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Der Israelit · 1882-05-03 · Heft 18 (3.5.1882) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 18 (3.5.1882)
Date
1882-05-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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434 Intervention der gesammten anderen europäischen Staaten betreff dieser russischen Greuel. Privatbriese berichten von den haarsträubendsten Scenen, von Plünderung, Mord und Schändungen. Sie bestätigen vollkommen, daß die tobenden, betrunkenen Bauern jede Ermahnung mit den Worten niedergeschlagen : „Wenn der Czar nicht die Ermordung der Juden wünschte, so würde er längst einen Mas dagegen erlassen haben." Petersburg, 26. April. Gestern Nacht äscherte eine große Feuersbrunst viele jüdische Häuser und Läden in Kamenez bei Podolsk ein. Der Schaden beträgt eine halbe Million. Moskau. Kaikows Organ, die russische „Moskauer Zeitung" bringt einen sehr scharfen Artikel gegen die Judenverfolgungen. Das Blatt schreibt: Der „Regierungsbote" speiste das Publikum mit der Meldung ab, er werde rechtzeitige, detaillirte Nachrichten über die Juden-Exeesse bringen. Als ob damit Alles gethan wäre! Gibt es denn wirklich kein Mittel zur Beseitigung dieses himmelschreienden Skandals, der die Verwirrung nur vergrößert und die Regierung kompromittirt? Kann sie sich begnügen mit der bloßen Registrirung dieser Vorfälle? Öffenbar ist die Administration selbst von dieser Bewegung fortgerissen." Sich sodann gegen die Ausweisungen der Juden wendend, die den Pöbel noch aufftacheln, ruft Katkow aus: „Plötzlich kam ein Geist der strengsten Gesetzmäßigkeit über uns, den Juden verjagt man, von wo er lange lebte, nicht weil er schädlich oder verdächtig, sondern „weil er keine Stiefel näht." Diese unmotivirten Ausweisungen, wie wir sie nicht einmal den Nihilisten gegenüber so ungenirt vornehmen, zerrütten nicht weniger als die Wnth des Pöbels die Verhältnisse der armen Betroffenen." Die Judenunruhen in Balta haben, wie seiner Zeit ein Privatbries meldete, am 4. April begonnen und sind am 11. April laut Regierungsmeldung als beigelegt angesehen worden. Sie haben demnach gerade eine Woche gedauert. Ein Kijew'scher Korrespondent der „Now. Wremja" spricht übrigens die feste Ueberzeugnng aus, daß es auch in Kijew wieder zu Judenunruhen kommen werde. Wenn, sagt er, heut oder morgen drei Personen auf den Straßen Kijew's erzählen, in einem Nachbarorte seien Krawalle ausgebrochen, so werden sich sofort Tausende ansammeln und auch in Kijew die Juden zu mißhandeln anfangen. Asien. „Jewish World" bringt einige interessante Details über die soeialen und religiösen Gebräuche der schwarzen Juden in Indien. :Die Mehrheit derselben sind Eingeborne der Malabar-Küste, wo sie, besonders in der Stadt Kotschim, in beträchtlicher Anzahl wohnen. Sie werden für Abkömmlinge jener Juden gehalten, die König Salomon nach Indien gesendet, um Elephanten für ihn zu holen und in den Goldminen zu arbeiten. Diese Abkömmlinge sind von den andern Eingebornen nicht zu unterscheiden. Sie kennen nur wenig Hebräisch, diese Sprache ist unter ihnen fast ganz ausgestorben. Jetzt bedienen sie sich in ihren Schriften und Gebetbüchern der Hindusprache. Sie besitzen auch eine Art Bibel, die aber! nicht gedruckt, sondern geschrieben ist. Von den : religiösen Feiertagen halten sie nur den Sabbath und Ostern, der Versöhnungstag ist ihnen gänzlich :: unbekannt. Auch bezüglich der Zubereitung der : Nahrung unterscheiden sie sich von anderen Juden,! da ihre ursprünglichen Sitten und Gebräuche durch! eine tausendjährige Trennung von ihren Religionsi genossen vielfach sich änderten. Sie leben ferner I getrennt von den weißen Juden daselbst, da die letz-! teren sie nicht als wirkliche Abkommen der jüdischen; Race betrachten. Hingegen rühmen sich die farbigen j Juden des Besitzes von Freiheitsbriefen,'die sie von! indischen Herrschern erhielten, so eines solchen von; König Tschandrackupta, der zur Zeit Alexanders des? Großen lebte. Sie selbst nennen sich nicht „Juden",! sondern „Söhne Israels", und sie behaupten, im! Besitze einer Anzahl heiliger Bücher, Autographen, j zu sein, die von den Patriarchen geschrieben worden.! Sie leben aber in großer Armuth, sind sehr un- > wissend und verdienen ihren Lebensunterhalt durch! Feldarbeit und Handwerke. Amerika. New-Bork. Die „New-Aorker Staats-Ztg." berichtet: Herr Sargent, der neue nordamerikanische I Gesandte für Berlin, hat sich als Legationssekretär einen deutschen Juden, Herrn David Felsenheld aus : San Diego in Kalifornien, auserwählt. Felsenheld! ist, wie San Franciskoer Blätter melden, in Baiern; geboren und hat in New-Pork Verwandte. In den! letzten Jahren hat er in Washington als Agent für! Eisenbahn-Monopolisten gewirkt; vorher war er Kaufmann in San Diego. Washington, 27. Apuil. Der Präsident empfing mehrere Personen, welche seine Intervention zu Gunsten der russischen Juden nachsuchten. Er erwiderte, er werde sein Möglichstes thun, um die russische Regierung zu veranlassen, die Juden wirksam zu schützen und habe diesbezüglich den amerikanischen Gesandten in Petersburg entsprechend instruirt. Unter allen Umständen würden die amerikanischen Juden, die provisorisch in Rußland wohnen, von den Vereinigten Staaten geschützt werden.

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