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Der Israelit · 1882-05-03 · Heft 18 (3.5.1882) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 18 (3.5.1882)
Date
1882-05-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXIII. Jahrgang. Erste Leilage zu Mr. 18 -es Zsractit. ZeilungSnachrichlen und Correfporrdenzen Deutschland. Berlin, 20. April. Im Bürgersaale des Rathhauses fand gestern (Mittwoch) Abend eine von einem Comite berufene Versammlung in Angelegenheiten der Judenverfolgung in Rußland statt. Es hatten sich ungefähr 5Ö0 Personen aller Konfessionen eingefunden. Man bemerkte Oberbürgermeister Dr. von Forckenbeck. die Stadträthe Friedet, Kunz. Romstädt und Magnus, Stadtschulrath Dr. Bertram, die Abg. Dr. v. Bunsen, Dr. Laster und Ludwig Löwe, ferner die Prediger Schmeidler und Thomas, Schulvorsteher Dr. Bohm, Realschul-Direktor Prof. Dr. Schwalbe, viele Stadtverordnete, Industrielle?c. Jüstt'zrath Lesse eröffnete mit kurz einleitenden Worten die Versammlung, indem er mittheilte, daß Landgerichts-Direktor Lessing und Prediger Neßler ihr Nichterscheinen haben entschuldigen lassen. Hierauf wurde Oberbürgermeister Dr. v. Forckenbeck zum Vorsitzenden und die Abgeordneten Dr. v. Bunsen und Dr. Laster zu Beisitzenden gewählt. Oberbürgermeister Dr. v. Forckenbeck bemerkte: Er übernehme um so lieber den Vorsitz, als ihm dadurch Gelegenheit geboten werde, sich diesem Werke wahrer Nächstenliebe und edler Humanität mit voller Kraft zu widmen. (Beifall.) Sanitätsrath Dr. S. Neumann machte alsdann eingehende Mittheilungen über die russischen Judenverfolgungen, indem er bemerkte: Die Anregung zur Auswanderung sei von den verfolgten russischen Juden selbst und keineswegs von anderer (seite her erfolgt. Aller Orten seien bereits lebhafte Agitationen behufs Beförderung dieser Auswanderung in's Leben getreten, so in Paris, London, Frankfurt a. M., Breslau k., nur Berlin sei bis jetzt unthätig geblieben, dafür sei allerdings den verfolgten Juden in Rußland die erste Hilfe von Berlin ans geworden. Hier habe man bis jetzt von einer weiteren Agitation zu Gunsten jener Auswanderung Abstand genommen, da die Schandthaten, wie sie in zwei Artikeln der „Times" im Monat Januar geschildert worden, in Berlin keinen Glauben fanden. Erft als die amtlichen Konsularberichte die volle Wahrheit dieser Greuelscenen bestätigten, habe das Berliner Comittz, das bereits seit Juni 1881 bestehe, sich entschlossen eine weitere Agitation ins Leben zu rufen, die sich jedoch lediglich auf die moralische und materielle Unterstützung der Auswanderung der Juden Rußlands beschränken solle. Anläßlich dessen sei die heutige Versammlung, zu der nur eine beschränkte Zahl von Personen geladen sei, berufen, und ferner fordere das Comittz mittelst Cirkulare zu materieller Unterstützung auf, indem es gleichzeitig eine Broschüre versende, in der die verbürgten Vorgänge in Rußland in objektiver Weise geschildert werden. Das Comittz gebe sich der Hoffnung hin, daß die Einwohner Berlins, die ja nirgends zurückstanden, wo es galt, Roth und Elend zu lindern, auch der beregteu Angelegenheit ihre Unterstützung nicht versagen werden. (Bravo!) — Abg. Dr. von Bunsen: Ich kann nicht umhin, dem Comittz meinen Dank für seine beobachtete Mäßigung, die darin besteht, daß es sich nicht in Protest-Meetings verliert, sondern lediglich seine Thätigkeit auf die Unterstützung der Auswanderung der verfolgten russichen Juden beschränkt, auszusprechen. Einmal haben wir Deutsche als Station zu derartigen Protest- Meetings allerdings kein Recht, denn noch ist die Agitation gegen die Inden iu den Jahren 1880 und 1881 in Deutschland in aller lebhafter Erinnerung und anderentheils wollen wir es uns nicht verhehlen, daß die Proteste in London und Newyork den Juden in Rußland nicht nur nichts genützt, sondern im Gegentheil in sehr hohem Maße geschadet haben. (Rufe: Sehr wahr! Sehr richtig!) Die Gräuelscenen au den Osterfeiertagen 1882 waren wesentlich schlimmer als Ostern 1881. Für uns Christen ist es ganz besonders betrübend, daß gerade die christlichen Feiertage, die wir seit so vielen Jahrhunderten mit den Juden gemeinschaftlich feiern, von Christen in so himmelschreiender Weise entweiht werden. Allein mit Protesten dagegen ist nichts gethan, denn wir sehen, die Antwort auf die Proteste in London und Newyork war, daß die russis-Heu Behörden den Verfolgungen nunmehr gewissermaßen gesetzlichen Vorschub leisten. Allein wenn wir in 'Nächstenliebe zusammenstehen und die ans ihrem Vaterlande vertriebenen Juden unterstützen, ihre Auswanderung nach Amerika befördern, dann wirken wir auch moralisch mildernd auf die Zustände in Rußland ein. Wir sind dazu umsomehr genöthigt, als die Judenverfolgung in Rußland zweifellos nur ein Anfang zur Deutschenverfolgung daselbst ist. (Sehrrichtig!) Ich bin deßhalb überzeugt: ein Appell in

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