un npin naj, Weglassung der meisten d’tdvb, die man nicht versteht, sind so nach hiesigen Begriffen keine Sünden — und so ift in Schlettstadt in aller Stille, ohne Zank und ohne Hader eine neue Orgelsynagoge erstanden, die am 3. September durch den ncnernannten Straßburger Oberrabbiner eingeweiht worden ist. Diese neue Synagoge erhebt sich an der Stelle, welche die alte Synagoge einnahm, an der breitesten Straße der Stadt, dem Neuen Weg. Ausgeführt wurde der Bau, durch das Zusammenwirken dreier Faktoren — Staat, Stadt und israelitische Gemeinde, innerhalb eines Jahres. Der Bau selbst zeigt die Gestalt eines Kubus, dessen Dach durch eine Kuppel gekrönt wird. Die Thüre und Fenster sind prächtig geschmückt, und der innere Raum desselben ist geschmackvoll ausgestattet. O e st e r r. Ungar. Monarch: e. Wien, 12. Sept. Das neue Springer'sche Waisenhaus in der Goldschlagftraße in Neurudolfsveim wurde am verflossenen Dienstag in einfach feierlicher Weise eiugeweiht. Zu der Eröffnungsfeier hatten sich nebst den Söhnen des verstorbenen Stifters, den Baronen Gustav, Alfred und Herrmann Springer, das Kuratorium der neuen Humanitätsanstalt und deren Erbauer, Baurath Fellner cingcfuuden. Einen freundlichen Anblick bot die Schaar der Pfleglinge, die, 28 Köpfe hoch, einige Tage vorher ins Hans eingerückt war und schon entsprechende Hauskleidung trug. Der Direktor der Anstalt, Bürgerschullehrer Alexander Hecht, hielt eine warmempfundene Ansprache an die Kinder, in welcher er dieselben zur Dankbarkeit gegen den Stifter des Hauses, zu ernstem Streben und zur Vaterlandsliebe mahnte. Ein Hoch auf den Kaiser und auf den Stifter des Hauses, sowie die Absingung der Volkshymne beendete die schlichte Feier, worauf den Zöglingen ein Festmahl geboten wurde. Die Festgäste besichtigten hierauf die Anstalt. deren Zöglingsstand sukzessive auf 50 Knaben erhöht wird, und fand die mnniflzente Ausstattung des Hauses, sowie die musterhafte Ordnung des Betriebes allseitige Anerkennung.