Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 30 (1889)
- Issue
- Heft 87 (7.11.1889)
- Date
- 1889-11-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1498 in den Schmollwinkel kann dem JudenLhume nichts nützen. Auf, zur That, wer noch ein Herz im Leibe hat! An die Urnen, oder besser an die Agitation, Alle, Alle, die noch retten wollen, ehe das unglückselige „Zu spät" ihnen entgegenschallt. A. Berlin, 30. October. Der Antrag des Centrums auf Befreiung der Geistlichen vom MilitärdiensthatdieForrn eines Gesetzentwurfs und lautet: „Wehrpflichtige, welche sich dem Studium der Theologie einer mit Korporationsrechten innerhalb des Gebietes des deutschen Reiches bestehenden Kirche oder Religionsgesellschaft widmen, werden insofern sie nicht selbst ihre frühere Einstellung in den Militärdienst beantragen — während der Dauer dieses Studiums bis 1. April des Kalenderjahres, in welchem sie das 26. Lebensjahr vollenden, vorläufig nicht eingestellt. Haben dieselben bis zu der vorbezeichneten Zeit auf Grund bestandener Prüfung die Ausnahme unter die Zahl der zum geistlichen Amt berechtigten Kandidaten erlangt beziehungsweise die Subdiakonatsweihe empfangen, so sind diese Wehnpflichtigen, falls sie sich nicht selbst zur Ableistung der Dienstpflicht melden, von der Militärdienstpflicht gänzlich befreit." In der Begründung wird hauptsächlich ausgeführt, daß kein militärisches Interesse vorliege?, die Geistlichen im Frieden mit der Waffe auszubilden, da sie ja nach dem Militärgesetz von 1888 im Kriege nicht zum Dienst mit der Waffe herangezogen werden. England. London, 25. October. Wir lassen hier einen ausführlichen Bericht über eine bereits mitgetheilte Thatsache folgen. Gestern wurde der neugewählte Lord Mayor der City, Alderman Sir Henry Aron Jsaacs, im Oberhause dem Lord Kanzler Lord Halsbury vorgcstellt, um von demselben die amtliche Mittheilung entgegenzunehmen, daß die Königin seine Wahl zum Obcrhaupte der City von London für das nächste Jahr bestätigt hat. Der Syndicus der City, Sir Thomas Chambers, stellte den neuen Lord Mayor vor und hielt dabei eine Rede, in der er unter Anderem sagte: Der neugcwährte Lord Mayor ist das dritte Mitglied der jüdischen Glaubensgemeinde von London, welches die hohe Würde des Oberhauptes der Metropole erlangt hat. Seine Vorgänger waren Sir David Salomons und der verstorbene Sir- Benjamin Philipps, dessen Verlust jüngst allgemein beklagt wurde. In der Person des ersten dieser Herren wurde der Kampf um bürgerliche und religiöse Freiheit ausgefochten und gewonnen, und der damals errungene Sieg hat gute Früchte getragen und ist nie bedauert worden. Der neugewählte Lord Mayor ist der älteste Sohn des Mr. Michael Jsaacs und seiner Gemahlin, einer Tochter des Sennor de Mendoza, eines Abkömmlings jener ausgezeichneten Familie, zu deren Verwandtschaft sich auch der verstorbene Lord Beaconsfield rechnete. DerSyndicus hob in seiner Rede noch hervor, daß der neue Lord Mayor ein geborener Londoner ist, und zählte die vielen Verdienste auf, die sich derselbe um das Gemeinwesen der City bereits erworben hat, worauf der Lord Kanzler mit einer Rede antwortete, in der er über die Wahl des Sir- Henry Jsaacs als eines Juden zum Lord Mayor sagte: Ihr Syndicus hat unsere Aufmerksamkeit auf ein Ereigniß gelenkt, das er als einen Triumph der bürgerlichen und religiösen Freiheit bezeicknete. Es bleibt vielleicht fraglich und noch zu erörtern, ob der Anspruch auf die Regieruugsgewalt und auf die Bekleidung hoher Posten nothweudigerweise abhängig ist von dem freien Bekennen eines religiösen Glaubens. Jedenfalls ist es aber unstreitig, daß die Glaubens-Genossenschaft, der Sie angehören, sich in jedem Lande, in welchem sie sich beffndet, durch Gehorsam und Beobachtung der Gesetze auszeichnet. Ein Umstand, der den gegenwärtigen Vorgang besonders bemerkenswert macht, ist, daß im Jahre 1189, also genau vor 700 Jahren, einer jener Ausbrüche fanatischer Verfolgungssucht religiösen Aberglaubens staitfand, durch welche alle Anhänger Ihres Glaubens in diesem Lande, wie man damals sagte, „ausgerottet" wurden. Ist es nicht merkwürdig, daß ich, sieben Jahrhunderte später, von Ihrer Majestät beauftragt werde, den ersten Würdenträger der Stadt London zu begrüßen, die zweifellos die größte des Reiches und wahrscheinlich der ganzen Welt ist, und daß dieser Mann ein Mitglied jener Glaubensgeuossenschaft ist? Ich kann Ihnen und dem Lande, wo ein solcher Vorgang möglich ist, nur Glück wünschen zu dem helleren und schöneren Lichte, welches sich rings um uns ergossen hat im Gegensatz zu jenen Ausbrüchen des Fanatismus und Aberglaubens. Zugleich fühle ich mich aber meinerseits verpflichtet, zu erklären, daß man die Verantwortung für solche Ausbrüche nicht ausschließlich den Zeiten der Vergangenheit aufladen kann, und daß wir nicht glauben dürfen, für immer der Gefahr entgangen zu sein, solchen Versuchungen zu unterliegen. Es mag sein, daß im weiteren Fortschritte der Zeiten jener an sich ja gute Geist, welcher die Religion zur höchsten aller Interessen macht, gänzlich schwindet, aber es sind Anzeichen vorhanden, daß es Solche gibt, welche, sei es nun aus einem religiösen, politischen oder