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Der Israelit · 1889-11-07 · Heft 87 (7.11.1889) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
30 (1889)
Issue
Heft 87 (7.11.1889)
Date
1889-11-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1500 Die Gelehrten sind nicht darüber einig, in welcher Eigenschaft er nach Krakau kam. Viele meinen, daß er dort als Rabbiner fungirte. So bezeichnet ihn auch der berühmte Rabbiner von Frankfurt am Main, Rabbi Josua, der Verfasser des großen Werkes „Pne Jehoschua". Dieser war aus Krakau gebürtig; man meinte daher, daß er am besten darüber hätte orientirt sein sollen. Allein viele Gründe sprechen dagegen, namentlich, daß auf seiner Grabschrift die Bezeichnung fehlt, daß er Rabbiner in Krakau gewesen. Rappaport erzählt, daß er in seiner Jugend die Inschrift gelesen und daß dieselbe in schönem, reinen Hebräisch abgefaßt sei. Die Jahreszahl wird durch folgende geistreiche Pointe angegeben ry'bx nn»n („und der Name des Einzigen war Elieser"). Der große Mann ist demzufolge im Jahre 5346 (1586) im Alter von 73 Jahren in Krakau gestorben. Von seinen Kindern ist uns nur von zweien Kunde geworden: sein Sohn Elijahu, welcher eine Tochter des Rabbi Samuel Jehuda, eines Sohnes des weltberühmten Rabbi Mir von Padua, zum Weibe nahm. Dieser Rabbi Me'ir von Padua, der Lehrer des großen Rabbenu Moscheh Jsserlis, führte den Familiennamen Katzenellenbogen. Die Familie Katzenellenbogen hat unserem Volke manchen großen Sohn geboren. Auch Gabriel Rießer, im Jahre 1848 Vicepräsident des deutschen Parlaments zu Frankfurt am Main und 1849 Obmann der Deputation, welche Friedrich Wilhelm IV., dem Könige von Preußen, die deutsche Kaiserkrone anbot, entstammte mütterlicherseits dieser Familie. Der sonderbare Name rührt von einem Städtchen im ehemaligen Herzogthum Nassau her. Bei dieser Gelegenheit mag erwähnt werden, daß, als die Juden im Mittelalter in Katzenellenbogen zum Theile erschlagen und zum Theile aus der Stadt vertrieben wurden, die zeitgenössischen Rabbinen die Stadt mit dem Banne belegten und daß noch heute in Folge dessen Juden Anstand nehmen, sich in Katzenellenbogen niederzulassen. Noch jetzt wohnt kein Jude im genannten Städtchen. — In den Memorialbüchern der Chewra Kadischa zu Krakau wird ein Rabbi Simon Fremt, welcher im Jahre 1607 starb, als ein Schwiegersohn des Rabbi Elieser Aschkenasi bezeichnet, es war also eine seiner Töchter in Krakau verheirathet. Von den Werken des großen Mannes haben wir bereits einige erwähnt. Maaße Haschem und Joseph Lekach wurden noch bei seinen Lebzeiten durch den Druck veröffentlicht. Das Buch Elcf Haßagoth ist Manuskript geblieben. Ein anderes großes Werk, ein Supercommentar auf den Commentar des Nachmanides, ähnlich wie der Misrachi auf Raschi, ist ebenfalls nicht gedruckt worden. Auch als Dichter hat sich Rabbi Elieser Aschkenasi bewährt; seine für die verschiedenen Fasttage bestimmten Selichoth wurden von denen, die sie gelesen hatten, sehr gerühmt. Response« von ihm sind in vielen Responsensammlungen enthalten. Das ist's, was wir von seinem literarischen Nachlasse wissen. Wir haben in Vorstehendem unseren geehrten Lesern ein reichbewegtes Leben vorgesührt. Was davon der Sage und was der Geschichte angehört, läßt sich nicht mehr scheiden. Aber auch die Sage knüpft nur um große und bedeutende Menschen ihre Fäden. Das Gewöhnliche und Mittelmäßige wird nicht von ihr verherrlicht. Das aber wissen wir mit Bestimmtheit, daß Rabbi Elieser Aschkenasi sich in allen Lagen des Lebens als ein wahrhaft frommer und gottesfürchtiger Mann bewährt hat, und deßhalb schließen wir mit den Worten: Das Andenken des Gerechten sei zu Segen. „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich z ft» € t W <* lr 3Xtßtttttg8 und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 18 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de« Kuchhanürt ftt btfitiftn dri E. F. Strtnarkrr, Leipzig, ZLoßpiah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 RetchS-Mark oder 8 fl. österr., fÜr'S Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einznfenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitende Artikel: Perek Schirah. — Die Schaffung eines preußischen Staatsjudenthums. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: 3mal Berlin. — England: London. — Feuilleton: Rabbi Elieser Aschkenasi. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Groß-Gerau. Leipzig. — Frankreich: Paris. — Feuilleton: Einiges über die Sprüche Sirach'S. — Inhalt der.Bl. f. d. isr. Schule: Welche Mittel sind zu ergreifen, damit unsere Seminaristen eine bessere Ausbildung im Cantorfache erhalten? — Verein israel. Lehrer in Schlesien und Posen. — Briefkasten. — Büchermarkt. — Inhalt der Extra-Beilage Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" UNd „Jeschurun" Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbnchdruckerei (Oscar Lehmann) in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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