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Der Israelit · 1882-11-22 · Heft 47 (22.11.1882) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 47 (22.11.1882)
Date
1882-11-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1174 das Bedecken des Hauptes während Ableistung des Eides gestattet sei, da ein Gewissenszwang auf den Zeugen nicht ausgeübt werden solle und könne. Damit bei wiederholten Fällen nach diesem Gerichtsbeschluß verfahren werden soll, wurde derselbe auf Wunsch des Herrn H. protokollirt. Oesterr -Ungar. Monarchie. Skala a. g (Galizien), 12. Nov. Am 8. d. M. bot die Stadt Skala a. Z. ein wahrhaft erhebendes Bild bürgerlichen, von keinen Bornrtheilen getrübten Zusammenlebens zwischen Christen und Israeliten. Man erwartete nämlich die Ankunft Seiner Eminenz des Bischofs von Lemberg zur Einweihung der hier ueuerbauten gr.-kathol. Kirche. Die Skalacr Israeliten erwarteten den hochwürdigen Gast mit der heiligen Thorarolle an der zu Ehren desselben am Eingänge der Stadt errichteten Triumphpforte, sowie ihn die kath. Geistlichkeit ebenfalls an der Triumphpforte erwartete. Es war eine Herzensfreude, zu sehen, wie da die Juden und Christen im feierlichste!! Auszuge nebeneinander, standen und wie verbrüdert waren. Se. Bischöfl. Hochwürden wurden zuerst von dem jüdischenLicebürgermeister Herrn Wolf Freifelder mit einer Ansprache empfangen, in welcher derselbe den freudigen Gefühlen der israel. Bevölkerung Ausdruck gab, einen so hohen Gast begrüßen zu dürfen und ihn Namens der Juden willkommen zu heißen! Der Bischof dankte für die ihm von Seiten der Inden erwiesene Aufmerksamkeit und gab ihnen den Segen in huldvollster Weise. Als der Zug sich in die Stadt bewegte, da mußte man sich bei dem Anblicke, wie Christen und Juden im Zuge brüderlich zusammen einhergingen, sagen, daß die von Allen erhoffte Zeit, wo alle Menschen Brüder sein werden, keine Chimäre der Idealisten, keine Utopie, sondern eine Möglichkeit ist, die früher oder später zur Wahrheit werden wird. Lehrer M. Dachner. Budapest. 15. Nov. Der „Egyetertes" pnblicirt den in der gestrigen Eonferenz des Unabhängigkeits-Clubs berathenen Brief Kossuths, worin dieser auffordert, daß die äußerste Linke in der Judenfrage für vollkommene Gleichberechtigung Stellung nehme, ferner den Brief eines langjährigen Parteigenossen, worin Genugthuung für die unausgesetzte Jnsultirung des Judenthums durch antisemitische Parteimitglieder, insbesondere Berhovays, verlangt, andernfalls mit dem Abfall der Juden von der äußersten Linken gedroht wird. Der Club setzte die Berathung fort und dürfte dieselbe in einer Spaltung resultiren. Der Abgeordnete Mezey von der äußersten Linken (Israelit) richtete in der heutigen Reicksrathssitznng nach glänzender Rede eine Interpellation , an den Justizminister wegen der richterlichen Gesetzes- ■ Übertretungen in der Tisza - Eszlarer Untersuchung ' und verlangte die Delegirung eines andern Gerichtsi Hofes. Rußlan d. Ans Petersburg wird berichtet, daß daselbst Herr Poljikow eine Anstalt auf eigene Kosten erbaute, in welcher fünfzig arme Universirätshörer unentgeltlich ganze Verpflegung und Unterkunft finden. Er hat zu diesem Zwecke einen Fond angelegt, damit die Zinsen die Auslagen decken sollen. Bei der Eröffnung der Anstalt waren alle Spitzen der Behörden und auch der Cnltnsminister anwesend, der auch eine Rede hielt, die von mächtiger Wirkung war und dem Herrn Poljikow die Versicherung gab, daß, wenn alle Juden in Rußland seine Gesinnung theilen würden, möchten die Ausschreitungen nicht vorgekommen sein. Feuilleton. Löö Munitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem e r ft e n D r i t t e l des 18. Jahrhunderts. Von S. Ko hu. (Verfasser von „Gabriel".) (Schluß.) Rabbi Jakob Cohen hatte — wie das auch vorauszusetzen war, Wort gehalten und seinen Aufenthalt in Prag bis zum Hochzeitstage Benjamin's und Ester's verlängert und deren Trauung vorgenolnmen. Die Chuppe wurde zu jener Zeit') immer unter freiem Himmel ausgestellt und der Synagogenhof konnte die große Zahl von Menschen, die dem Trauungsacte anwohncn wollten, nicht fassen, und ein Menschenstrom ergoß sich in den der Synagoge nahegelegenen Straßen. Allein auch die Schaulust aller Jener, die sich nicht in der Nähe der Chuppe befanden, wurde im reichsten Maße befriedigt. Mnnitz war, dem Geheiße seines Rabbis folgend, aus dem bescheidenen Dunkel, in das er sich bisher 1) In Prag b^s zur im Jahre 1810 erfolgten Ankunft des Rabbiners Rappoport.

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