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Der Israelit · 1882-05-03 · Heft 18 (3.5.1882) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 18 (3.5.1882)
Date
1882-05-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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431 frage zu einer Bedingung für die Emancipation aufbauscht, in die Reihe der antisemitischen Blätter eingetreten ist. Und Mitglieder dieser Volkspartei, Werber bei deren Wahlagitationen sind auch hiesige Juden, von denen wir überzeugt sind, daß ihnen die Ehre der jüdischen Religion im Allgemeinen und das Schächten insbesondere nicht gleichgiltig sind. Wollen sie der Redaction ihres Parteiorgans für diese ihre Liebenswürdigkeit zu danken nicht vergessen. Uebrigens ist die Wichtigkeit, welche man der sogenannten Schächtfrage beizulegen sucht, gerade heutzutage urkomisch. In der „in der Cultur täglich fortschreitenden europäischen Völkerfamilie sind Deutschland und Rußland zwei bedeutende Glieder." Aus Deutschlands Anregung mordet und plündert man in Rußland jüdische Männer, schändet jüdische Frauen, und die „in der Eultur fortschreitende europäische Völkerfamilie" ergötzt sich, Gewehr bei Fuß, an diesen christlichen Festspielen, und erhitzt sich für humanes Thierschlachten und benützt das Thierschlachten zur Hetze gegen Menschen. Wem fällt da nicht das Prophetenwort ein: „Sie schlachten Menschen und küssen Kälber." (Hosea 13, 2.) Fürth, 1. Mai. Der hiesigen israelitischen Bürgerschule wurde das Recht der Ausstellung von Zeugnissen für den einjährigen, freiwilligen Militärdienst nach jüngster Bekanntmachung im „Reichs- Anzeiger" durch das Reichs-Kanzleramt zugesprochen. — Von bedeutendem Einflüsse für die emporstrebende Anstalt wird dieses Recht sein und hofft man, daß die Zahl der Gönner und Schüler dadurch um Bedeutendes zunehmen wird; nur ganz wenige jüdische Unterrichtsanstalten in Deutschland sind mit diesem Rechte ausgestattet. — Sichtlich ruht schon seit den Tagen de? Gründung Gottes Segen auf diesem jungen Institut und hat dasselbe unter seiner bewährten Leitung, wenn auch zeitweise eben durch den Mangel obigen Rechtes etwas beeinträchtigt, geblüht und ist die Hoffnung berechtigt, das dasselbe unter der Aegide seines bewährten Direktors, Herrn Di-. Dessau »"j zusehends prosperiren wird. Berlin, 24. April. Gestern und heute tagten hier Delegirte aller Eomittzs zur Unterstützung der Auswanderung verfolgter russischer Juden nach Amerika und andern transatlantischen Ländern im Saale der Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde. Vertreten waren Rew-Aork (Ellinger), London (Du. Hermann Adler, Sir Julian Goldsmith, Baronet). Paris (Netter, Derembourg, Di*. Landsberg), Köln (Bürgermeister Di*. Rosenthal, Rabbiner Di*. Frank), Berlin (u. a. Abg. Lasker), Wien, Leipzig, Frankfurt (Dr. Fuld, Beerwald. Dr. Maas), Breslau, Hannover, Hamburg u. s. w. Der Vorsitzende des Berliner Comitös, Justizrath Lesse begrüßte die Versammlung. Beschlossen wurde zur einheitlichen Leitung der Auswanderung im Wesentlichen Folgendes: Das deutsche Comitö (Sitz Berlin) übernimmt die continentale Expedition der Auswanderer, London und New-Aork sorgen für die Unterbringung der Einwanderer in Amerika und andern transatlantischen Ländern, Paris ordnet die Verhältnisse der Auswanderer. Nur solche Personen werden befördert, welche Aussicht bieten, selbst für ihr Fortkommen zu sorgen. Alle Gelder sind an die Eomittzs von Berlin und London abzuführen, welche den übrigen Comit^s Rechnung legen. Heute erfolgt die Schlußsitzung. Berlin, 30. April. Die Berliner Handelsgesellschaft hat gestern nach Petersburg eine Erklärung gelangen lassen, daß sie anläßlich der erneuten Judenverfolgungen aus die Uebernahme der kaukasischen und sibirischen Eisenbahn-Prioritäten verzichtet. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Die „W. Allg. Ztg." erhält folgenden Bericht: „Am letzten Samstag (8. d.), T1/-» Uhr Abends fand sich im „Beth-Hamidrasch" der Synagoge in Wien. Große Schiffgasse 6, eine vom Gerichtsarzt Herrn Vierer einberufene Versammlung ein, welche sich mit der Frage der Kolonisation Palästinas beschäftigte. Das Präsidium führte Herr Rabbiner Spitzer. Dem vom Einberufer erstatteten Berichte ist zu entnehmen, daß er einen Verein zu gründen beabsichtige, welcher sich mit der Kolonisation Palästinas durch die russischen Juden befassen und den Titel „Ahawath-Zion" führen soll. Bei Beginn der letzten Judenhetze in Rußland sprach man davon, den Verfolgten in Spanien ein Heim zu schaffen. Von dieser Idee sei man glücklicherweise bald abgekommen, denn Spanien habe den Juden einen Denkzettel gegeben, der ihren spätesten Nachkommen noch unvergeßlich bleiben werde. Redner sagt: „Es heißt, im gelobten Lande gebe es kein rechtes Wasser, welches zur Agrikultur doch unbedingt nothwendig sei. Ich hatte, meine Herren, unlängst Gelegenheit, mit russischen Glaubensgenossen zu sprechen, welche gegen diesen Einwand begeistert ausriefen: „Wir wollen mit unseren Thränen den Boden befeuchten!" (Rufe: Phantasie! Schwärmerei!) Redner plaidirt schließlich in warmen Worten für die Kolonisation Palästinas und weist auf den auch in Oesterreich bereits zum Ausbruch gekommenen Antisemitismus hin. — Rabbiner Spitzer bemerkt: „Schon vom

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