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Der Israelit · 1882-05-03 · Heft 18 (3.5.1882) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 18 (3.5.1882)
Date
1882-05-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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438 diesem Sinne an die gefammte deutsche Bevölkerung gerichtet, wird seine Wirkung nicht verfehlen. ^Beifall.) Abg. Dr. Laster: Es haben im Laufe der Zeiten viele Gräuelthaten ' attgefunden, die die Geschichte nur mit Widerstreben verzeichnet, die Schandthaten in Rußland stehen jedoch einzig in der Weltgeschichte; denn sie sind nicht das Resultat zufälliger Pöbelexcesse, sondern sie tragen geradezu einen von langer Hand verbreiteten Stempel an der Stirn. Glaubwürdigen Nachrichten zufolge, ist gerade die Bevölkerung, von der die Judenverfolgung hauptsächlich ausgeübt wird, eine sehr gutmnthige, allein die Leute sind in dem Glauben, der Kaiser habe ihnen befohlen, die Juden todtzuschlagen, ihr Eigenthum zu vernichten 2c. Der in reichlichem Maße genossene Schnaps mache nun diese Leute zu wilden Thieren, die Schandthaten verüben, wie sie eben nur von wilden Bestien begangen werden können. Die russische Regierung thut nichts, um der Bevölkerung klar zu machen, die ganze Judenverfolgung geschehe wider den Willen des Kaisers. Ich bin auch der Meinung, wie mein Freund Bunsen, daß eine allgemeine materielle Unterstützung der Auswanderung der verfolgten russischen Juden auch eine moralische Wirkung in Rußland nicht verfehlen wird. Und wenn man in fernen Zeiten der Schmach sich erinnern wird, die in einem völkerrechtlich zu den civilisirten Nationen Europas gehörenden Staate der Kultur angethan worden ist, dann wird es wohlthuend ins Gewicht fallen, daß die gesammte übrige civilisirte Menschheit für die Verfolgten nach besten Kräften eingetreten ist. (Lebhafter Beifall.) — Abg. Ludwig Löwe: Ich pflichte Herrn Dr. v. Bunsen vollständig bei, daß wir als deutsche Nation nicht berechtigt sind, gegen Intoleranz zu protestiren, denn verhehlen wir es uns nicht: die Judenhetze in Deutschland ist sicherlich in Rußland nicht ohne Wirkung geblieben. Daß hier in dem Lande, wo stets die Toleranz eine feste Stätte gehabt, das den Hugenotten, Zillerthalern 2c. die gastlichste Aufnahme gewährt, gewissermaßen der Zündstoff zu den russischen Gräueln gelegt werden konnte, ist aufs Tiefste zu beklagen. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß der heutige Abend sich würdig den Meetings in London und Newyork anreihen wird. (Beifall.) — Einstimmig wurde hierauf folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung spricht dem Comittz für die Hilfe, die es den flüchtigen russischen Inden hat angedeihen lassen, die wärmsten Sympathieen aus; die Versammlung richtet an das Counts die Bitte, seine bisherige Thätigkeit, ganz besonders zu Gunsten der Auswanderung der Juden aus Rußland, sortzusetzen und sich, soweit erforderlich, durch geeignete Kräfte zu verstärken." — Der Vorsitzende, Oberbürgermeister Dr. v. Forckenbeck schloß hierauf die Sitzung mit der Bitte, das Comits nunmehr thatkräftigst durch Geldmittel 2c. zu unterstützen. Heldenbergen. Um unseren nothleidenden Glaubensbrüdern in Rußland nachhaltige Unterstützung zu gewähren, insbesondere aber den Colonisationsplan zu fördern, hat sich die hiesige Gemeinde auf Anregung des Unterzeichneten gerne bereit finden lassen, sich für längere Zeit zur Leistung von Wochenbeiträgen, um dadurch auch dem Aermsten die Betheiligung an dieser großen rrso zu ermöglichen, zu verpflichten. Ebenso haben die hier so segensreich wirkenden zwei Männer-Kranken-Unterstützungs-Vereine, jeder 25 Mark verwilligt. O, möchten doch alle Gemeinden ähnlich wie die hiesige Vorgehen, es müßte mit der Zeit Großartiges geleistet werden können, ohne daß Jemand überbürdet wäre oder daß andere wohlthätige Zwecke vernachlässigt werden dürften. W e r t h e i m e r, Lehrer. Warmbrunn. Dem dritten Verwaltungs-Bericht des jüdischen Kurhospitals zu Warmbrunn für die Dadesaison des Jahres 1881 entnehmen wir: Das jüdische Kurhospital war in der Badesaison von 1881 vom 15. Mai bis 15. September geöffnet und hat wahrend dieser Zeit 22 unbemittelte kranke Glaubensgenossen — 13 Männer und 9 Frauen — kostenfrei ausgenommen, verpflegt, mit Bassin- und Douchebädcrn, ärzlichem Beistand und Medizin versorgt, so daß sie während ihrer Kurzeit alle Bedürfnisse, sowohl zum Lebensunterhalt als zur Kur erhielten. An dieselben wurden verabreicht: 601 Tagesportionen — bestehend in Frühstück, Großfrühstück, Mittagbrot, Vesper und Abendbrot» —, 597 Bassinbäder und 100 Douchebäder. Lurch die Munisicenz des Herrn Grafen L. Schaffgotsch, Besitzer der Bäder, erhalten in jeder Badcsaison 12 jüd. arme Badegäste 336 Freikarten zu Bassinbädern, wofür wir hiermit im Namen der Armen den innigsten Dank aussprechen. Gleichen innigsten Dank statten wir den Wohllöblichen Vorständen jüdischer Gemeinden und Wohlthätigkeits-Anstalten, sowie allen Wohlthätern, die unser Kurhospital bisher unterstützt, im Namen der Armen, welche daselbst Unterkommen gefunden, ab und verbinden hiermit die eben so ergebene als dringende Bitte: Unserem wohlthätigen Institute fernerhin ihre milden Beiträge zuwenden zu wollen. Die Einnnhmen betrugen 2292 Mk., die Ausgaben 1432 Mk. Man berichtet aus Leipzig, 12. April: Die größte Theilnahme erregt hier der gestern erfolgte Tod Jakob Nachod's, des Chefs des Bankhauses Knanth, Nachod u. Kühne in Leipzig und New-Nork. Der Verstorbene war Vorstand der Judengemeinde Leipzigs, langjähriger Präsident des deutsch-isr. Gemeindebundes und genoß als edler Menschenfreund einen ausgezeichneten Ruf.

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