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Der Israelit · 1882-11-22 · Heft 47 (22.11.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 47 (22.11.1882)
Date
1882-11-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1171 Feuilleton. Uus der Zeit der Aeaction. 11. Die schlimmsten Erwartungen gingen in Erfüllung. Die Juden mußten in das Ghetto zurückkehren. Die Häuser, welche sie in. den übrigen Stadttheilen erworben hatten, mußten sie sofort wieder verkaufen; natürlich fanden sich nur wenige Käufer, so daß das theuer bezahlte Eigenthum um einen Spottpreis hergegeben werden mußte. Mancher wohlhabende Mann wurde dadurch zum Bettler. Aus den öffentlichen Schulen wurden die jüdischen Kinder ausgestoßen, und all die alten Beschränkungen, Bedrückungen und Ausnahmsgesetze traten wieder ins Leben. Am 7. August 1814 erschien die Bulle wegen Wiederherstellung des Jesuitenordens. Der Pabst saß auf einem für ihn errichteten Throne. Alle Cardinäle waren zugegen. Dann wurde die Bulle verlesen, der Priester Thaddäus Borzowsky zum Jesuiten-General ernannt und ermächtigt, in allen Ländern und Staaten den Orden wiederherzustellen; den Ordensmitgliedern wurde die Erlaubniß ertheilt, sich der Erzichung der Jugend zu widmen, Beichte zu hören, das Wort Gottes zu verkündigen und die Sakramente zu verwalten. Schließlich schaffte Pius VII. jenes Breve ab, wodurch Clemens XIV. den Orden aufgehoben hatte, und forderte alle Richter, was immer für eine Gewalt sie bekleiden möchten, auf, nur nach seiner gegenwärtigen Bulle zu entscheiden, wobei denen, die derselben entgegenhandeln würden, der Zorn Gottes des Allmächtigen und der Apostel Petrus und Paulus angedroht wurde. Am 13. November fand die feierliche Eröffnung des Novitiats der wiedereröffneten Jesuiten statt. Vierzig Jünglinge traten in den Orden; fünfundzwanzig vornehme Männer schloffen sich demselben als Laienbrüder an, um den Zwecken des Ordens in allen Lebensstellungen zu dienen. Bei dieser Gelegenheit verlas der Kämmerling des Pabstes, Cardinal Pacca, ein päbstliches Handschreiben, welches die Rückgabe der noch vorhandenen Capitalien des Vermögens der Jesuiten und den vorläufigen Ersatz der veräußerten oder vertauschten Güter verordnete. Es währte nicht lange, so wurde auch die heilige Inquisition wieder in ihre alten Rechte eingesetzt, und Monsignore Morozo, Erzbischof von Theben, wurde zum Consultatore des furchtbaren Gerichts ernannt. Schrecken und Angst bemächtigten sich aller Gemüther. Nur der Pabst pries sich glücklich, daß er den Weinberg des Herrn, wie er in einer salbungsvollen Rede hervorhob, wieder hergestellt habe. Nach Schilderungen unbefangener Beobachter sah es jedoch in diesem Weinberge traurig genug aus. In einem Monate geschahen jetzt wieder zu Rom mehr Mordthaten als unter den Franzosen in Jahren; ja. an manchem Morgen sah man drei, vier Ermordete auf den Straßen liegen. Die Straßenbeleuchtung wurde nur durch die Lämpchen vor den heiligen Bildern versorgt, wobei Banditen und Räuber zu ihren finstern Geschäften die trefflichste Gelegenheit fanden. Die Maßregeln gegen die Juden wurden mit der größten Strenge ausgeführt. Nicht allein, daß kein Jude außerhalb des Ghetto wohnen durfte, es durfte auch keiner, auch nur eine Nacht', außerhalb dieses Bezirkes schlafen. Keiner sollte künftighin öffentlich erscheinen ohne dreieckigen Hut, und dieser sollte entweder von safrangelbem Tuche sein oder mit einem Ueberzuge von dieser Farbe bedeckt werden. Unmuth und Niedergeschlagenheit erfüllten Alle, die von diesen Befehlen betroffen wurden. Dazu kam noch der Hohn und die Schadenfreude der christlichen Bevölkerung Noms. Bei ihrem Vorsteher Abraham del Monte hielten die Juden eine Versammlung, um zu berathen, welche Schritte sie thun sollten, um gegen die angedrohte Schmach anzukämpfen. Abraham ermahnte seine jammernden Glaubensgenossen zu Geduld und Ergebung. „Auch mich, meine Brüder," sagte er, „erfüllt das große Unrecht, das uns geschieht, mit tiefem Kummer. Aber fassen wir Muth und bedenken wir, daß es von jeher der größte Ruhm unserer Voreltern war, um unsres heiligen Glaubens willen die größten Leiden standhaft zu ertragen. Jubelnd und Psalmen singend, sind sie oftmals zum Scheiterhaufen geschritten, der ewigen Seligkeit und unsterblichen Nachruhms gewiß. Betrachten wir die gelben Hüte, die wir zu tragen gezwungen sein werden, als Zeichen der Ehre und des Ruhms ob unsrer Standhaftigkeit im Glauben. Und wenn pöbelhafte Menschen uns verspotten und verhöhnen werden, so wissen wir, daß der allmächtige Gott uns die angethanene Schmach hochanrechnet. Mir wird der gelbe Hut gleich einem Ordenszeichen gelten, als eine Auszeichnung, die uns ertheilt wurde, wegen unsrer Treue und Anhänglichkeit an den Glauben der Väter und wegen der Beobachtung des heiligen Gottesgebotes: Du sollst keine andere Götter haben neben mir." Diese Rede des allverehrten Vorstehers machte einen tiefen Eindruck auf alle Anwesenden, und man beschloß, von allen zu ergreifenden Maßregeln abzustehen und sich geduldig in das Unvermeidliche zu fügen. Nur Einige versuchten das Gesetz zu umgehen. Aber die römische Polizei, welche niemals zur Stelle war, sobald ein Mord oder irgend ein

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