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Der Israelit · 1889-11-11 · Heft 88 (11.11.1889) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 88 (11.11.1889)
Date
1889-11-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1523 In trübster Stimmung kam der -Parneß zu seinen College« zurück, theilte ihnen das Geschehene mit. Nun wurde auch der Rabbinats-Asessor7) zur Berathung zugezogen. Nach vielem Debattiren wurde der Beschluß gefaßt, daß man Reb Josef zur Sicherheit in den Carcer sperre, aber vorderhand nicht an Waldstein ausliefere, sondern ich soll mich hinbegeben, vielleicht werde der Stadthauptmann sich durch meine Vorstellungen beruhigen lassen. Am nächsten Morgen begaben wir, Reb Jakob und ich, uns zu Waldstein. Als dieser uns ansichtig wurde, sprach er zu Reb Jakob -. Nun bist Du vom Tode und Gehängtwerden befreit, dafür wird der Strick diesem Manne ertheilt. Das ist doch derjenige, der das gestohlene Gut angekauft? Nein, hoher Herr, erwiederte Reb Jakob, ich sagte doch bereits gestern, daß ich nicht weiß, wer der Käufer sei, dieser Herr ist der beeidete Diener. Darauf sprach Waldstein wuthschnaubend zu mir: Damit Du es weißt, du wirst gehängt an dem Galgen, der für Dich schon bereitet ist! Ich sprach: Mein Herr, warum ergießest Du Deinen Zorn über mich, hoher Herr, es geschah doch ein ähnlicher Fall, zur Zeit des Kaiser Rudolf, da wurde ein Becher gestohlen, der Käufer desselben stellte ihn mir zurück, ich übergab ihn. ohne den Namen desselben zu verrathen. Als ich aber sah, daß die Wuth des Stadthauptmanns (Waldstein) sich nach dieser Rede noch vergrößerte, bat ich, er möge nicht zürnen, ich will diesmal dem Parneß Jakob den Käufer nennen, was ich auch sofort that. Daraus erhielt er den Befehl, den Mann binnen einer Stunde herzubringen. Reb Jakob entfernte sich eiligst, um selben zu holen. Ich wollte mich auch entfernen, da schrie mich Waldstein grimmig an: Wohin willst Du denn, ich ertheile eben den Befehl Dich zu hängen! Er rief auch den Profos, und fragte, ob der Galgen bereit sei? Nach dessen bejahender Antwort redete er weiter: „Nimm diesen Mann da, und führe ihn iri's Stockhaus, lege ihm an Hände und Füße schwere Fesseln an, morgen mit dem Frühesten soll er gehängt werden! Als ich dies vernahm, fiel ich vor ihm nieder, mein Angesicht zur Erde gebeugt, weinte und bat, mich zu entlaffen, indem ich doch nichts verbrochen; „Habe ich nicht den Käufer genannt? und dieser wird ja hergebracht, worüber zürnt also mein Herr? und warum soll unschuldig Blut vergossen werden?" Da schrie er nur noch mehr und schwur bei 7) Zu dieser Zeit war der Oberrabb., Moses Reb Mendels, bereits von Prag weggezogen, und dessen Stelle noch nicht besetzt. allen Heiligen, daß ich dem Tode nicht entgehe, sondern morgen, sammt dem Schuldigen gehängt werde. Jemehr ich weinte und bat, desto mehr setzte er seine Betheuerungen fort, bis mich der Prosos und ein Soldat ergriffen und mich in's Gefängmß abführten. Dort legten sie mir an beiden Füßen und einer Hand Ketten an. Man ließ mich zurück in Gesellschaft mehrerer Verbrecher und kein Jude kam zu mir. Am Abend kam der Profos und brachte den Mann, der die Vorhänge gekauft; mir wurden die Ketten abgenommen und ihm angelegt; dann ließ man uns allein. Ich verrichtete das Mincha- und Maarib-Gebet, legte mein Sündenbekenntniß gleich einem Sterbenden ab, da ich doch wußte, daß ich gehängt werden und so den zehn Märtyrern angereiht werden soll. Es war etwa eine Stunde vor Aufgehen der Sterne, als der Profos wieder eintrat und mich aufforderte, ihn zum Regiments-Schultheiß zu begleiten. Dort angelangt, theilte dieser mir die freudige Nachricht mit, daß ich frei sei und nach Hause gehen könne. Er beorderte auch einige Soldaten, mich bis zu meiner Behausung zu begleiten. Trotzdem ich frei war, war ich nicht guten Muthes, denn der Schmerz über Josef's Schicksal, ließ die Freude bei mir nicht aufkommen. In gleicher Stimmung fand ich die ganze Gemeinde, Männer wie Frauen, alles war setnethalben im tieffteu Kummer, und es war großes Wehklagen in Israel. Alle beweinten den guten, biedern Josef, der im Kerker schmachtend, dem sichern Tode entgegensah. Waldstein hatte bereits sein Urtheil gefällt. Morgen Mittags soll er an den Füßen aufgehängt werden zwischen zwei Hunden, die ihm (so sagte Waldstein) den letzten Weg begleiten sollten. Jeder wußte, daß der Arme unschuldig büße, und Jedermann bezeugte ihm, daß er ein braver, rechtschaffener Mann sei. — Am frühesten Morgen des nächsten Tages begaben sich die Vorsteher zu den Geistlichen, Jesuiten genannt, und baten diese, einer aus ihrer Mitte möge sie als Fürsprecher für Josef zum Stadthauptmann Waldstein geleiten. Diese aber sprachen: Wir sind gerne bereit, all Euren Ansuchen zu willfahren; in dieser Angelegenheit aber können wir nichts ihun, denn Waldstein hat vor einigen Tagen befohlen, einen Soldaten, den Bruder von einem der Unserigen, zu hängen. Sechs aus unserer Mitte baten ihn, unsere Ehre zu schonen und den Verurtheilten zu pardonniren, er aber befahl uns zornig, sofort in unser Kloster zurückzukehren und keine Fürbitte mehr zu wagen, der Dawiderhandelnde werde sofort mitgehängt. Betrübt

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