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Der Israelit · 1882-11-22 · Heft 47 (22.11.1882) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 47 (22.11.1882)
Date
1882-11-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1169 als aktiver Faktor betrachtet werden will, kann nicht den Gleichgiltigen spielen angesichts einer Bewegung von solcher Tragweite, welche nicht mehr die Marotte Einzelner, sondern eine in das Leben der Nation tief einschneidende öffentliche Angelegenheit geworden ist; die Partei muß vielmehr Stellung zu derselben nehmen. Ich halte es aber einerseits für eine politische und moralische Unmöglichkeit, daß Ihre Partei dasPrincip der Rechtsgleichheit der Bürger ohne Unterschied der Race, der Sprache und der Confession verleugnen konnte, und andererseits erachte ich es für zweifellos, daß dieses Prinzip eine so große Sache ist, welche man für die Mitglieder der Partei als offene Frage erklären kann, und wenn es solche geben sollte, welche das Prinzip verleugnen, dann könnte man sie nicht mehr als Mitglieder der Partei betrachten. Die Sache hat zwei Seiten: die eine ist die Hinterlassenschaft des finstern Mittelalters, der Judenhaß; die andere besteht in gewissen wirthschastlichen und socialen Schäden, welche jenem als Nahrung dienen und zu dessen Belebung ausgenützt wurden. Es ist nicht räthlich, zu ignoriren, daß es Jstoczy und Compagnie nie gelungen wäre, mit ihrer von den Deutschen importirten Agitation eine solche Erregung hervorzurufen, wenn jene wirthschaftlichen und sozialen Schäden die Massen für die Agitation nicht empfänglich gemacht hätten. Das Volk fühlt das Elend, aber es vermag sich über dessen Ursachen keine Rechenschaft zu geben und „ä malaise“ speculirend, tritt der mittelalterliche Judenhaß hervor und spricht: „Du armes, unglückliches Volk! Ich will Dir sagen, was die Ursache deines Elends ist: der Jude!" Und natürlich erhebt sich das Echo: „Haut die Juden!" Was ist nun die Aufgabe Ihrer Partei? Sie muß entschieden Stellung nehmen für die Unverletzlichkeit der Rechtsgleichheit unter den Landesbürgern ohne Unterschied der Race, der Sprache und der Confession. Rücksichten der Nationalität und der Nationalwirthfchaft können es räthlich erscheinen lassen und lassen es räthlich erscheinen, daß Ungarn seine Thore nicht offen halte für jeden Abhub. Die Pflicht der Selbsterhaltung befiehlt, daß die massenhafte Einwanderung fremder Juden ebensowenig als die fremder panslaviftischer oder panromanistischer Elemente in Ungarn gestattet werde. Daß aber von denjenigen, welche die der demokratischen Richtung huldigende Gerechtigkeit unter die Bürger des Landes gereiht hat, auch nur Eine gottgeschaffene Seele an ihrer Rechtsgleichheit verkürzt werde, das darf die Unabhängigkeitspartei nicht gestatten. Ihre Aufgabe ist, mit allen Mitteln der Energie danach zu streben, daß sich die Judenschast in der ungarischen Nation verschmelze, mit derselben assimilire. Dafür muß sie in der Gesetzgebung (für die Civil-Ehe) mit That und Beispiel kämpfen. Wenn sie dies thut, dann wird sie mit jener Autorität, welche der die Interessen des Vaterlands im Herzen tragende wahre Liberalismus bietet, auch von den Juden verlangen können, daß auch sie zum Niederreißen jener antediluvianischen Scheidewände schreiten, welche sie von den christlichen Mitbürgern trennen und die Perschmelzung zu einem nationalen Körper verhindern. Sie (die Unabhängigkeitspartei) befinden sich auf dem Schauplatze, Sie sehen nicht blos die Contouren des Waldes wie ich, sondern auch die Bäume. Sie werden also besser wissen wie ich, wo der Schuh am empfindlichsten drückt. Greifen Sie zur Arbeit, um die wirthschaftlichen und sozialen Uebelstände zu beseitigen. Wenn Sie Ihrer Partei die Lebensfähigkeit sichern wollen, dann richten Sie die Aufmerksamkeit der Nation auf das praktische Gebiet, schauen Sie nicht mit verschränkten Armen unthätig zu, wie das Gefühl der Nation in die Judenfrage hineingehetzt wird, welche, abgesehen davon, daß sie das Ungarn des 19. Jahrhunderts in das des Mittelalters zurückstoßen will, noch den lächerlichen Fehler hat, daß sie absolut kein mögliches Ziel besitzt, ausgenommen die Wollust des Hasses. Dagegen besitzt diese Frage die große Gefahr, daß sie die 5- bis 600,000 jüdischen Bürger, vom Ersten bis zum Letzten unter die Fittige der Macht jagen kann. Deutschland. Dresden, 16. November. Die deutsche Reform im Kampfe mit sich selbst, dieses bemitleidenswerthe und doch sehr interessante Drama spielte sich am gestrigen Tage in einer 8stündigen öffentlichen Sitzung vor dem hiesigen Schöffengericht ab, über deren Verlauf ich Ihnen einen leider freilich nur dürftigen Bericht sende, da dies mir innewohnende Anstandsgefühl mir verbietet, die ganzen zur Sprache gekommenen „faulen Sachen" niederzuschreiben; es wird ohnehin noch genug verbleiben, was den Beweis liefert, daß die Reformer ihre eigenen Kinder verspeisen. Der bekannte Herausgeber der Zeitung „deutsche Reform" Herr Alexander Pinkert a1ia8 Egon Waldeg hatte gegen 4 seiner besten früheren Gesinnungsgenossen eine Verleumdungsklage angestrengt, die ganz interessante Momente zu Tage förderte darüber, welch' moralische Prinzipien so Manchem unter ihnen eigen sind. Der Thatbestand ist kurz folgender: Herr Pinkert hatte für sein Juden - Hetzblatt im Oktober v. I. den kaiserlichen

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