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Der Israelit · 1882-05-03 · Heft 18 (3.5.1882) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 18 (3.5.1882)
Date
1882-05-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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439 Ocftcrr. - Ungar. Monarchie. Wien. In der von dem Abgeordneten Herrn v. Schönerer und Genossen für den 4. April einberufenen Antisemiten-Verlammlung hat bekanntlich ein Herr Holnbeck eine Rede gegen die Juden gehalten, welche den anwesenden Polizei-Commissär veranlaßte, die Versammlung zu schließen. Wie dem „N. Wr. Tagblatt" von verläßlicher Seite mitgetheilt wird, hat sich die Polizeibehörde auf Grund des Berichtes, den der damals in der Versammlung amtirende Commissär erstattet hatte, veranlaßt gesehen, jenen Bericht der Staatsanwaltschaft in Wien „zur geeigneten Amtshandlung" zu übermitteln. Die Saatsanwaltschaft erblickt nun in der Rede des Holubek das Vergehen deS § 302 St. G. Dieser Paragraph lautet: „Wer Andere zu Feindseligkeiten wider die verschiedenen Nationalitäten, Religions- oder andere Gesellschaften?c ausfordert, aneifcrt oder zu verleiten sucht, ist eines Vergehens schuldig und soll zu strengem Arrest von drei bis sechs Monaten verurtheilt werden." Auf Grund dieses Gesetzartikels ist nun bereits gegen Holubek die Untersuchung eingeleilet worden. Budapest. Donnerstag, 6. April, fand die diesjährige Generalversammlung der hiesigen Chewra Kadischa statt. Die Generalversammlung votirte, aus Antrag des Vorsitzenden, einem hervorragenden langjährigen Vereinsmitgliede, das in sehr mißliche Verhältnisse gerathen, in Anbetracht der großen Verdienste, die sich dasselbe um diesen Verein in früheren Jahren erworben, eine Ehrengabe von 1000 fl. — Hierauf wurde vom Sekretär Josef L. Weißmann der von ihm redigirte Jahresbericht verlesen, dem wir die folgenden Daten entnehmen: Die Zahl der Nothleidenden und Unterstützungsbedürftigen hat im abgelaufenen Jahre leider beträchtlich zugenommen und nur das ungetheilte Wohlwollen, sowie die warme Theilnahme der Vereinsmitglieder ermöglichte es der Chewra- Kadischa, den Unglücklichen ausreichende Hilfe angedeihen zu lassen. Die Einnahmen betrugen 86.486 fl. 64 kr., die Ausgaben betrugen 83.749 fl. 85 kr., dernnach verblieb ein Ueberschuß von 2736 fl. 79 kr., welcher dem Vereinsvermögen zufällt. Außerdem gingen an Spenden für die Chewra-Kadischa und das von ihr erhaltene Siechenhaus circa 7000 fl. ein. Lemberg, 44. April. Dr. Asher, Redacteur des „Jewish Chronicle", und Baron Montague treffen hier morgen aus London ein, um im Vereine mit dem Delegirten des englischen Comitßs, Mr. Oliphant, die Hilssaction für die nach Amerika auswandernden russichen Juden systematisch zu organisiren. Das englische Hilfscomitß hat zu diesem Behufe seinen Repräsentanten vorläufig 25,000 Pfd. St angewiesen. Eine Deputation der hiesigen Eultusgcmeinde erschien heute bei Mr. Oliphant, um ihm für seine Bemühungen den Dank der Judenschaft anSzudrücken. Mehrere hundert jüdische Flüchtlinge, die Sonntag früh mit dem ersten Emigrationszuge hier eintreffen, sollen in der hiesigen jüdischen Volksküche bewirthet werden. Feuilleton. Lob Munitz. Kulturhistorisches Zeitbild aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Von S. Kohn. (Verfasser von „Gabriel".) (Fortsetzung.) „Sei mochel, sag' der Köchin, ich will Kidusch machen, sie soll die Suppe hereinbringen!" Eine Minute später trat die Köchin Hanele ein, ein starkes, kräftiges, Mädchen von etwa 28 bis 29 Jahren, mit einer silbernen Suppenterrine, deren dampfender Inhalt ein würziges Aroma verbreitete, in's Zimmer. Munitz erhob sich, verrichtete stehend Kidusch, welches Diener und Köchin andächtig anhörten, dann ließ er sich nieder, machte über die Barches MozoI und schnitt zuerst sich, dann dem alten Diener ein Stück Waizenbrod ab, dann schöpfte er zuerst dem alten Diener, dann sich selbst Suppe aus der Terrine und begann zu essen. Da die Köchin noch immer dastand, fiel dies Munitz auf und er frug: „Will Sie was?" „Ja," entgegnete diese verlegen und roth werdend, „ich Hab' dem Balbos^) sagen wollen. daß er mochel sein und sich um eine andere Köchin Umsehen soll, zum Sman^) geh' ich!" Munitz schien von dieser Kündigung nicht überrascht, ein feines Lächeln flog über sein Gesicht und er sprach ganz sanft: „Warum will Sie Weggehen? Hat Sie zu viel Arbeit?" — das Mädchen schüttelte verneinend den Kopf. „Js Ihr die Kost nicht gut genug?" Wieder schüttelte das Mädchen den Kopf. „Oder verträgt Sie sich mit dem Meschores nit?" „Was fällt dem Balbos da ein!" schrie das Mädchen fast erschrocken. „Feisch is der bravste Mensch auf der ganzen Welt, er hat nur einen EhaßoronH; aber jeder Mensch hat ja e Fehler . . . . 1) Benediktion, Segenssprnch 2) Herrn. 3) Zeit, Wechselzeit. 4) Mangel, Fehler.

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