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Der Israelit · 1882-05-03 · Heft 18 (3.5.1882) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 18 (3.5.1882)
Date
1882-05-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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435 Feuilleton. 'Uarthenope. XVIII. Die gothischen Heerführer durchzogen ganz Norditalien, das Manifest Totilas in der Linken, das drohende Schwerdt in der Rechten haltend, und so wurden alle Städte und Burgen zur Unterwerfung gewonnen oder geschreckt. Das Gothenheer zog vor Rom; es schloß die Stadt ein; aber Totila hütete sich, einen Sturm zu wagen und das Leben seiner Helden preiszugeben; er dachte, daß auch Rom, dem Beispiele der andern Städte folgend, sich freiwillig ergeben würde. Die Stadt war auf eine Belagerung nicht gefaßt gewesen. Die darin angehäuften Vorräthe waren nur gering. Bald stellte sich der Hunger ein, und Rom mußte dem siegreichen Heere Totilas seine Thore öffnen. Nach dem Falle von Rom sandte der König seine Feldherrn nach allen Seiten hin aus, und überall rückten sie siegreich vor. Bald war ganz Ober- und Mittelitalien mit Ausnahme von Ravenna zurückerobert, und der König konnte daran denken, auch Neapolis und Unteritalien wieder zu gewinnen. Inzwischen wollte der König ein großes Beispiel der Versöhnung zwischen Gothen und Jtaliern, zwischen Arianern und Katholiken geben. Schon hatte er die zerstörten Kirchen, sowohl die der Arianer, als die der Katholiken, wiederherstellen lassen. Jetzt wollte er in eigner Person zeigen, wie ernst es ihm sei um ein aufrichtiges Bündniß zwischen der gernianischen und römischen Bevölkerung; er verlobte sich mit einer vornehmen Römerin aus dem Geschlechte der Valerier und beschloß, das Hochzeitsfest schon bald zu feiern. Es war am 15. Juni; die Bevölkerung Roms wogte von den frühesten Morgenstunden an durch die geschmückten Straßen und Plätze der. Stadt; auf dem aventinischen Hügel waren unter Zelten Tische aufgeschlagen, an welchen das Volk von Rom bewirthet werden sollte. Pabst Silverius vollzog unter den Gebeten eines arianischen und eines katholischen Priesters die Trauung. Nachdem das junge Paar die Ringe gewechselt hatte, zog es in glänzendem, feierlichem Aufzuge über die festlich geschmückte Brücke nach, denl rechten Tiberufer, wo die Festhalle errichtet war. Hier, im Angesichte des versammelten Volksheeres, unter dem Goldschilde des Königs trat die Römerin in den linken Schuh des gothischen Bräutigams, und er legte die gepanzerte Rechte aus ihr Haupt. So war die Vermählung nach römischem und germanischem Gebrauche geschehen. Nun nahm das Brautpaar an dem Mitteltisch der Terasse Platz, Valeria von edlen Römerinnen und Gothinnen, Totila von den Herzögen und Grafen seines Heeres' umgeben; abwechselnd spielten und sangen griechische und römische Flötenspieler, und römische Tänze wechselten mit dem Schwerter- Sprung gothischer Jünglinge, indessen auf dem Fluß, an beiden Ufern desselben und rings um die Villa her die römischen und gothischen Gäste des Königs gemeinsam schmausten, tranken und den milden Herrn und seine schöne Braut um die Wette feierten. Da trat plötzlich ein Mann in einfacher, nichtfestlicher Kleidung vor den König. „König Totila," sprach er, „kennst Du mich noch?" Der König sprang auf. „„Joseph,"" rief er, „„mein Freund, mein Waffengefährte von der Belagerung Neapels her! Wie freue ich mich. Dich zu sehen am Tage meines Freudenfestes! Valeria, dieser Mann ist der Edelsten und Besten einer! Wo ist Parthenope?"" Joseph verneigte sich vor der Königin, dann sprach er traurig: „Sie ist gefangen, um Deinetwillen gefangen, König Totila! Als sie durch ihren Warnungsruf Dir das Leben gerettet hatte, verurtheilte sie Belisar zum Tode. Da erbat Lucius Licinius sie sich zum Geschenke. Belisar willigte ein, und seitdem hält sie Lucinius aus seinem Schlosse bei Beneventum gefangen." „„So ziehe ich sofort hin,"" rief Totila, „um meine Lebensretterin zu befreien. Wohlan, das Fest ist zu Ende! Valeria, gib mir Urlaub. Ich habe eine heilige Pflicht zu erfüllen."" „An Deinem Hochzeitstage?" fragte Graf Teja. „Sende mich, auch ich werde das Werk der Befreiung vollbringen können." „„Nein,"" sagte Totila, „„ich selbst muß meiner Lebensretterin die Befreiung bringen. Bei dieser Gelegenheit werde ich Neapolis und Unteritalien erobern. Du gewährst mir doch Urlaub, Valeria?"" „Ich bin stolz auf meinen heldenmüthigen Gatten," antwortete die Römerin. Nicht lange währte es, so erscholl die Kriegstrompete, und die gothischen Schaaren richteten sich zu einem neuen Siegeszuge. Von seiner Hochzeitstafel hinweg zog König Totila aus, um ein jüdisches Mädchen zu befreien. Unterdeß hatten in Eonstantinopel sich wichtige Dinge ereignet. Als in dem goldnen Palaste des Kaisers nacheinander die schlimmen Nachrichten eintrafen von

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