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Der Israelit · 1882-05-10 · Heft 19 (10.5.1882) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 19 (10.5.1882)
Date
1882-05-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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464 „Anläßlich der in Balta stattgehabten Unruhen ist der Gouverneur von Podolien am 31. März daselbst eingetroffen und gibt hiermit den Bewohnern der Stadt bekannt, daß weder seitens der christlichen noch auch der jüdischen Bevölkerung der Stadt auf den Straßen Ansammlungen des Volkes stattfinden dürfen. Im Falle die Unruhen sich wiederholen sollten, wird Militär zur Unterdrückung derselben in Anwendung gebracht und im äußersten Falle Waffengewalt angewendet werden. Auf ein durch Trommelwirbel gegebenes Signal haben alle an den Unruhen Unbetheiligten die Straßen zu verlassen, um sich nicht einem schrecklichen Unglücke auszusetzen. Ich appellire an den gesunden Menschenverstand der Bevölkerung und bitte dieselbe, sich den gerechten Anforderungen des Gesetzes zu unterwerfen." Feuilleton. Löö Wunih. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem e r st e n D r i t t e l des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) Feisch Jchenhausen's Geduld hatte durch eine lange Reihe von Jahren eine schwere Belastungsprobe erfahren, ihr Faden war schon nach und nach morsch geworden, endlich riß er. Der alte Meschores wurde vor Zorn suchsroth und schrie: „Mecaß Reb Löb! ich will Euch etwas sagen! Ihr wißt es, ich bin Euch und Eurer Familie seit weit mehr als 60 Jahre ein ewed neemon gewesen; — was ich seit 16 Jahren durch Euch leide; — das weiß nur Gott — kein Mensch, nit einmal Ihr selbst, denn Ihr — Ihr selbst — Ihr seid meschune1) von allen andern Menschen, die Gott — boruch hu2) — geschaffen hat, von Wcltanfang bis heute! — Aber jede Sache auf der Welt hat einmal ein Ende, und was zu viel is, is zu viel!.Jetzt Balbos! Hab' ich die Maiße schon satt; — ich Hab' mir schon lang genug mein armes bedrücktes Herz abgefressen. Jetzt, am heiligen Freitag Abend reiß ich die Fenster auf und schrei hinunter, daß die Leute, aus der Gasse zusammenlaufen, und sag' wer Ihr seid und was Ihr seid.die Welt soll Euch endlich einmal ganz genau kennen lernen!" Feisch schien seinen Worten rasch die That folgen zu lassen, er sprang so hastig von seinem Stuhle auf, daß er die Weinflasche umstieß, und sich ein rother Strom über das Tischtuch ergoß. Munitz erschrack heftig, erfaßte ihn am Arme und schrie: „So willst Du mich kränken? Alter Feisch! Ist das die Treue eines Mannes, der über sechszig Jahre in meiner Familie dient? Vergißt Du, was Du mir versprochen?" Munitz mußte, vor Bewegung übermannt, innehalten. Der Meschores war plötzlich leichenblaß geworden, sank stöhnend auf seinen Stuhl zurück, schlug beide Hände vor's Gesicht und weinte bitterlich. Es trat eine lange Pause ein, die beiden Männer verrichteten das Tischgebet, und schienen sich nach und nach zu beruhigen. Endlich sah Munitz auf die Uhr. „Sonderbar," meinte er, „sonst pflegt Benjamin Freitag Abend zu kommen, jetzt ist es schon spät, fast bin ich besorgt; sollte er krank.sein?" „Das ist er boruch Haschern ^) nicht," erwiederte der Meschores, „ich habe ihn Nachmittag gesprochen; — aber sehr betrübt ist er, unglücklich fühlt er sich!" Munitz zuckte erschreckt empor. „Weshalb?" srug er. „BenjaminDeutschländer liebt ein Mädchen ...." „Benjamin liebt!" rief Munitz, „und mir hat er sein Herz nicht entdeckt!" „Seid Ihr denn zutraulich gegen ihn? Ihr seid kalt, spröde, abstoßend gegen ihn!.Benjamin liebt ein Mädchen noch edler als schön. die beiden Menschen passen zu einander, wie nicht zwei andere auf der ganzen Gotteswelt!" „Wer — was hindert ihre Verbindung?" „Ihr!" ^Jch, ich? ..... so sprich doch deutlicher!" „Ich sag's nicht gerne — aber ich muß ja doch die Wahrheit sprechen! — Benjamin ist ja bei Jedermann beliebt — nur Eines wird an ihm getadelt, daß er mit Liebe an- Euch hängt ..... das Eine findet inan unbegreiflich . . . ." „Ich Hab' ihm doch einst das Leben gerettet!" murmelte Munitz. „Ihr habt Euch alle Theilnahme so gründlich verscherzt, daß wenn Ihr auch eine unbestreitbar schöne That ausgeübt, man sie nicht als solche gelten lassen will. Man unterschiebt auch dieser edlen Handlung unedle Beweggründe ..... Nun denn, ich sag's nicht gerne, ich hätte es, behemnußi schelN) lieber verschwiegen .... aber ich muß es ja doch sagen, weil Benjamin nicht von Euch lassen will — deßhalb verschmäht ihn das stolze Mädchen zum Gatten; sie müßte sich, so sagte sie, vor ihrem lieben 1) verschieden. 2) gelobt sei er. 3) Gott Lob. 4) bei meiner Treue.

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