Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1882)
- Date
- 1882-11-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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gehüllt, hcransgetreten ltnb man erfuhr jetzt allgemein, daß er sich als Juwelier in den Kreisen der hohen Aristokratie der größten Beliebtheit erfreue, die sich auch dadurch manifestirte, daß eine große Zahl stolzer Karossen mit elegant gekleideten Herren und Damen, und reich livrirteu Dienern und Jägern durch die engen Thore des Ghetto zur Trauung fuhren. Der feinfühlende Munitz hatte darauf bestanden, daß das Hochzeitsmahl, wie es allgemein üblich, bei dem Brautvater, bei Reb Sabel Ulschitz — er bewohnte schon das geräumige Theilhaus, das er der Großmuth Munitz' dankte — abgehalten werde, nnd die Tischgesellschaft war die illusterste, die sich je bei gleichem Anlasse vereint gefunden. Obenan saß Rabbi David Oppenheim, zwischen dem Frankfurter Raw und dem Prager Primator. Munitz und Efrajim Kannstadt aus Frankfurt, der zur Hochzeit seines Neffen gekommen war, hatten darauf bestanden, daß der alte, treue Feisch Jchcnhausen einen Ehrenplatz zwischen ihnen an der Hochzeitstafel einnahm. Bevor am Schluffe der Mahlzeit das Tischgebet verrichtet werden sollte, erhob sich Rabbi David Oppenheim und sprach: „Reb Lob Munitz! Ich habe in meinem Leben viele Menschen kennen gelernt, doch keinen, der mir höhere Achtung eingeflößt, als Ihr! Euer ganzes Leben war ein Gott geweihtes, und die einzige kleine Schwäche, der Ihr einen Moment anheimgefallen, entsprang nur dem Quelle gluthvollen Gottesvertrauens .Ihr habt ohne zu murren unendlich schweres Leid ertragen, Euch solches wohl noch selber auferlegt.drum Gottes reichster Segen über Euch und Euer Haus! Mögt Ihr noch lange glücklich leben und Freuden sehen an Kind und Kindeskindern! Ich bin muftoch, daß der gerechte Gott Eueb auch einst in einem schöneren Leben jenes Lohnes theilhaftig werden läßt, den er für seine Frommen ausbewährt! Uns aber, uns Allen möge es durch Gottes Allhuld vergönnt sein, das purpurne Morgenroth jene'- goldenen Zeit anbrechen zu sehen, von der es heißt: nwo lezion goet!2) Der Segensspruch, den der weise Rabbi, an Munitz ertheilt hatte, traf ein, er lebte noch lange geehrt und geliebt von Allen, die ihn kannten, erlebte an Benjamin und seiner braven Schwiegertochter Freuden, wiegte Enkel und Urenkel auf seinem Schooße. 2) Für Z'on komme der Erlöser! Auch bei Feisch Jchenhausen traf des Rabbi Segen ein, er lebte noch fünfundzwanzig Jahre und erreichte das hohe Alter von 104 Jahren. Er hatte das Glück noch Benjamins Enkel auf dem Arme zu tragen. Der hochbetagte, gesunde, rüstige Greis erzählte es Jedermann, mit dem er verkehrte, daß er auch des Kindrs Urgroßmutter am Arme getragen, und, selbst noch ein Knabe, bei dem Urururgroßvater des Kindes in Frankfurt am Main gedient halte. Reb Sabel Ulschitz ward schon durch die Verwandtschaft mit Munitz nobilitirt, und freute sich noch lange seines Lebens, um so mehr als seine Ehehälfte, die jetzt ganz nach ihrem Wunsche glücklich und zufrieden leben konnte, nicht mehr keifte und zankte; sondern ihrem Gatten gegenüber, dem sie doch ihr gegenwärtiges Lebensg'ück dankte, fast demüthig wurde. Die Wohlhabenheit hat — es läßt sich das nicht längnen — viele Segnungen in ihrem Gefolge. Wie wir wissen, waren Reb Sabel nnd sein Söhnchen Mosche krank gewesen; aber seitdem die Beiden, statt in einer feuchten Wohnung, wo der Schimmel an den Wänden wucherte, in trockenen, luftigen Zimmern wohnten, sich kräftig nähren und auch den kostspieligen Anordnungen eines guten Arztes folgen konnten, wurden beide kerngesund und Mosche wurde, wie es seine Mutter so sehnlich gewünscht, zuerst ein feiner Bochur, daun ein tüchtiger Szocher, endlich der zufriedene Gatte einer braven, lieben Frau und glücklicher Familienvater. Reb Kalmen Opotschna blieb durch Munitz Unterstützung ein reicher Mann, der seinen Verpflichtungen rechtzeitig Nachkommen konnte. Auf Zodok Opotschna hatte sein Zusammenstoß mit Munitz, einen tiefen, nachhaltigen, günstigen Eindruck gemacht. Die Erfahrung hatte ihn gelehrt, daß nichts vergänglicher sei als irdisches Gut. Sein reicher Vater wäre, wenn er nicht rechtzeitig durch ein großes Darlehen unterstützt worden wäre, plötzlich verarmt; — und auch, daß Nichts trügerischer als äußerlicher Schein sei; endlich, daß es auch Eigenschaften les Geistes und Gemüthes gebe, die weit höher als Reichthum ständen, und sein unerträglicher Hochmuth und Geldstolz mußte sich vor der Unbestreitbarkeit dieser Thatsachcn beugen. Daß Ester, Benjamin den Vorzug vor ihm geben, schmerzte ihn, aber der Egoismus des Menschen ist ein schlauer Rabulist. Er tröstete sich damit, daß Benjamin kein zu verachtender Nebenbuhler gewesen, ganz besonders aber damit, daß dieser ihm bei Ester zuvorgekommen, ihre Liebe schon gewonnen, noch bevor er selbst sich ihr genähert hatte. Doch wollte er an ihrem Hochzeitstage nicht in Prag