Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 23 (1882)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1882)
- Date
- 1882-05-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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441 „Das ist sehr unrecht und sehr böse von Dir gewesen," fuhr Munitz heftig auf, „wegen einer solchen Dummheit arme Kinder zu schlagen .... Du mußt ja gar kein Herz im Leibe haben! .... Daß mir so etwas nicht noch einmal vorkommt, sonst sind wir geschiedene Leute!" In des alten Dieners Gesicht zuckte es eigenthümlich, er wollte etwas erwiedern, aber er schien nichts Passendes zu finden, vor Verlegenheit durchfurchte er sich mehrmals den Bart und schob das Sammtkäppchen am Kopfe hin und her, Munitz aber fuhr fort: „Du weißt es ja, daß mir solche .... Anspielungen nicht unangenehm sind . . . ." „Nicht unangenehm sind!" unterbrach ihn der Meschores stürmisch, „manchmal erzittert Ihr und werdet blaß wie die Wand, wenn man das abscheuliche Wort ausspricht! . . . ." Munitz schien die Zwischenbemerkung nicht gehört zu haben, denn er fuhr fort: „im Gegentheil sie sind mir recht lieb, sie sind ja nicht unbegründet; und .... und ich weiß. nicht wie es kömmt" — Munitz lächelte sanft, als wenn er da eine höchst angenehme Erinnerung heraufbeschwören würde, „sonst wenn ich durch die Gasse ging, pflegten mir die Kinder: „Löb Hund!" nachzurufen; aber seit einigen Tagen hat das ganz aufgehört; sonderbar! das ist mir gar nicht lieb!" er schüttelte nachdenklich den Kopf, „ich glaube Dienstag war es das Letztemal!" „Ich will Euch sagen, warum Balbos!" platzte Feisch. jetzt seine lange mühsam bewahrte Fassung verlierend, heraus, „Dienstag Nachmittag, wie Ihr von Minche aus Schul nach Hause gingt, kam ich zufällig auch desselben Weges her — ich konnte es nicht länger ansehen, wie diese nichtswürdige Brut von Jungen Euch verfolgte, mich übermannte ge-! rechter Zorn; ich griff einen der Nichtswürdigsten; heraus, und in blinder Wuth schlug ich auf ihn los, > daß er zu bluten begann!" j „Ah! — das war sehr, sehr unrecht von Dir! j das is wirklich nit niten limchol19), rief Munitz in j großer Aufregung: „Glaubst Du denn wirklich, daß; ich eine§ Beschützers bedarf? Meinst Du wirklich. ich habe es nicht in meiner Macht . . . ." er brach jäh ab und fügte erst nach kurzer Pause hinzu „auch hättest Du mit den Eltern des Kindes, das Du eigenmächtig geschlagen, Verdruß haben können." „Das liegt mir auf!" entgegnete der Meschores ärgerlich, „die Mutter hat mich in Emmes2°) verklagt, aber der Roschhakohol 21) Reb Jizchak Taußig ist ein einsichtsvoller Mann; er hat mich sehr milde bestraft; — sechs Stunden Hab" ich im Gemeindekarzer sitzen müssen .... Balbos, Ihr habt gar nichts davon erfahren, daß Euer Meschores bestraft worden ist; — und wahrhaftig, ich bin auch nicht umsonst gesessen, man hat die Sache ganz genau untersucht/, der Roschhakohol war über das Pirzus22) der Gassenjungen sehr aufgebracht, ja er hat dieser Angelegenheit eine solche Wichtigkeit beigelegt, daß er sich mit demRaw^) darüber berathen Hatz, und der Gassenmeschores24) hat ausgerufen, daß das Bes-Din^) und Kohol strengstens verbieten, daß Jemanden auf der Straße ein Schem Kinne nachgerufen wird, und so wurde weiter ausgerufen; da man voraussetzt, daß eine solche freche Gemeinheit nicht von Balebattim, sondern höchstens von ungezogenen Jungen ausgeübt wird; so werden in der Folge jene Bursche, welche dieses Verbot übertreten mit Ruthenstreichen gezüchtigt; und die Gaffeameschorßim sind angewiesen, die Uebelthäter sofort festzunehmen und ins Gemeindekarzer zu bringen." Munitz schüttelte höchst mißvergnügt den Kopf. „Das thut mir wirklich herzlich leid .... also deshalb Hab" ich jetzt vor den lustigen Knaben Menucho!^) Freilich der Rof Reb David Oppenheim — haschem jarich jomow! — ist ein weiser, gerechter Mann, und der Roschhakohol muß ja Ordnung in der Kehilla erhalten.Wenn ich nur ein Mittel wüßte, diesen Beschluß rückgängig zu machen!" (Fortsetzung folgt.) 21) Gemeindevorsteher. 22) Frechheit. 23) Rabbiner, in Prag wurde und wird stets nur der Oberrabbiner so bezeichnet. 24) Gemeindepolizeidiener. Das jüdische Gemeindeamt übre auch die Polizeigewalt im Ghetto aus und die Gasseumescborsüm waren deren Organe. Bis vor 4 Tecennien war es noch üb lich Erlässe durch Ausrufen in den Straßen zur allgemeinen Kenntnis; der jüdischen Bevölkerung zu bringen. 19 ) zu verzeihen. 20) in der Lhat. AKZEIOEW. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. rin musikalisch gebildeter Eantor mit sehr! //Tin junger Mann, militärfrei, der längere k guter Baritonstimme, der im Otand^ ^L Iahre in einem Lumpen-und Fellge- und mehrere hundert Mark Rebeneinkünste ist, ein Oynagogenchor zu leiten, guter. ichäfte (im erfteren als Sortierer) thaüg ist sowrt zu beseveu Ochochct und Religionslehrcr, sucht im > war, wünscht am sogleich m eurem ahn- Iuni d. Z. Stellung. Gute Zeugnisse stehen: lichen Geschäfte placirt zu werden, zur Sei re. Offerten unter 'Rr. 1591 an Offerten find zu richten < <7k^ie hiesige erste Lehrerstelle bei einem; jährlichen festen Gehalt von 1065 M. Gollub, den 23. April 1882. 1609) Der Synagogen-Vorstand.; die Erpediüon dss. Bl.!1548) M. Rosenwald, Iierlohu.