Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 87 (7.11.1889)
- Date
- 1889-11-07
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1511 hätte man einige bekannte, volksthümliche Melodieen, wie: „Letzte Rose u. s. w.", vermißt. Der denkende Leser möge sich darüber sein eigenes Urtheil bilden! Hat sich nun der angehende Vorbeter ein bestimmtes Quantum von musikalischen Kenntnissen erworben, so wäre es sehr wünschenswerth, daß die Herren Lehrer ihren Zöglingen auch gute Gesangswerke in die Hände geben, damit dieselben ihre weitere Ausbildung selbstständig fördern können. Und da möchte ich zunächst die Werke eines „Lewandowskh" empfehlen, deffen Meisterschöpfungen auf die Gestaltung unseres Gottesdienstes einen sehr großen Einfluß übten. ’ Zugestanden, daß es dem jungen Vorbeter große Schwierigkeiten bereiten wird bis er diese Gesänge eingeübt hat; ist derselbe jedoch für seinen Berus begeistert und geht er mir ernstem Fleiße und richtigem Eifer an seine Arbeit, so wird es ihm gewiß gelingen, die musikalischen Schätze sich dauernd anzueignen. Sehr nothwendig wäre es auch, die Seminaristen mit dem jüdischen Ritus und den verschiedenen „Minhagim" vertraut zu machen. 3) Eine weitere Ursache zu diesem Mißstande ist der Seminarist selbst. Gar oft trägt der künftige Cantor selbst sein Scherflein zur Vergrößerung dieses mißlichen Umstandes bei. Es ist sehr beklagens- Werth, daß sich so viele Seminaristenmit dem Besitze des geringsten Maßes von musikalischen und sprachlichen Kenntnissen begnügen. Dieselben denken nicht daran, daß die Forderungen, die heute eine Gemeinde an ihren Cantor stellt, weit größer sind, als die zu früheren Zeiten. Es dürfte heutzutage einem Lehrer, der mit nur geringen musikalischen Fähigkeiten ausgestattet ist, selbst solchem, der den Ruf eines tüchtigen Schulmannes. genießt, schwer fallen, eine gut besoldete Stelle, woselbst die beiden Aemter Lehrer und Cantor verbundeil find, zu erhalten. Zu Begründung dieser Thatsache folge auch ein kleines Beispiel. Vor einigen Wochen war im „Israelit" eine vakante Lehrer- und Chasanstelle annoncirt. Es bewarben sich nicht weniger als 60 Candidaten, darunter auch solche, die vorzügliche Zeugnisse über ihre Wirksamkeit als Lehrer aufzuweisen hatten. Als es sich nun um die Besetzung derselben handelte, wurde von den Vorstehern der Gemeinde bemerkt, daß nur solche Bewerber berücksichtigt werden können, die auch gute Musiker sind. Welche Lehren können wir nun aus all diesem ziehen? Daß es sich ein jeder Seminarist zur heiligen Pflicht mache, dem Cantorfache seine besondere Sorgfalt zuzuwendeu, auf daß er immer mehr und mehr zur Hebung und Veredelung des Gottesdienstes beitrage. Verein israelitischer Lehrer in Schlesien nnd Posen. Protokolle der ii. ordentlichen Generalversammlung am 9. und. 10. Juni 1869 in Breslau. (Schluß.) Als nächster Punkt stand auf der Tagesordnung die Rechnuugsablegung der Kassenverwaltung. Der vorgelegte Kassenbericht ergibt, daß die Einnahmen im Jahre 1888 vom l. Januar bis incl. 31. Dezember, einschließlich des aus dem Jahre 1887 übernommenen Kassenbestandes von M. 10.49, betrugen: M. 122.49; hiervon ab die Ausgaben M. 55.50, gibt einen Kassenbestand von M. 66.99, der pro 1889 vorzutragen ist. Da der diesjährige Kassenabschluß keinen Ueberschuß aufweist, (die Ausgaben des Jahres betrugen M. 122.49 gegen einen Kassenbestand von M. 10.49 ultimo Dezember 1887), so fällt die Ueberweisung an die Untcrstützungskaffe weg. Auf Antrag der Revisoren ertheilt die Versammlung dem bisherigen Kassenführer Dr. Einstein für das Verwaltungsjahr 1888 Decharge. Bei dem nächsten Punkt der Tagesordnung: Wahl des Vorstandes, entspinnt sich eine Reihe von theils sachlichen, theils persönlichen Bemerkungen. Da gegen Wiederwahl durch Akklamation Einspruch erhoben wird, wird die Wahl mittels Stimmzettel vorgenommen. Der erste Wahlgang wird für ungiltig erklärt, da unter den Gewählten nur zwei ihren Wohnsitz in Breslau haben, während es nach den Statuten 3 sein sollen. Die endgiltige Wahl ergibt: Dr. Samuelsohn-Breslau als Vorsitzenden, Dr. Badt-Breslau als stellvertretenden Vorsitzenden, Freudenthal-Breslau als Schriftführer, ferner die Herren Blumenseld-Schweidnitz, Dr. Cohn-Kattowitz, Herbft-Liffa, Dr. Mattersdorf-Gleiwitz. Eine lebhafte Debatte entspinnt sich über die Art der Veröffentlichung der Protokolle. Der Schriftführer theilt mit, daß Herr Dr. Rahmer sich auch in diesem Jahre wieder zum Abdruck der Protokolle in der Wochenschrift erboten habe, und be-