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Der Israelit · 1889-11-07 · Heft 87 (7.11.1889) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 87 (7.11.1889)
Date
1889-11-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXX. Jahrgang. jSpilajE ju M 87 des„IsrllM"L„IeschulUN". Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Groß-Gerau, 1. Nov. Die hiesige israelitische Gemeinde benutzte für ihren Gottesdienst bisher ein baufälliges, auch räumlich nicht ausreichendes Haus, das in seiner äußeren Erscheinung kaum seinen Zweck errathen läßt. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, hat sich der Vorstand der israelitischen Gemeinde zur Ausführung eines Synagogenneubaues entschlossen und beabsichtigt gleichzeitig, die politische Gemeinde um einen Beitrag anzugehen, da sonst die Last für die kleine israelitische Gemeinde zu groß sein dürfte. Leipzig, 3. Nov. In den Morgenstunden des ersten Novembers wurde einer der besten jüdischen Bürger Leipzig's zur letzten Ruhe in die herbstliche Erde gebettet. Goldig schien die Sonne, herrlich und rein war die Luft, aber draußen auf dem kleinen jüdischen Friedhof da standen nahezu tausend Personen, Männer aus den ersten Kreisen unserer Stadt und schämten sich nicht der Thränen! Moritz Nachod war es, dem diese große Ehre von der Stadt und ihrer Bevölkerung erwiesen wurde. Moritz Nachod, einer der ältesten Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, war Mitbegründer und Theilhaber des Welthauses C. G. Reißig u. Co. hierselbft. Durch seine energische, rastlose Arbeitskraft brachte er die weithin bekannte und geachtete Firma zu hohen Ehren und Ansehen in der kaufmännischen Welt. Aber nicht nur allein in seiner Eigenschaft als Kaufmann war Moritz Nachod ein verdienstvoller, bewunderungswürdiger Mensch, nein, auch als Israelit entwickelte er die vorzüglichsten Eigenschaften. Fromm und gottesfürchtig, zwar nicht einverstanden mit dem hiesigen Eultus, zeigte er doch in allen jüdischen Angelegenheiten sein warmes Herz. Er hat nicht nur das gethan, was weltliche Gesetze und besondere Verhältnisse zur Pflicht eines guten Menschen machen, das wäre ja nur seine Schuldigkeit gewesen. Nein, Moritz Nachod hat auch jede Gelegenheit wahrgenommen, wo es galt, sich um Andere verdient zu machen, auf daß seine Mitmenschen sahen, wie sein Herz voll Liebe für sie sprach, wie es voll regen Eifers für ihr Bestes ihnen entgegen schlug. Er war eben der edle, schlichte Manu, der glaubte, daß jeder Mensch Ansprüche auf seine Dienstfertigkeit habe. Moritz Nachod war ein Mann der That, der ohne viel Gerede half. Er konnte sich schnell und oft in die Stelle, seines Nächsten versetzen. Sah er einen Armen, der seine Hülfe, seine Fürsprache oder sonst eine Gefälligkeit gebrauchen konnte, so verstand er es, die Bedürfnisse der Bedrückten schnell zu befriedigen. Er wollte nicht aus einer übertriebenen Verzärtelung den Anblick des menschlichen Elendes scheuen; nein, er war bereit, schnell zu dienen, Lasten zu erleichtern, Beschwerden zu mindern; kurz, er fühlte fremde Noth so warm, als hätte ihn selbst das Unglück getroffen. Und was Moritz Nachod Gutes that, wurde mit geräuschloser Stille vollbracht. Vor jeder eitlen Ruhmsucht wußte sich Moritz Nachod, der schlichteste der Menschen, zu hüten. Konnte er dem Nothleidenden in der Stille eine Wohlthat zufließen lassen, so war er froh; konnte er einen geschickten, brauchbaren Mann bei Andern empfehlen, ohne daß es in Erfahrung gebracht wurde, daß er es war, der die Bescheidenheit aus der Dunkelheit hervorzog, so war er glücklich; konnte er die Ehre eines unschuldig Verleumdeten retten und es dahin bringen, daß ihm Gerechtigkeit widerfuhr, ohne daß es bekannt wurde, daß er sich der gekränkten Ehre angenommen, — konnte er durch die zweite, dritte Hand Parteien aussöhnen, ohne daß man den Friedensstifter kennen lernte, so war er froh; konnte er zur Versorgung der Wittwen, zur Erziehung der Waisen etwas beitragen, machte ihm das unendliche Freude. Gern wollte er das Lob der Menschen entbehren. Das Selbstbewußtsein schätzte er höher. — So ist denn mit Moritz Nachod einer der besten und edelsten Menschen daheimgegangen, eine Zierde unserer Aipziger Gemeinde, ein in allen Kreisen der Bevölkerung hochgeachteter Mann. Das Bewußtsein, daß dieser Edle unserer Stadt angehörte, hat viele Leipziger Israeliten stolz gemacht; zeigte doch Moritz Nachod's Beerdigung eine Theilnahme, wie sie in unserer vom Partetgeiste zerklüfteten Zeit nicht schöner, friedlicher nnd harmonischer zu sein vermag. Karl Wiesenthal. Frankreich. Aus Paris, vom 29. Oct. wird geschrieben.- Vor einigen Tagen trat das aus 36 Vertretern

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