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Der Israelit · 1882-05-03 · Heft 18 (3.5.1882) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 18 (3.5.1882)
Date
1882-05-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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433 Ausdruck verleihen, wenn eine Masse, wenn auch eine zügellose, sich „menschenfreundlich" aufführt, die die Ueberzeugung aussprechen, daß derartige „Vergewaltigungen" keinen kriminellen Charakter haben." Die zahlreichen Auswanderungen der Juden aus Rußland fangen doch an, in vielen Kreisen, sogar in solchen, in welchen sich sonst eine antijüdische Stimmung zeigte, Bedenken zu erregen. Man sieht doch ein, daß eine Maffenauswanderung der Juden auf die ökonomischen Verhältnisse des Landes von dem schlechtesten Einflüsse sein würde. Unter Anderem tritt die „Nowosti" der Absicht der Juden, aus Rußland auszuwandern, entgegen und meint, ein Vaterland suchen, sei schwerer, als ein altes aufgeben, abgesehen davon, daß eine Auswanderung an und für sich materielle Nachtheile für die Auswanderer nach sich ziehe. Den Juden gibt das Blatt folgenden naiven Rath: „. . . . In solchen Ortschaften, welche der Gefahr, ausgeplündert zu werden, ausgesetzt erscheinen, brauchen die Juden nur folgende, wir glauben bereits erprobte Maßregeln anzuwenden: Sie haben alle Werthsachen an einen sicheren Ort zu deponiren, dieselben entsprechend zu versichern und selbst an Ort und Stelle zu bleiben, jeden Augenblick zur Flucht bereit, bis die Gefahr vorüber ist. Es wird sich allerdings etwas sonderbar machen, wenn ein großer Theil der Bevölkerung so zu sagen ein Bivouac-Leben führt, aber was ist dabei zu machen! Wenn eben kein anderer Ausweg vorhanden ist, so gibt eine solche Lebensweise den besten Schutz gegen Üeberfälle und Vergewaltigungen ab. Unter den angegebenen Bedingungen ist den Juden die Möglichkeit geboten, sich zu jeder Zeit zu flirchten, ohne dem Pöbel irgend ein Opfer zu bringen. Dieser seinerseits wird, wenn er kein Material zum Plündern vorfindet, zur Vernunft kommen und zu seinen friedlichen Beschäftigungen zurückkehren." — Welche staatlichen Zustände fetzt solch ein Rath voraus! Petersburg, 20. April. Es geschieht doch Manches im russischen Staate, das nicht geschehen würde, wenn der Czar davon Kunde bekäme. Leider scheint man in seiner unmittelbarsten Nähe Maßregeln zu treffen, die man ihm geflissentlich verheimlicht. Aus guter Quelle höre ich, daß den Juden in Gatschina unlängst der unerwartete Befehl zuging, sie haben die Residenz Gatschina zu räumen und zwar die Besitzer unbeweglichen Eigenthums binnen vier Wochen, die andern binnen vierundzwanzig Stunden. Man kann sich den Schreck der.Leute vorstellen. Eine Bittschrift auf dem gesetzlichen Wege an den Kaiser zu richten, war nicht genügend Zeit vorhanden: man fand aber Mittel, den Czaren durch eine ihm nahestehende Persönlichkeit von dem Befehl in Kenntniß zu setzen. Der Kaiser war höchlichst erstaunt und ließ sofort den Polizeimeister von Gatschina kommen, der ihm die Ausstellung der Ordres zugab. „Und was haben die armen Leute gethan?" fragte der Czar. „Sind sie politische, find sie kriminelle Verbrecher?" Der Polizeimeister verneint das. „Nun, so lasse man sie bleiben, wo sie sind und belästige die Leute nicht. Ich will Ruhe im Lande und keine Aufregung haben " Petersburg, 22. April. Nach dem „Golos" hat auf die Vorlage des Justizministers vom 19. April der Kaiser befohlen, alle Exceßverhandlungen, welche mit Mißhandlungen jüdischer Einwohner verknüpft sind, sowohl bei den Friedensgerichten, als auch bei den allgemeinen Gerichtshöfen als außer der Reihe stehende dringliche zu behandeln. Petersburg, 23. April. Der „Herold" schreibt: Die Gerüchte, daß die in Dörfern wohnenden Juden auf gesetzlichen! Wege ausgewiesen werden sollen, finden schon jetzt in Podolien, wie die „Ned. Chron. Woschod." mittheilt, ihre praktische Bestätigung. Ueberhaupt soll man dort mit den Juden weniger Ceremonien machen als in anderen Gegenden. So wurde den Juden mehrerer Dörfer jenes Gouvernements von den Gemeinde-Ältesten der gemessene Befehl ertheilt. sich schleunigst zu exhabilitiren, eximinirt von diesem Befehle waren nur diejenigen Juden, welche ihren Wohnsitz auf Ländereien der Gutsbesitzer ausgeschlagen. In Anbetracht des bevorstehenden Oster-Feftes gelang es den Juden nach vielen Bitten und Anstrengungen ihre Exmission zu verzögern. Ist das Fest vorüber, so müffen die Armen unverzüglich ihr mit Mühe gebautes Nest verlassen und werden dieselben das Proletariat in den Städten vergrößern helfen. Hierbei ist noch zu bemerken, daß in den gedachten Dörfern sich sämmtliche Schenken in Händen von Kleinrussen befinden, so daß die Juden in dieser Beziehung dort durchaus nicht im Stande waren, einen, wie man in anderen Fällen annimmt, demoralisirenden Einfluß auszuüben. Wie das citirte Blatt angibt, sind ihm im Gegentheil Fälle bekannt, woselbst die russischen Bauern alle Hebel in Bewegung setzen, um die Ausweisung der Juden zu verhindern. Petersburg, 25. April. Das „Tageblatt" berichtet von dort: Die Empörung der Petersburger Gesellschaft über die schändlichen Judenmassacres ist im Wachsen in gleichem Maße wie die Erbitterung gegen die Regierung, welche dieselben nicht zu verhindern wußte. Die Erbitterung wendet sich direct gegen Jgnatieff, der seine Stellung zur Judenfrage durch sein Vorgehen hinreichend documentirt hat. Man glaubt hier an eine unmittelbar bevorstehende

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