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Der Israelit · 1882-11-15 · Heft 46 (15.11.1882) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 46 (15.11.1882)
Date
1882-11-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1147 d. I. wurde dem Pristaw in Kischenew die anonyme Anzeige erstattet, daß der in Odessa wohnhafte I. M Baruchin sich mit der Fabrikation von falschen Pässen befasse and verschiedene Amtssiegel bei sich habe. Die hiervon in Kenntniß gesetzte Polizei veranstaltete sofort eine Haussuchung bei Baruchin und cs wurde bei diesem auch wirklich ein gefälschtes Siegel der Kremenczer Duma gefunden, woraus Baruchin gefänglich eingezogen ward. Derselbe erklärte, das Siegel einen Tag vor der Hausdurchsuchung im Hofe des Hauses gefunden zu haben. Da man bei Baruchin keine gefälschten Pässe gefunden und keine Belastungszeugen bei der Verhandlung erschienen waren, so war man auch fest überzeugt, daß die Geschworenen ihn „nichtschuldig" erklären würden, was aber, wie bereits oben gesagt, nicht der Fall war. Feuilleton. Uus der Zeit der Aeaction i. Am 24. Mai des Jahres 1814 hatte sich eine große Aufregung des römischen Volkes bemächtigt. Au diesem Tage sollte Pabst Pius VII. nach seiner allen Residenz zurnckkehren, nachdem ihn Napoleon lange gefangen gehalten. Jetzt war der große Jmperatör besiegt und gestürzt, und der Greis, welcher so standhaft dem mächtigen Gewalthaber entgegengetreten war, hatte sich die Märtyrerkrvne errungen. Nun folgte auch noch die glänzende Wiederherstellung seines Ansehens und seiner Gewalt. Der Einzug des Pabstes in die Hauptstadt des wiederhergcstellten Kirchenstaates glich einem Triumphzuge. Vom Ponte Molle bis zur Porta del Popolo und von dort bis zum Vatican und Quirinal hatte nian hoch übereinander Bühnen für die unermeßliche Menge der Zuschauer errichtet. Der große Platz del Popolo war mit Amphitheatern umgeben, und prächtige Tribünen erhoben sich für die Könige von Spanien und Sardinien und für die Königin von yetrurien.*) In der Straße hatte man österreichische und neapolitanische Truppen ausgestellt. Der König von Spanien, Carl IV., fuhr mit seiner Gemahlin und dem Jnfanten Don Francisco dem Pabste bis * i Marie Louise, eine geborene Infantin von Spanien u>id Gemahlin des Erbprinzen Ludwig von Parma, der im Frieden von Luneville (180t) zum Könige von Etrurien oder Hetruneir erhoben worden war. Das neue Reich umfaßte ungefähr die Gebiete oer Herzogthümer Parma, Lucca, Modena und des Twfcherzogthums Toscana. Im Jahre 1807 wurde Etrurien ünnzösliche Provinz, 1809 wurde es unter dem Namen eines Troicherzogthunis Toscana an Napoleons Schwester, Elisa, überleben. 1811 kehrten die vertriebenen Fürsten in ihre Länder zurück. Tie Infantin Marie Louise von Spanien behielt den Titel uner Königin von Hetrnrien. zur Billa Giustiniana entgegen, wo an drei köstlichen Tafeln ein herrliches Mahl bereitet war. Nachdem Pius VII. dem dort versammelten Volke den apostolischen Segen ertheilt hatte, wurde die Reise bis Ponte Molle fortgesetzt, von dessen neuem Thurme die päbstliche Fahne wehte. Kanonenschüsse von der Engelsbnrg begrüßten den Pabst, als er in den prächtigen Staatswagen stieg, den der König von Spanien ihm geschenkt hatte. Von zweiundsiebenzig schwarzgekleideten Jünglingen wurde dieser Wagen an purpurnen Strängen gezogen, und Waisenkinder in weißen Chorgewändern, mit Palmen in den Händen, gingen ihm voraus. Ein ungeheures Jubelgeschrei begleitete den Zug. An der Porta del Popolo hatte sich der römische Senat aufgestellt und sprach sein demüthiges Willkommen aus. Ein Gleiches that der österreichische Gesandte, der Ritter von Lebzeltern, und der Commandeur der neapolitanischen Truppen, General Pignatelli. Unter stetem Jubel des Volkes gelangte der Pabst nach dem Vatican, an dessen Pforte ihn die Königin von Hetrurien empfing. Noch viel größere Demuth bewies ihm der König von Sardinien, der sich vor ihm zur Erde warf und ihm die Füße küssen wollte; der Pabst selbst konnte ihn nur mit vieler Mühe davon abhalten. Unter der jubelnden Menge befanden sich auch die israelitischen Bewohner von Rom; aber während der Mund jubelte, beschlich Wehmuth das Herz. Was hatten sie zu erwarten, welchem traurigen Loose gingen sie entgegen? Die israelitische Gemeinde zu Rom ist vielleicht die älteste der Welt. Schon zur Zeit des Bestehens des heiligen Tempels gegründet, hat sie ununterbrochen fortbestanden bis auf den heutigen Tag, und Nom ist die einzige Stadt, aus welcher die Juden niemals vertrieben wurden. Wenn demnach die Päbste in gewisser Beziehung die Beschützer der Juden waren, so haben sie doch in der Unterdrückung, Knechtung und Verhöhnung derselben Unbeschreibliches geleistet. Die Juden dursten in Rom kein menschenwürdiges Dasein führen. Der ungesundeste Theil der Stadt war ihnen zur Wohnung angewiesen; hier durften sie lediglich den Kleinhandel betreiben oder Geldgeschäfte machen. Dagegen waren sie mit Steuern überhäuft und wurden von diesen fast erdrückt. Zur Zeit des Carnevals mußten sie mit Eseln und Maulthieren um die Wette laufen. Jeder neue Pabst versprach ihnen seinen Schutz und fügte diesem Versprechen gleich die schrecklichsten Demüthigungen bei. Jeden Sonntag wurden sie gezwungen, eine Kirche zu besuchen und eine Bekehrungs- Predigt anzuhören. Als Napoleon den Kirchenstaat aufhob, brachte er die Grundsätze der Revolution von 1789 auch

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