Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 88 (11.11.1889)
- Date
- 1889-11-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1524 entfernten sich die'^Vorsteher, viele von ihnen suchten andere, ihnen bekannte Persönlichkeiten auf, andere wieder schrieben an hohe Adelige. Endlich gelang es einer hohen Person, Namens Graf General, (?) Waldstein zu bestimmen, daß er gegen ein Lösegeld von 10,000 Goldgulden den Josef freigeben wolle. Inzwischen ertheilte er dem Henker den Befehl, sich zu Josef in den Kerker zu begeben und dahin die zwei Hunde mitzunehmen und Josef krumm zu schließen. So geschah es auch. Der Arme mußte mehr als zwei Stunden an Händen und Füßen gefesselt, zwischen den beiden Hunden liegen. Dann kam der Profos, löste von (Josefs) Händen die Ketten und befahl dem Henker, die Hunde wegzuführen. Er (Josef) blieb im Gefängniß, bis das Lösegeld erlegt werde. So verblieb er dort Mittwoch den ganzen Tag und die ganze Nacht und auch Donnerstag. Abends brachten die Vorsteher die bestimmte Geldsumme, bestehend aus feinen Goldgulden und andern gangbaren Münzen. Waldstein fragte, aus welchen Münzsorten das gebrachte Geld bestehe? Sie theilten ihm die benannten Sorten mit. Gehet wieder nach Hause mit Eurem Gelde, befahl er ihnen, die Summe muß aus durchaus dreizalmer (?)8 *) Stücken bestehen und zwar sollen 10 Säcke je 1000 Gulden Z Zalmerstücke enthalten. Fast die ganze Nacht beschäftigten sich die Vorsteher damit, diese Münzen einzuwechseln, und selbe nach Angabe in 10 Säcken zu bexfyelkn.3) . Freitag %ovmittaQ§ begaben sie sich wieder hin (tn's Gubernium). Bevor selbe aber dort angelangt waren, berief Waldftein den Bürgermeister Prag's und mehrere Stadträthe; er fragte selbe, ob man den Juden (Josef) hängen oder das Lösegeld nehmen solle? 8) Anm. der Red.: Dreikreuzerstücke. Sj Siche Hermann, Geschichte der Juden in Bömen. Seite 56. Sie entschieden sich für das Letztere, nachdem, wie sie sagten, der Mann keine Todesstrafe verdiene. Indessen trafen die zehn Vorsteher mit dem Gelde ein. Als Waldftein bemerkte, daß diese die Säcke mit dem Gelde, in Körbchen nachtragen ließen, schrie er sie an: Verfluchte Juden, warum tragt ihr das Geld versteckt, als wollte ich mich von Euch bestechen lassen? heraus mit den Geldsäcken. Darauf ließ er zehn Soldaten kommen, befahl ihnen darauf zu sehen, daß jeder von den Juden einen der Säcke auf seine Schulter nehme, und selbe bis zum altftädter Rathhaus zu begleiten. Hinter jedem Juden soll ein Soldat gehen, und sobald er seinen Sack bedecken oder von der Schulter heben will, soll er (der Soldat) ihn schlagen. So wurden die ehrwürdigen Männer dem allgemeinen Gespülte preisgegeben. Einer der Juden überbrachte dem Gefängnißaufseher, was ihm zukam, und Josef wurde am Vorabend des Sabbat, in der Dämmerung, entlassen und kam heiler Haut in sein Haus. Gepriesen sei Er, der uns Gnade erzeigte, möge Er stets über uns das Gute verhängen. Selah. Auf Veranlassung Deiner Stadtleute schreibe ich die Begebenheit nieder, und als der erwähnte Josef mich bat, ihm ein Empfehlungsschreiben mitzugeben, beschloß ich Dir durch ihn diese Schrift zu übersenden. Er wird Dir persönlich das mittheilen, wovon ich vielleicht nicht unterrichtet bin, nämlich, was ihm im Gesangenhaus geschah. So leb' denn wohl. Der Ewige möge uns mitleidsvoll den Erlöser senden, dies wünscht sehnlichst Dein Vater, der Geringe, Chanoch 10), Sohn des Gelehrten Moses Asch, Synagogendiener in Prag. Geschrieben am Dienstag, den 22. Tebeth 383. IO) Siehe Koppelmann Leben. Gal Ed 54 u. 55, Nr. 106. „JSraelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel bestehen bet E./. Kleinackrr, Leipstg, Koßpiatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesierreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Zur Geschichte des Gebets und des ersten Vorbeters. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus Hessen-Darmstadt. Gießen. Bad Nauheim. Bamberg. — Oest.-Ung. Monarchie: Wien. Prag. Pesth. Budapest. — Feuilleton: D’yt’pn HIE) nb’JD — . Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Prag. — Frankreich: Paris. — Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des .JSraelit* und „Jeschurun" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierz« eine Beilage.