Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 78-79 (8.10.1890)
- Date
- 1890-10-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1392 Jeder Gedanke, daß man des Schutzes bedarf, und sei es auch nur gegen die Unbilden des Wetters, führt uns darauf hin, daß wir, ebenso wie wir uns gegen die Elemente zu schützen suchen müssen, soweit es in unserer Macht liegt — und wie oft ist unsere Schutzwehr gebrechlich, machtlos gegen elementare Ereignisse — auch einen höheren Schutz suchen müssen in Fällen, wo wir ganz hilflos dastehen. Immer werden wir durch ein Schutzdach darauf hingewiesen, daß wir des Schutzes bedürfen, daß wir mit unserer Person uns nicht immer helfen können. Und dieses Bewußtsein und das daraus sich entwickelnde Gefühl, höheren Schutz zu suchen, und der Gedanke, unter höherem Schutze zu stehen, werden uns im Leben mit viel mehr Vertrauen und Kraft und Ausdauer ausrüften und mit mehr Gleichmuth die Unbilden des Lebens ertragen helfen. Darum ist jedes Schutzdach als Sukkoh brauchbar, weil die Gedanken, mit denen wir in der Sukkoh wohnen sollen und der Gedanke jedes anderen profanen Schutzdaches sich im Wesen begegnen und auf Eins hinauslaufen. Im Gegensatz dazu steht die Sukkoh, die von selbst entstanden ist, wie z. B. wenn man aus einem Garbenhaufen die mittleren Garben herausnimmt, so daß ein leerer, hüttenartiger Raum entsteht, oder wenn auf irgend eine Weise eine Laube entstanden, die den äußeren Bedingungen der Sukkoh genügen würde. Aber einer solchen Hütte geht der Gedanke ab, als Schutzdach zu dienen. "P&D reo nxB'y ow nusin mip pon hdni .nuBin *w ntpyw omp po^ iwd po^ „Man darf das Dach nicht vor den Wänden errichten; wenn aber nur eine Handbreite Wand oben in der Nähe des Daches gemacht ist, so ist es gestattet, das eigentliche Schutzdach auszulegen, bevor die Wände ganz fertig sind." Ohne Wände soll kein Dach aufgelegt werden, mindestens eine Handbreit Wand muß nach oben zu da sein. Sich auf Gottes Schutz verlassen, sich in Gottes Schutz begeben, das können wir nur dann, wenn wir selbst die Hand dazu bieten, wenn von unserer Seite aus etwas geschieht, um daraufhin auf den Schutz Gottes bauen und vertrauen zu dürfen. Aber einfach auf Gott vertrauen, Seinen Schutz und Seine Hilfe erwarten, ohne daß wir uns darum bewerben und würdig zeigen, das ist geradeso, als wenn ein Kind von den Eltern alles erwartet und verlangt, ohre sich jemals dafür dankbar zu zeigen, ohne denselben jemals mit Liebe und Achtung zu begegnen. Es sind ja meine Eltern, sie müssen und werden schon helfen, um ihrer selbst willen, weil ich ihr Kind bin. Wer so denkt, könnte sich doch I zuweilen verrechnen. Es gibt auch in der Elternliebe und Elternpflicht gewisse Grenzen. Und wie viele Menschen gibt es, die ihrem himmlischen Vater gegenüber so denken, sprechen und handeln. Wer aber auf Schutz rechnen, Hilfe verdienen will, der muß auch eine Gegenleistung bieters. Eine Handbreite ist doch sicherlich wenig. dv ‘h iDJn’ttf D-pp nspytt' nur?' roio jnn nwh 121 ra v i n' tr mtto jnn nwy dni .ins o i p a 2 Nin on \jd nDB by nsaa .»nn ropn n^nno '»sk :nn db6 „Eine alte, dreißig Tage vor dem Feste errichtete Sukkoh ist nao, nur muß man etwas daran erneuern zum Zwecke und mit der Absicht für das neue Fest. Mit einer Handbreit genügt es an einer Stelle. Wurde die Sukkoh aber schon beim Beginne des Jahres als solche errichtet, so braucht man nichts mehr daran erneuern." Wer einmal Gottvertrauen bewiesen, Gottes Schutz angerufen und sich würdig gezeigt hat. der darf nicht glauben, cs bedürfe in Zukunft seines Zuthuns nicht mehr, Gott werde ihm auch ferner von selbst helfen. An dem Schutzdach muß immer etwas erneuert werden. Geradeso wie der Mensch nicht stehen bleiben darf, wenn er nicht zurückgehen soll, wie er immer lernen muß, wenn er fortschreiten will, wie die Verhältnisse ihn zwingen, den neuen Lebensanschauungen und Lebensansprüchen, dem Fortschritt auf allen Gebieten entsprechend Rechnung zu tragen; so muß er auch innerlich immer weiter sich entwickeln, neue Ideen in sich anfnehmen. Und so wird unser Verhättniß zu unserem Gotte, wenn wir immer auf einem Standpunkte stehen bleiben, ohne uns immer auf's Reue damit zu befassen, ohne neue Anregung zu erhalten und neue Belehrung in uns aufzunehmcu, um uns stets in Verbindung zu erhalten mit Gott und uns fort und fort würdig zu zeigen, nur zurückgehen. Bei einem solchen Schutzverhältniß, in welchem wir zu Gott stehen, wo auf unserer Seite so wenig Pflichten, von Seiten Gottes aber so viele Rechte eingeräumt sind, wo wir eigentlich nichts leisten können, Gott aber Alles zu verdanken haben, sollten wir doch wenigstens stets dafür Sorge tragen, uns Seine Gunst zu erhalten, immer aufs Neue in Liebe und Dankbarkeit zu ihm aufschauen. Wenn, so heißt es, an der alten Sukkoh nur etwas jn db6, und zwar au einer Stelle nur eine Handbreit erneuert wird, so daß man es merkt, so genügt das, um die alte Sukkoh brauchbar zu machen. Wenn aber die Sukkoh vom Beginne des Jahres an ovb jn gemacht worden, ist sie ivo, ohne daß etwas daran erneuert wird. Wer immer sich seines Verhältnisses zu Gott klar bewußt ist, der bedarf keiner Erneuerung