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Der Israelit · 1889-11-11 · Heft 88 (11.11.1889) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 88 (11.11.1889)
Date
1889-11-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1519 fährden drohen. Dieser und der spätere ähnliche Vorgang beim König von Philtstäa sprachen mit unverkennbarem Ernst die Wahrheit aus: Abraham verkennt die weitreichende Bedeutsamkeit Saras, und Könige werben um sie! Nach der Rückkehr aus Egypten und der Trennung von Lot, wiederholt sich daher die göttliche Verheißung, um Abraham geradezu Gelegenheit zu geben, die Erfahrung am Pharaonischen Hose zu verwerthen. Die Verheißung erscheint hier mit dem Zusatz von der großen unzählbaren Menge der abrahamitischen Nachkommenschaft (Cap. 13. 16), um den Wunsch zu wecken, daß, wenigstens ein Theil derselben, Sara entstammen möge. Aber Abraham wagt es nicht, solchen Wunsch in Worte zu kleiden, er scheut es, von Gott eine wie er glaubt unverdiente Gnade zu erbitten, er kennt noch nicht die liebende Waltung Gottes, die auch ohne Verdienst, ohne jeden Anspruch selbst der Bitte des Schuldbeladenen Erhörung gewährt, er flieht selbst den Schein eines Dieners Gottes, um der Erhörung seiner Wünsche, um des Lohnes willen. Deßhalb fehlt seiner Fürsprache für Sodom und Amora um der darin lebenden Gerechten willen, der Charakter eines Gebets.2) Er erblickt auf Grund der etwa vorhandenen Gerechten, in der Rettung der dem Untergange verfallenen Städte eine Forderung des Rechts. Daß man unabhängig von dem Vorhandensein Gerechter, auch für notorisch Schlechte, wenn auch nicht das Recht, .so aber doch die Gnade Gottes anrufen könne, diese Liebesgröße Gottes war Abraham noch nicht kund geworden. Er kann den Gedanken nicht fassen, daß Gott den Gerechten mit dem Schlechten hinraffe. Der Untergang lediglich der Schlechten erscheint ihm gerechtfertigt. Ihm ist Gott der Richter der Erde, und er fragt deßhalb, sollte der Richter der ganzen Erde nicht Recht üben? „Sollte Gott nicht Gnade üben?" fragt Abraham nicht. Diese göttliche Waltung war ihm ein Geheimniß, das ihm noch enthüllt werden mußte, bevor sich das erste Gebet zum Himmel emporringen konnte. Die nun folgenden Geschehnisse im Leben Abrahams führen Schritt vor Schritt dazu, immer mehr den Schleier zu lüften, der bis dahin Gottes wunderbare Liebesgröße der menschlichen Erkenntniß verhüllte. Wenn daher ein sväteres Prophetenwort die unvergleichliche Größe Gottes in dem Ertragen jeder Krümme, und in dem Hinweggehen über jeden Abfall seines ihm als Erbe verbliebenen Volksrestes 2) Dasselbe dürfte sich auch von dem Gebete Nachweisen lassen, das Chulin 60 g. Adam vindicirt wirb. feiert, wie sein Zürnen niemals seine Macht dauernd behaupten kann, weil Liebe das letzte Ziel seiner Waltung ist, und daran die Zuversicht von Gottes immer neu wieder zu gewinnender Gnade knüpft, die jeder Zeit bereit ist, unsere Schuld zu bewältigen und ihre daraus entspringenden Verirrungen in die unergründlichsten Meerestiefen zu versenken, so wird diese dem Jakobsvolke geläufige Wahrheit auf die Liebeswaltung zurückgeführt, mit deren Erfüllung Abraham begnadet wurde, und die ein in frühester Vergangenheit unseren Vätern geleisteter Gotteseid auch uns noch verbürgt. (Micha Ende.) (Fortsetzung folgt.) Zeitrrngsuachrichteu und Corresporrdeuzeu. Deutschland. Aus Hesse» - Darmstadt. Einem höchst feierlichen, erhebenden und ergreifenden Gottesdienste hatte der Einsender dieses Sonntag den 27. October, Abends 5 Uhr in Gr. Zimmern beizuwohnen Gelegenheit gehabt. War es doch der letzte Gottesdienst in dem alten schon Jahrhunderte lang stehenden Synagogengebäude daselbst, das [infolge seines baufälligen Zustandes diese Woche zum Abbruch kommen mutz, und auf welcher Stelle ein denVerhältniffen entsprechendes, würdiges Gotteshaus errichtet werden soll. — Schon längst vor der festgesetzten Zeit hatten sich Frauen- und Männerräume mit Thetlnehmern, bestehend aus Einheimischen und Gästen, gefüllt. Punkt 5 Uhr begann Herr Lehrer Spier Mn Gr. Zimmern die Abschiedsrede. In sinniger, fesselnder und ergreifender Weise wußte Redner, treffend den Auszug aus dem Gotteshause auf den Vers des Wochenabschnittes: -fp i> n»aoi anpassend, die Bedeutung der Scherdestunde klarzulegen. Kein Auge blieb thränenleer, als Redner auf vergangene Zeiten und vergangene Geschlechter hinwies: (ta nm in): wie das Gotteshaus in allen Stunden des Lebens Zuflucht gewährt, in freudigen uns zur Demuth mahnend, in traurigen uns Trost und Beruhigung spendend. Redner schloß seinen ^ständigen mit ungetheiltem Beifall aufgenommenen Vortrag mit der Mahnung an die Gemeinde, den bisher bewahrten Frieden, die festeste Säule zum Gedeihen der Gemeinde, immer walten zu lassen, darauf hindeutend, daß der letzte Satz, den wir im GotteShause sprechen, lautet: 'ai «in ms ubv rwy. Hierauf wurde das 2'ipv-Gebet verrichtet und nach Schluß desselben die mm nto unter Begleitung der ganzen

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