Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1882)
- Date
- 1882-11-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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bleiben und es paßte ihm daher ganz vortrefflich, daß er eine Reise antreten mußte. Die Prager Stadthauptmannschaft hatte durch die ausländische Polizei erfahren, daß die angebliche Freifrau von Malmenhausen sich in den jüngsten Tagen in Mitteldeutschland Herumgetrieben und ihren Weg nach den Anhaltinischen Fürstenthümern genommen habe. Zodok wollte die Betrügerin verfolgen, ihr, wenn möglich, das seinem Vater entlockte Geld abnehmen; und mit den nöthigen Certificaten der kaiserlichen Behörden versehen, reiste er nach Deutschland. Er ward bei seiner Spähfahrt vom Glücke begünstigt. In Dessau, wo er an Manasse Utiz, der vor wenigen Jahren von Prag nach Dessau ausgewandert, empfohlen war, fand er die nichtsnutzige Abenteurerin in Begleitung eines dienstlosen Offiziers, der sich für ihren Bruder ausgab. Klugheit und praktischer Sinn konnte Zodok Opotschna nicht abgesprochen werden. Er wählte das beste Mittel, die Pseudo-Baronin einzuschüchtern. Er drohte ihr, die Hilfe des Landesfürsten, des später unter dem Namen des „alten Dessauers" berühmten Fürsten Leopold anzurufen. Die Betrügerin wußte, daß Fürst Leopold mit Niemandem, am allerwenigsten aber mit einer mit Offiziersbegleitung in der Welt herumfahrenden Franösin, die sich eines Verbrechens schuldig gemacht, äuberlich umginge, sie hatte vom Fürsten Leopold, der ein Freund eines raschen Justizverfahrens war, eine entehrende, schmerzhafte Strafe, den Staupenschlag zu befürchten, und sie entschloß sich daher, wenn auch mit schwerem Herzen, Zodok jenen Theil des entlockten Betrages, den sie mit ihrem Begleiter noch nicht verjubelt hatte, unter der Bedingung zurückzuerstatten, daß er von einer Strafanzeige gegen sie Abstand nehme, worauf Zodok auch einging. Diese Reise war für Zodok von den merkwürdigsten Folgen begleitet. Wie wir schon erwähnten, war er an Manasse Utitz aus Prag empfohlen und von diesem als Landsmann freundlich und gastlich ausgenommen worden. In dessen Hause lernte er den aus Weimar nach Dessau eingewanderten Jakob Waldche kennen, der ihn einlud, auch sein Haus zu besuchen. Dort sah er Libelle, Waldches Tochter, welches eines der schönsten Judenmädchen in Deutschland, aber blind war. Zodok war eine leicht erregbare Natur, mit raschem Entschlüsse bot er dem Mädchen Herz und Hand an. Wenn man von seinem unschönen Aeußern absah, konnte Zodok besonders, wenn ihn die heiße Leidenschaft über seine gewöhnliche Anschauungsweise emporhob, gefallen. Libelle Waldche war blind und Zodok gefiel ihr; Manasse Utitz wußte über Vermögen und Stellung der Familie nur Gutes zu berichten, und der selbstständige überglückliche Zodok konnte feinem Vater anzeigen, er habe sich mit einem reichen, schönen Mädchen aus bester Familie verlobt. Libelle Waldche war klug und gut; als sie mit ihrem Gatten in Prag eintraf, verwendete sie den Einfluß, den sie auf diesen gewonnen, dazu, ihn zu veranlassen, nicht dem eigenen Vater Handelsconcurrenz zu machen, lieber mit ihm in Compagnie zu treten. Zodok, der im Laufe der Zeiten, ohne es selbst zu wissen, unter-bem äußerst milde geführten Pantoffel seiner schönen, in ihrer rührenden Hilflosigkeit doppelt reizend erscheinenden, jungen Frau gelangte, befolgte ihren Rath, und die junge Frau, die auch mit den Stiefgeschwistern ihres Gatten das beste Verhältniß zu erhalten wußte, wurde durch ihre Anmuth und Sanftmuth der Liebling der ganzen Familie, ihrer Wohlthätigkeit und Güte wegen, von der ganzen Gemeinde verehrt. Der Primator Jfak Saul-Taufstg wirkte noch längere Zeit segensreich in seinem Amte, und achtbare Mitglieder dieser Familie leben noch heute in der Prager Gemeinde. Die Gattin des genannten Primators, die den seltenen Namen „Muskat" trug, hatte nach dessen Ableben seine kleine Privatsynagoge, deren wir schon zu erwähnen Gelegenheit hatten: fammt der ganzen Einrichtung der allgemeinen Benützung übergeben, und besteht die kleine „Mußkat- Taußig-Schul" noch heute, wenn auch allerdings nicht mehr in dem ursprünglichen Lokale. Rabbi Jakow CohenMatz war einer der bedeutendsten Talmudisten Deutschlands, er starb 1740 zu Frankfurt. David Oppenheim gehört der jüdischen Geschichte an; er wirkte als Prager Ober- und Böhmischer Landes-Rabbiner bis 1736, wo er am 23. September (am 7. Tischri), im Alter von 72 Jahren, allgemein betrauert, starb. Schon durch seine Bibliothek, „die Op Peutz e im'sch e," die sich jetzt im Besitze der Oxforder Universität befindet, hat er sich unverwelklichen Ruhm erworben, und sein Name wird so lange man jüdische Wissenschaft betreibt, im gesegneten Andenken fortleben!