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Der Israelit · 1882-11-22 · Heft 47 (22.11.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 47 (22.11.1882)
Date
1882-11-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1168 der Gedanke einer derartigen Wasserverbindung zur Zeit des jüdischen Reichs nicht realisirt werden. Andererseits begegnet die Brochüre dem Einwand, daß im Alterthume, Judäa reich und glücklich war, ohne einen Canal zu besitzen, mit der Entgegnung, daß das heutige Land nicht mehr das der Vergangenheit sei. Damals war das Land derart bewaldet, daß aus allen Bergen und Thälern zahlreiche Wasserströme sich ergossen. Das ganze Land von der Region der Cedern bis zu den Olivengärten bildete eine Art Waldung, welche den Regen mit derselben Regelmäßigkeit herbeizog, mit der die Strichwinde in Indien wehen. Diese Regenmassen mit dem reichen Thau reichten hin, um den sorgfältig gepflegten Boden fruchtbar zu machen. Aber diese Zustände existiren heute nicht mehr, sie sind zur Mythe geworden, denn die Menschen haben in ihrer Barbarei das Mittel gefunden, eines der schönsten Länder der Erde in eine Wüste umzuwandeln. Angesichts der gegenwärtig mit so vielem Eifer betriebenen Kolonisation Palästinas oder Syriens, wie dieser Theil des türkischen Reiches officiell genannt wird, sind in dieser Schrift die Schilderungen des Bodens und seiner Ertragsfähigkeit von hohem Interesse. Der Reifende, heißt es daselbst, welcher heute Syrien bereist, trifft nur das Skelett des ehemaligen. Einst war dieses Land reich, sehr bewaldet und Dank seiner zahlreichen Quellen vorzüglich cultivirt. 15 Millionen Einwohner lebten im Wohlstand auf ihren 6000 Quadrat-Meilen. Der Libanon, sagen die Araber des Landes, trägt den Winter auf seinem Haupte, den Herbst auf den Schultern, den Sommer auf dem Schooß und der Frühling schläft sanft zu seinen Füßen. Diese poetische Schilderung entspricht aber in der That der Wahrheit. Der Winter ist hier so mild, daß Orangen-, Dattel-, Bananenbäume und andere tropischen Gewächse auf freiem Felde wachsen. Noch heute gedeiht der Mais vorzüglich in dem leichten Boden Bulbedes und Getreide im Hauran. Erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ist man auf den Gedanken gekommen in den Gärten von Said und Bayrut Zuckerrohr zu pflanzen, es kommt demjenigen im Delta gleich. Der Indigo wächst frei an den Ufern des Jordan. Die Abhänge von Lataquie erzeugen Rauchtabake, welche die Handelsbeziehungen zwischen Damiette und Kairo begründeten, und jetzt an allen Bergen cultivirt werden. Der Oelbaum der Provence wächst in Antiochien und Ramelö in der Höhe der Buchen. Die Drusen erwerben ihr Vermögen mit dem weißen Maulbeerbaum, durch die schöne Seide, die er erielt. Die Weintraube an Pfählen gezogen oder ich an Eichen emporrankend liefert Roth- und Weißweine, welche denen von Bordeaux gleichkommen. Das arme Judäa besitzt seine Sycomoren und einige Cypressen, Jaffa rühmt seine Limonen und Melonen, Gaza besitzt die Datteln Mekka's und die Granatäpfel Algiers. Tripoli erzeugt Orangen wie diejenigen von Malta. Beyruth hat Feigen wie Marseille und Bananen wie St. Domingo. Pistazien kommen von nirgends her so vorzüglich als Aleppo. Damaskus endlich rühmt sich mit Recht alle Früchte Europas zu vereinigen; und in der That sein steiniger wunderbar bewässerter Boden eignet sich ebenso gut für Aepfel aus der Normandie wie für Pflaumen aus der Touraine und für Pfirsische aus der Umgebung von Paris. Bei diesem urwüchsigen Reichthum kann man selbst in seinem gegenwärtigen Zustand, ohne Uebertreibung an den Reichthum des alten Syrien glauben. Im einstigen Judäa unterhielten das Wasser, die Frische, die Vorzüglichkeit des Bodens ein ewiges Grün. Auf allen Bergen hatten die Juden terassenförmige Manern errichtet, welche fruchtbare Aecker und sorgfältig gepflegte Weintrauben trugen. Die zwischen die Felsen hineingesäeten Gehege von Maulbeer- und Olivenbäumen bezeugten die energievolle Arbeit der Einwohner. Der Weinstock erzeugte enorme Trauben, von denen jede Beere die Größe einer Pflaume hatte, was um so glaublicher erscheint, als man heute noch zu Hebron an dem Saume der Wüste Trauben findet, welche 5 Kilogramm wiegen und mehr als 1 Meter hoch sind. (Schluß folgt.) ZeLInngSnachrichten und Correfpondenzen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pesth, 15. Nov. In der gestr. Sitzung der Unakhängigkeitspartei des ungarischen Abgeordnetenhauses verlas Ignaz Helfy einen vom 15. October datirten Brief Ludwig Kossuth's, in welchem der Ex-Dictator die Jndenfrage bespricht und in Verbindung damit dasjenige anführt, was die Unabhängigkeits-Partei auf wirthschaltlichem Gebiete zu thun hätte. Kossuth erwähnt zunächst der an ihn gelangten, meist anonymen Zuschriften, in denen chm zur Kenntniß gegeben wird, daß auch er in seinen alten Tagen „Jude geworden", oder in denen geäußert wird, daß er den Verdacht der Bestechung auf sich gelenkt habe. Dann fährt der Brief fort: Diese Correspondenzen zeigen wohl, daß die Wogen der aufgewühlten Leidenschaften zügellos in dem armen Lande wüthen. Schließlich werden diese Verhetzungen auch Ihre (die Unabhängigkeits-) Partei verbittern; denn es ist eine unvermeidliche Nothwendigkeit, daß die Partei als constituirte Reichspartei in dieser Frage Stellung nehme. Eine Partei, welche

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