Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 78-79 (8.10.1890)
- Date
- 1890-10-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1393 des Bündnisses. Wer immer Jude ist mit Herz und Sinn, der bedarf nicht der steten Anregung von Außen, der findet sie im Innern, muntert sich selbst stets auf, weiß bei jedem Schritt im Leben, daß er nur im Gottesschutze ungefährdet seine Lebensbahn wandelt. Das sind die bedeutungsvollen Vorschriften, wie die Sukkoh erbaut werden soll; bedeutungsvoll für den, der noch sein Sukkothfest hält, der ganz mit dem Gedanken es feiert, daß er gern und freudig den Schutz Gottes anruft und anerkennt, da die menschliche Hilfe so schwach, so zweifelhaft, oft so wenig nützen kann. Wer leichten Sinnes sich daiüber hinwcgsetzt, der rechnet eben nicht auf diesen höheren Schutz, vertraut sich dem „glücklichen" Zufall an, oder baut auf sich selbst. Anders läßt sich sonst nicht gut erklären, warum dieses bedeutungsvolle Fest in seiner Haupt-wLv so leicht genommen wird, selbst von denen, die noch gesetzestreue Inden sich nennen. Eine w rp'D, eine alte Sukkoh ist ^idd, wenn nichts, gar nichts daran erneuert wird. Ein guter Jehudi muß auch immer auf's Neue zeigen, daß er ein wahrer, gesetzestrener Jehudi ist. Versuchen wir, ob es rein unmöglich ist, .1210 mso zu halten, da doch das bescheidenste Maaß verlangt, die bescheidensten Ansprüche gestellt werden. Mit dem bloßen Gedanken können wir nun einmal dieses Fest am allerwenigsten feiern; ohneSukkoh ist es eben kein Sukkothfest. ’wyn p ab) ntpj/n, „m ache, thue, Hand le", lautet der Grundsatz von .->2« niLv, aber „s ch 0 n Geschehnes, Gemachtes" genügt nicht. Wir dürfen nicht immer denken, es ist gethau, es ist genügend geschehen, ich habe schon meine Pflicht gethau. Mögen uns die Vorschriften über anregen, nach allen Richtungen immer die bessernde, erneuende Hand auzulegen! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. Unseren geehrten Abonnenten überreichen wir mit der heutigen Ausgabe ein Kunstblatt zur Verzierung ihrer Laubhütte und wünschen allerseits DN JTlÖttf- Berlin, 1. Sept. Der „Leman Zion"-Verein hat Herrn Dr. Albert Feuchtwanger aus München als Armenarzt für die heil. Stadt engagirt. Derselbe ist bereits am 27. August nach Jerusalem abgereist. Berlin, 17. Sept. Gestern Abend fand eine große antisemitische Volksversammlung statt. Sie war sehr gut besucht, denn auch die Sozialdemokraten hatten sich eingefunden. Reichstagsabgeordneter Zimmermann verbreitete sich eingehend über das Thema: „Wach' auf, deutscher Michel!" In der Debatte theilte der Vorsitzende mit, daß ein über ganz Deutschland sich erstreckender antisemitischer Agitationsverein gegründet werden solle, und befürwortete, die auf das Ideal gerichteten Agitatoren, die weder über „Judengelder", noch „Reptiliengelder" verfügten, kräftig zu unterstützen. Aus Oberhessen, Mitte September. Als praktische Folge der antisemitischen Hetze wird der „Freis. Ztg." berichtet, daß in Allendorf an der Lumda, Station Lollar, einem Ort von 1300 Einwohnern, sämmtliche jüdische Familien in ihrem „Berges", Weißbrod. welches die Juden dort am Sonnabend essen, unter der Kruste resp. unter dem geflochtenen Berges ca. 10 Stück abgeschnittene Streichholzköpfchen fanden. Kaufmann Stern aus Nordeck hat die Sache der Staatsanwaltschaft angezeigt. Der Ort gehört zum Wahlkreis Pickenbachs und wird fortwährend von antisemitischen Agitatoren durchzogen. Hamburg. Die hiesige deutsch-israelitische Gemeinde hat beschlossen, das der Gemeinde gehörende alte Krankenhaus niederlegen und an dessen Stelle einen Prachtbau aufführen zu lassen. Lübeck. Die hiesige Kultusgemeinde hat den Senat ersucht, eine gesetzliche Anordnung zu treffen, nach welcher alle hier ansässige Juden verpflichtet sein sollten, Mitglieder der israelitischen Gemeinde zu werden, ohne Rücksicht darauf, ob sie religiöse Bedenken gegen die Mitgliedschaft haben oder nicht. Der Senat war geneigt, diesem Anträge zu entsprechen; die Bürgerschaft lehnte jedoch fast einftimnrig den Senatsantrag ab. Solingen, im Sept. Infolge der s. Z. veröffentlichten Verordnung der Königl. Regierung in Düsseldorf für das Schlachten von Vieh nach jüdischem Ritus hat sich Herr Joseph Rindskopf, Hierselbst damit beschäftigt, eine Vorrichtung zu erfinden, welche dazu dient den Kopf des zu schlachtenden Thieres fest zu halten. Das Resutat dieser Bemühung ist eine Vorrichtung, welche bereits im hiesigen Städtischen Schlachthaus und auch in Elberfeld mit gutem Erfolge in Anwendung gebracht wird. Dieselbe hat den Vortheil , daß das stärkste Thier mit geringer Anstrengung während des Schächtaktes festgehalten werden kann. Ein Umschlagen des Kopfes und ein Bruch der Hörner wird bei dem Gebrauch der Vorrichtung vollständig vermieden, auch schließt dieselbe jede Gefahr für den Metzger und Schächter gänzlich aus. Die neue und praktische Erfindung hat den Beifall jedes Sachverständigen gefunden.