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Der Israelit · 1889-11-11 · Heft 88 (11.11.1889) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 88 (11.11.1889)
Date
1889-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXX. Jahrgang. M 88. Israelit «„> Zeschurim. Itttslhüst W-Mmig D. Geiste« Md jSd. FrdW ill Ws. Grmillde unö K> Kentrat-Hrgan für das ortßodore Iudenlhu Herausgegeben von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, de« 11. November 564» (1889). Leiten»-^Artikel. Zur Geschichte des Hevets und des ersten Weters. *) Von Bezirksraübiner vr. Ehr mann in Baden (Schweiz). n. Ein Blick auf die mehr als dreitausend Jahre hinter unS liegenden ersten Anfänge der jüdischen Geschichte und rthrer.Helden, ist so tzelartjM.in den Gesichtskreis zu" ziehen geeignet, daß eine lurzk' Orientirung wohl berechtigt erscheint. Ist doch der geschichtliche Blick, ja der Sinn für Geschichte dem jüdischen Bolke von den eigenen Söhnen abgesprochen worden, die sich dann eifrig bemüht zeigten, in den jüngsten 5—6 Decennien nachzuholen, was seit Jahrhunderten versäumt fein sollte. Wenn nun in der That der historische Theil unserer reichen, vielseitigen Literatur im Vergleich zu den anderen Partien wesentlich kleiner erscheint, so dürste diese Thatsache in dem Wesen des jüdischen Volkes und in dem Wesen jeder Geschichtsforschung ihre Erklärung finden. Ist objektive Forschung mit völlig uneinbeflußter Auffassung und Wiedergabe des Erforschten die erste unerläßlichste Forderung jeder geschichtlichen Darstellung, so begreift es sich, daß diejenigen Geschichtsepochen, die noch in ihrer Entwickelung begriffen und daher nicht abgeschlossen sind, einer wahrheitsgetreuen Schilderung die größten Schwierigkeiten bereiten, weil der Darsteller, je mehr er sich in seinen Gegenstand versenkt, um so mehr Ge¬ *) In der Überschrift zu Nr. I. hat sich ein Druckfehler eingeschlichen, der nach obiger Richtigstellung zu berichtigen ist. — Ferner ist Seite 1478 statt: „Den Willen Seiner Verehrer gestatt^ Er, gestaltet zu lesen. fahr läuft, seine subjektiven Anschauungen und Empfindungen aus Kosten der tatsächlichen Wahrheit mit dem Gegenstand seiner Darstellung zu verweben. Ja, das Bedürfniß einer geschichtlichen Darstellung, einer Fixtrung des Geschehenen, macht sich in normalen Verhältnissen kaum geltend, so lange die Geschehnisse noch nicht geschehen, d. h. nicht vollständig zum Abschluß gelangt sind, so lange der Darsteller selbst inmitten der Thatfachen stehend. vollständig zum Abschluß gelangt sind, so lange der Darsteller selbst inmitten der Thatfachen stehend, alles Zmereue eben oen ore um vvr- HebE Ächt aber ihrer SchuMung züwendet. Hieraus dürste eS sich erklären, daß in einer Bolksgesammtheit, wie sie eben die jüdische repräfettttrt; die Zahl derer immer nur eine geringe war, welche die Neigung zu einer beschaulichen, historischen Darstellung über die Fluth der täglichen Geschehnisse hob, um sie von dort zu fixiren und wiederzugeben. Weil die jüdische Gesammtheit keine fictive Idee ist, weil sich jeder einzelne als lebendiges Glied des großen Ganzen fühlt oder doch fühlen sollte, weil Geist und Herz ganz im Sinne dieser Gesammtheit stehen, deßhalb suchte und fand die jm Dienste der Gesammtheit kämpfende Hand rüHl die Mutze, den Griffel der Geschichte zu führen. Etz ist vielleicht unter diesem Gesichtspunkt gestattet zu sagen, daß von bestimmten, die Regel bestätigenden Ausnahmen, abgesehen, die Zeiten, welche die Geschichte machten, sie nicht schrieben, und die, welche sie schrieben, sie nicht machten- Es gehört eihe ganz besondere göttliche Gnade dazu, mitten ins Gewühl des Lebens dieses selbst treu schildern zuzckönnen und es begreift sich daher wie die bloße AHvrschaft der historischen Theile unserer heiligen Urkunden dafür zeugt, daß sie nnp nro geschrieben sind. Es.ist daher wohl kein bloßer Zufall, wenn das erwachte Interesse für jüdische Geschichte mit

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