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Der Israelit · 1882-05-03 · Heft 18 (3.5.1882) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 18 (3.5.1882)
Date
1882-05-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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440 nix reden thut er; — man verlernt neben ihm die Jung zu gebrauchen." Der ernste Munitz mußte ein klein wenig lächeln. „Das is kein Fehler, das is e große Maile5) — also is Ihr der Lohn zu klein, da kann ich helfen, ich geb' Ihr, wenn Sie will, ein Paar Gulden zu." Hanele nestelte verlegen an ihrem sauberen Schürzenbande. „Ich werd' nach Haus'; — mein' Mutter hat mir geschrieben, ich soll nach Haus kommen," log das Mädchen. „Das is eine SchekerH; Sie könnte mir den Brief Ihrer Mutter nit zeigen; — ich werd' Ihr sagen, weshalb Sie Weggehen will.In der Fleischbank, beim Bierschänker, beim Gewürzszocher, kurz überall, wo sie mit Ihren Chawertos') zusammenkommt, lacht man Sie aus, sagt Ihr, daß es eine Buscho sei, bei mir zu dienen, daß ich Lob Hund bin! nicht wahr?" — Die Köchin erröthete und stammelte etwas — Munitz fuhr aber fort: „Dagegen kann ich Ihr freilich nit helfen, geh' Sie, wenn Sie will, in Gottes Namen!" Auf Feisch' Gesicht malte sich peinliches Unbehagen, er trat an das Mädchen heran, und wisperte ihr leise zu- „Sei Sie ka Närrin! Die letzte Köchin, was bei uns gewesen is, hat sechs Jahr hier gedient, und hat baare 400 Gulden von hier fortgetragen; — wie sie von uns weggegangen is, hat sie gleich e prächtigen Schiduch gemacht, sie hat einen feinen Bachur bekommen, der gleich Schazmaz^) in Koschip geworden is." Die Köchin Hanele erröthete noch mehr, so daß ihr Gesicht im tiefsten Karmin leuchtete, sie schlug verschämt die Augen zu Boden, der Meschores schien das richtige Ueberredungsmittel gefunden zu haben, denn Hanele lispelte: „Wegen einer warmen Stub' mag man Rauch leiden ^! .... also ich bleib', Balbosleben .... aber Ihr höchert* * 8 * 10) mir das Schirus?" „Heut ist Schabbos, da soll über Geldsachen nicht gesprochen werden; aber Sie wird ganz zufrieden sein." Die Köchin verließ seelenvergnügt das Zimmer .->) Vorzug. 0) i'iigc. 7) 0'cnoffiitnen, Kameradinnen. 8) Eine ans den Anfangsbuchstaben der Worte: Lchliach ^itntv lVorbelcr) nnd More .^edck (Veligionsweiser) gebildetes Wort. In kleinen Ecmcindcn wurden diele beiden Innktionen in einer Perlon vereinigt. .!») Ein Dpricknvorr, io viel als um eines Portheils willen, dan man etwas Ungemach ertragen. 10) erhöht. 11) >whn. | und trug nach und nach die andern Speisen, Fleisch, Braten, Fische, Torte auf, Munitz aß von jeder Speise eine Kleinigkeit und legte auch dem alten Diener von Allem vor. Während die Beiden allein bei Tische saßen, entspann sich ein eigenthümliches Gespräch; es schien als wenn der Herr die ganze Woche nicht Zeit gehabt hätte, mit seinem Diener ausführlich zu sprechen. „Was hast Du Montag mit den beiden Jungen vorgehabt? ich glaube der eine, der rothköpfige, ist der Sohn vom Todtengräber, der andere, ein langer, magerer Bursche mit einem sommersprossigen Gesichte, scheint mir der Sohn der armen Almone'O Jittel, die mit gebratenen Steckrüben und Putschalken 13) in der Bradengasse handelt." „Ich kann mich nit dermohnen ")," meinte Feisch kauend, verlegen, mit etwas unsicherer Stimme. „Hast e schlechten Sikorou") gehabt!" meinte Munitz ironisch, „also werde ich ihm zu Hilfe kommen ..... Die beiden Knaben haben mit Kreide einen großen Hund auf dem Hausthor gezeichnet, und haben darunter geschrieben: So sollen wir leben ganz gesund Das Haus hier kehr*«) e großen Hund. Ein Spaß wie ihn Kinder zu machen pflegen, er verdrießt mich nicht, im Gegentheil, er freut mich herzlich!" „Den Raches17) können wir oft haben!" murmelte der Diener, laut aber, sagte er: „Also wenn Jhr's wißt Balbos! weßhalb fragt Ihr?" „Aber warum haben die beiden Jungen geweint, das weiß ich nicht, ich habe nur als ich nach Hause ging, von ferne gesehen, daß sie das Bild gezeichnet haben ..... eine prächtige Schrift war's," fuhr Munitz ganz ernsthaft fort, „mir scheint, geschrieben hat's der Sohn von der armen Almone, der hat schöne Begabung, der sollte zu einem Szofer^) in die Lehre treten, der könnte bald ferne arme Mutter ernähren .... ja .... also warum haben die beiden Knaben geweint?" „Warum hätten sie nit weinen sollen?" gegenfragte Feisch giftig, „ich Hab' ihnen mit einem Bambusröhrel ein Paar Hiebe gegeben, daß ihnen ein andermal die Lust vergehen wird, Hunde auf den Thüren zu zeichnen." 12) Wittwe. 13) gesottene, gepfefferte Erbsen, eine Delikatesse der untern Volksschichten im Echelw. 1-1) erinnern, aus der Berderbung des Wortes gernahnen, entstanden. Ist) ein schlechtes Gedächtnis?. 16) gehört. 17) Das Vergnügen. 18) Lchreiber, Kalligraph, hier speziell ein Thorarollenschreiber.

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