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Der Israelit · 1889-11-07 · Heft 87 (7.11.1889) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 87 (7.11.1889)
Date
1889-11-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1503 Israeliten, welche überdies mit grobem Interesse die religiöse und geistige Entwicklung ihrer Glaubensgenossen verfolgen. Sie sind zumeist Mitglieder des Konsistoriums; Adolph Franck, der Nestor der philosophischen Schule in Frankreich, und der berühmte Assyriologe Oppcrt sind z. B. Präsidenten der Koeitzte äes etuäss juives". — „Ist es ferner wahr, daß sich in der französischen Armee mehrere Generäle und höhere Offiziere jüdischen Glaubens befinden?" — „Jawohl. Es sind die Generäle Brissac, Lambert, Levy Alvaräs, See, Abraham; die Oberste Salvador, Lyon, Fix, Hinftin rc. In Frankreich hat man schon lange die Vorurtheile überwunden, welche in anderen Staaten den Juden die höheren Armeechargen verschließen. Hoffen wir, daß endlich die thörichten Ammenmärchen, welche man so gerne über uns verbreitet, aus der Tradition der Völker verschwinden werden. Unsere Vorfahren haben durch Jahrhunderte mit Unrecht viel Leiden erduldet; wir wollen das Alles vergessen und in Frieden an der Blüthe unseres Vaterlandes arbeiten." (Fr. Ztg.) F e u ille t o n. Giniges über die Sprüche Sirach's. Gewiß verlohnt es sich der Mühe, ein Buch, das des Erhabenen und Schönen so vieles bietet, und dessen berühmten Verfasser dem Dunkel der Vergessenheit, dem beide in unserer gemüthsarmen und schnelllebigen Zeit anheimgefalleu sind, zu entreißen und ans Tageslicht einer öffentlichen Besprechung wieder emporzuzichen. Wir meinen „Sirach und sein Werk." („Die Sprüche Sirachs"). Dieses Buch ist eines jener werthvollen Werke, die unsere Väter hinterließen, ein Andenken an die frühere Herrlichkeit Israels, da es als einiges Volk ruhig und friedlich im auserwählten Lande wohnte. Es gehört zu den acht Büchern, die den 24 /)(. Schriften angefügt wurden und uns unter dem Namen „Apokryphen" bekannt sind. Hinsichtlich seines Gehaltes übertrifft es die anderen an Werth, «schon zur Zeit seiner Entstehung wurde die Aufmerksamkeit der gebildeten Zeitgenossen auf dieses Werk hingeleukt, wcßhalb es den namhaftesten Bibliotheken einverleibt wurde. Wegen seiner Reichhaltigkeit an sinnigen Gleichnissen und moralischen Sprüchen wurde es auch „Volkssittenbuch oder Leelesiastieum« genannt. Bezüglich seiner letzteren Eigenschaft ist es mit den Sprüchen Salomos vergleichbar, während es mit dessen „Predigtsammlung" (Koheleth) die Fülle an bewährten Lebensregeln gemein hat. Das Buch „Job" theilt mit ihm die erhabenen Lebensanschauungen und Betrachtungen. Uebcr die Persönlichkeit des Verfassers war die wissenschaftliche Forschung noch bis^indie jüngste Zeit vielfach in Zweifel. Doch wird jetzt allgemein Josua den Sirach als der Urheber dieses seltenen Werkes anerkannt. Nach einigen Chronisten wie Zemach David und Schewet Jehuda wäre er ein Enkel des im Buche Esra öfters erwähnten Hohepriesters Simon, Sohn des Jehozedek. Hochgeachtet, nahm er unter seinen Glaubensgenossen einen vornehmen Rang ein, wie uns der berühmte Jofephus Flavius erzählt. Der Verfasser schrieb sein Werk in hebräischer Sprache, die er meisterhaft beherrschte. Als Vorbild wählte er sich die Sprüche Salomos, welche er, wie schon oben beregt, auch noch in anderer Hinsicht nachahmte. Bei beiden bewundern wir die Knappheit des Ausdrucks und die geistige Bedeutsamkeit des Inhalts, so daß mit gutem Recht das Sprichwort darauf passende Anwendung findet: „Wenig Worte viel Sinn." Ja, in der Anordnung und Gruppirung des Stoffes überragt es noch sein Vorbild.*) Außerdem ist zwischen beiden Werken noch ein subjektiver Unterschied wahrnehmbar, der in der Lebensstellung der Verfasser seinen Grund findet. König Salomo, das Haupt einer gebildeten Nation, der in aristokratischer Lebensanschauung herangereift, wandte sich mit seinen Sprüchen hauptsächlich an die Edelsten des Volkes, an die Großen der Erde. Ben Sirach dagegen, der mitten im Volke lebte und wirkte, verfaßte sein Opus zum Wohle und zum Besten der Gesammtheit. Er wollte seine belehrenden Worte jeder Klasse, jedem Alter und jedem Stand angcdeihen taffen. Da er aus dem unmittelbaren Verkehr mit dem Volke vermöge seiner scharfen Beobachtungsgabe, dessen Neigungen, seine Eigenschaften und sein Streben — den Pulsschlag des Volkes — kannte, verbreitete er sich auch über alle Tugenden und Laster der Menschen. So empfiehlt er die Barmherzigkeit, Demuth, Schamhaftigkeit, Geduld, Genügsamkeit, Glaubenstreue, Geselligkeit und Freundschaft und räth ab von der Reizbarkeit, vom Jähzorn, der Eifersucht, Feindschaft, Streitsucht, der Angeberei, Verleumdung, von dem sinnlichen Streben und der Genußsucht, von Trug und Lug. Er rühmt die Weisheit, ver- *) Anm. der Red.: Der Verfasser sollte jedoch hervorheben, daß die Sprüche Salomo's KHlpn nrD geschrieben, was bei den Sprüchen Sirachs nicht der Fall.

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