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Der Israelit · 1889-11-11 · Heft 88 (11.11.1889) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 88 (11.11.1889)
Date
1889-11-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1518 ^iner Zeitströmung zusammenfiel, welcher das von Mt Vätern überkommene Judenthum als antiguirt ^Mabgethan erschien, das man registriren zu müsum es vor Vergessenheit zu schützen. ^^Miten, in denen das Judenthum noch nicht ^^Mbliotheken, sondern die Geister und Gemüther ^^MfBekenner füllte, hatte man gar nicht Zeit ^^MSedürfniß seine Geschichte niederzuschreiben. Einzelne war von seiner Zugehörigkeit zum ^Wen Ganzen und von der ewigen Unvergänglich- Wit dieses Ganzen so tief durchdrungen, daß er nimmer die Zeit gekommen glaubte, seine Geschichte schreiben zu sollen. Dieses lebendige Bewußtsein von der Zugehörtgheit des isolirtesten Einzelnen zur großen Gesammtheit, das jede Gegenwart nur als Brücke zwischen einer großen Vergangenheit und einer noch größeren Zukunft begreifen läßt, das die Judenheit dem Judenthum und das Judenthum der Judenheit erhalten und so die Nothwendigkeit einer geschichtlichen Darstellung naturgemäß in den Hintergrund gedrängt hat, dieses Bewußtsein uns für alle Zeit unverlierbar zu sichern, scheint schon in den allerersten Anfängen der jüdischen Geschichte Gegenstand ganz besonderer fürsorgender Gotteswaltung gewesen zu sein. Dieses Bewußtsein zieht sich wie der vielgenannte rothe Faden durch unsere ganze Geschichte, der aber hier keine gedankenlose Floskel, sondern wörtliche Wahrheit ist. Wird doch das Bewußtsein der Zugehörigkeit zum abrahamitischen Bündnitz durch das Blut eines jeden männlichen Kindes schon im zartesten Kindesalter besiegelt, öffnet sich doch noch heute kein jüdischer Mund zum Gebet ohne des Gottes der Väter zu gedenken, ohne so einen Knoten in dem Bande zu schürzen, das den spätesten Enkel mit dem ältesten Ahn verbindet. Von diesem Gesichtspunkt begreift sich auch wie der höchste den Stammvätern des jüdischen Volkes zugedachte Segen in dem Besitz einer Nachkommenschaft wurzelt und gipfelt, die treu den Geist und die Gesinnung von den Vätern hinnimmt und für alle Zeit bewahrt und bewährt. Wenn es einen Wunsch gab, für dessen Erfüllung der Stammvater des jüdischen Volkes ein Gebet zum Himmel senden mochte, so war es dieser, deffen Gewähruug ihm wiederholt und in immer wechselnden Variationen zugesichert war, deffen endliche Verwirklichung aber erst dem hundertjärigen Greise wurde, weil er der Kernpunkt war, um den sich alle Veranstaltungen gruppirten, welche das erste Gebet auf Erden bewerkstelligen sollten. Bei dem Adel der Gesinnung, bei der Höhe des Geistes und Charakters, vor allem bei der vollendeten Selbstlosigkeit, die uns aus jedem Lebenszuge Abrahams leuchtet, begreift sich die Schwierigkeit gerade einem Abraham das Bewußtsein betzubringen, man dürfe nicht nur von Gott etwas erbitten, sondern Gott sehne sich gar nach dem Gebete pflichttreuer Menschen — o'pHä yrbsvh nwno rrnpn — um ihnen so die Fülle alles für sie bereitftehenden Segens nun auch zuwenden zu können. Ein Abraham, der was Menschen sonst lieb und theuer .ist, der Heimath, Vaterland, Gut und Blut, Lebensruhe und Familienglück, kurz alles, woran nur das menschliche Herz in Liebe hängt, für seine Ueberzeugung von Gott freudig einsetzt, der für sich nicht einmal einen Faden und Schuhriemen verlangt, der sollte nun den höchsten Wunsch von Gott erbitten, ohne den Schein selbstsüchtigen Interesses zu fürchten, der einer solchen Bitte anhaftet? Deßhalb hat Gott die Erfüllung dieses Wunsches gleich von vornherein zugesagt, (1. B. M., C. 12, 2) seine Verwirklichung aber noch lange hinausgeschoben. Durch diese Zusage war die Scheu, von Gott etwas zu erbitten, wesentlich gemildert, denn jede Bitte konnte nunmehr nur noch ein bereits Zugesagtes zum Gegenstände haben. Andererseits blieb aber immerhin auch nach dieser Zusage nach Raum für die Befriedigung eines heißen Lebenswunsches. War doch die göttliche Zusicherung zunächst nur an ihn allein gerichtet. Daß dieselbe aber auch Sara umfasse, mußte ihm als ein ganz besonderes Wunder erscheinen, das er nach natürlichen Voraussetzungen nicht erwarten durfte.x) So wenig glaubt Abraham an die Verwirklichung dieser Verheißung durch Sara, daß, als sie nach zehnjährigem Aufenthalt im Lande Kanaan noch immer nicht ihre Erfüllung gefunden, die Möglichkeit ihrer Realisirung in dem aus der Verbindung mit Hagar entsprossenen Jschmael erblickt. Erft zügelloser Freiheitsdrang, den Jschmael von der Mutter geerbt und ihn als unfähig erscheinen ließ das geistige Abrahamserbe anzutreten, mochte Abraham auf die Bedeutsamkeit Saras für die Verwirklichung der ihm gewordenen göttlichen Verheißung geführt haben. Zunächst aber scheint sie ihm nicht zum vollen Bewußtsein gekommen zu sein, und der Wunsch, daß die treue Gefährtin seines Lebens von Gott ausersehen sein möge, an den von ihr Geborenen seine Verheißung zu erfüllen, blieb — unausgesprochen. Daraus wird die Bedeutsamkeit Saras Abraham durch die Vorgänge nahe gelegt, welche am egyptischen Königshofe sein Familienglück, ja das Leben selbst zu gei) *£>i nb pn mpy nv nm i. B. M. n. 30.

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