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Der Israelit · 1882-05-10 · Heft 19 (10.5.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 19 (10.5.1882)
Date
1882-05-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Mütterchen im Grabe schämen; und auch ihr Vater, ein armer Schammes, der den geringsten Mann, der ihm zum Regelt ein Paar Kreuzer schenkt, auf zwanzig Schritte dehmüthig grüßt und sich vor ihm tief bis zur Erde bückt, — auch der ist zu stolz, den reichen, wackern Benjamin Deutschländer zum > Schwiegersohn zu nehmen, weil dieser erklärt, um! keinen Preis von Euch zu lassen! .... und erst der Großvater und der Ohm des Mädchens! — Ihr schädigt und kränkt nicht nur Euch und mich, sondern auch Benjamin!" „Auch Benjamin!" wiederholte Munitz. „Und er wollte sich auch um den höchsten Preis für einen jungen, liebglühenden Mann nicht von mir lossagen? Und .... ich — Du weißt es ja, — ich zieh' ihn nicht an mich, ich behandle ihn oft kalt und lieblos genug .... oft, daß ich glaube, das Herz in der Brust müsse mir brechen .... Wer ist das Mädchen, wer ihr Vater?" „Ester, die Tochter des Schammes Reb Sabel Ulschitz, die Enkelin des wohlhabenden Reb Mendel Landshut ....." „So! ., ... es ist schon spät, ich glaube, Benjamin wird heute nicht mehr kommen . . . .! ich möchte zur Ruhe gehen.Laß mich allein!" Neuntes Kapitel. Wie wir wissen, - hatte Sabel Ulschitz Reb Gerschom Wilmarschitz vorschnell die Hand seiner Tochter für Zodok Opotschna zugesagt, dann aber, dem, leider nur für kurze Zeit aufflammenden Gefühle der Vaterliebe folgend, dem Schadchen Ester's Weigerung mitgetheilt. Von Reb Gerschoms Autorität bedrückt, geistig in sich zusammensinkend, hatte er etwas unsicher hinzugefügt, daß es auch seine Ueberzeugung sei, daß seine Tochter nicht ganz unrecht habe und er sie, auch zu ihrem Glücke nicht zwingen wolle. Allein Ulschitz war bei Reb Gerschom mit seiner ohnehin schon bedenklich erschütterten, schon halb hinfälligen Ueberzeugung nicht an den rechten Mann gekommen. Ein Schadchen jener Zeit hatte allen jungen, heirathsfähigen Leuten stets die vollste Aufmerksamkeit zugewendet, verfolgte jeden ihrer Schritte; und die Einfachheit der damaligen Lebensverhältnisse, die engen Grenzen des Ghetto machten es einem klugen Beobachter leicht, die Beziehungen, die Neigungen jedes Einzelnen genau kennen zu lernen, und Gerschom Wilmarschitz, ein Schadchen par excellence, konnte über die ganze „Gasse" die genaueste Auskunft ertheilen. Er war glücklich gewesen, von einem so hervorragend reichen jungen Mann, wie Zodok Opotschna, einen solchen Auftrag zu erhalten; aber er wollte seine Mission als keine leichte, er wollte seine, wie er hoffte, erfolgvolle Intervention auch als eine werthvolle erscheinen lassen. Er erklärte Zodok, daß diese Angelegenheit nicht so leicht durchgeführt, nicht, wie er sich ausdrückte, übers Knie gebrochen werden könne; daß er keinesfalls daran zweifle, daß der Prager Primator oder der Rosch medino°) es sich zur Ehre rechnen würden, wenn er ihnen Zodok Opotschna, den feinsten Schiduch in Böhmen, zum Schwiegersohn anböte, daß aber bei der schönen Ester Ulschitz in ganz besonderer Weise vorgegangen werden müsse. Zodok, von frühester Jugend daran gewöhnt, jeden seiner Wünsche erfüllt zu sehen, nie Widerspruch zu erfahren, frug lebhaft um nähere Aufklärung über diese etwas dunkle Rede, worauf Wilmarschitz klug und diplomatisch erwiederte, Ester Ulschitz sei nicht nur das schönste, sondern auch das tugendhafteste und wohlerzogenste Mädchen im ganzen Ghetto; aber es habe sich zwischen ihr und ihrem Ingendgespielen Benjamin Deutschländer in allen Züchten und Ehren ein Liebesverhältniß entspannen. Der Schadchen gab zu verstehen, daß Deutschländer ein sehr beachtenswerther Nebenbuhler, ein ungewöhnlich schöner Mann sei, der auch bezüglich seines Reichthunls, ihm — Zodok Opotschna — kaum nachstehen würde, und schloß damit, daß, wenn er — Wilmarschitz nämlich — nicht rechtzeitig ei »greifen würde, die Sache ein schlimmes Ende nehmen, d. h. Ester und Benjamin ein Paar werden, und er — Zodok — (in seinen Gedanken fügte er hinzu, auch er — Wilmarschitz) — das leere Nachsehen haben würden. Zodok von Natur aus im Allgemeinen leichtlebig, speciell aber, wo es sich um die Erfüllung eines Lieblingswnnsches handelte, nichts weniger als knauserig, war in's Feuer gerathen, hatte, wie wir schon wissen, Ester's Vater ein Vermögen, aber auch dem Schadchen als Honorar, für den Fall des Gelingens, den für jene Zeit enormen Betrag von tausend Gulden zugesagt. Nun war Gerschom Wilmarschitz nicht der lammfromme Mann, der sich einen großen Sack Silbergeld anf die einfache Widerrede von Sabel Ulschitz hin entreißen lassen wollte. Mit einem milden Lächeln erklärte er diesem, daß er ihn bisher für einen Chochom gehalten und daher den Stützt, den er soeben gesprochen, gar nicht begreife. Wir wollen den Leser nicht mit der Wiedergabe aller Gründe, die Gerschom für seinen Antrag' und gegen Ester's Weigerung anführte, ermüden, und erzählen nur, daß Ulschitz schließlich erklärte, die Sache nochmals 6) Oberhaupt einer ganzen Provinz, eines ganzen Landes, eine Würde, die in Löhinen nur kurze Zeit bestand. 7) Narrheit. o) Festtag.

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