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Der Israelit · 1882-05-03 · Heft 18 (3.5.1882) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
23 (1882)
Issue
Heft 18 (3.5.1882)
Date
1882-05-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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430 MMäan[rer vorgeschrittenen Zeit, in unsrem ^^^^^^Wahrhundert ^^^^^^Mtgegne uns nicht, daß es rohe, unge- Horden sind, welche die Gräuel haben. Diese Gräuel datiren nicht ^^^^^^Waus Kiew, aus Elisabethgrad — sie ^^^^^^Mrsprung im Reiche der Denker, in der ^^^^^^Wer Intelligenz. Protestantische Geist- WWWWWtätsprofessoren und Studenten, Lehrer an deutschen Gymnasien haben den >Dtein ins Rollen gebracht, der jetzt die Häuser von Balta zertrümmert und Tausende unschuldiger Menschen ins Elend treibt. Wäre es in Deutschland anders gekommen, wenn nicht eine starke Regierung die rohen Massen zu bewältigen verstände? Wir brauchen nur an Neustettin, Glogau re. zu erinnern; wir brauchen uns nur die abgeschnittenen Neben, die aufgewühlten Kartoffelfelder, die abgehauenen Apfelbäume in einigen rheinhessischen Dörfern, dem gebildetsten und wohlhabendsten Theile von ganz Deutschland, ins Gedächtniß zurückzurufen. Das Circulieren der bekannten Antisemitenpetition hatte diese noblen Heldenthaten hervorgerufen. — Die Brandreden, welche Herr Dr. Henrici und Genossen in allen Theilen Deutschlands gehalten, die Schmähschriften und Flugblätter, welche die wahnsinnigen, tausendmal widerlegten Lügen eines Rohling unter das Volk ausstreuten, haben in Rußland so schauerliche Erfolge erzielt, weil die russische Regierung nicht den Willen oder vielleicht auch nicht die Macht hat, die von Raublust und Branntewein berauschten Horden zu bändigen. Solche traurige Erfahrungen lehren uns, daß der Fortschritt der Menschheit ein höchst einseitiger ist. Wir haben manche Naturgesetze erkannt, und. gelernt, sie zur Beförderung unseres materiellen Wohlbefindens anzuwenden, während Rohheit, Bestialität, Unsittlichkeit, und allerlei Laster heutzutage in erschreckendem Maaße um sich greifen. Die Zeitungen sind angefüllt mit Berichten über Mordthaten, Selbstmorde, Verbrechen gegen die Sittlichkeit und gegen das Eigenthum. Trotz Dampfwagen, electrischer Telegraphen, Fernsprecher, trotz der tausend neuen Erfindungen, die da den Verkehr und die Arbeit erleichtern, trotz des Allgemeinwerdens der Bildung, indem gegenwärtig, in Deutschland wenigstens, kaum Einer zu finden ist, der nicht lesen und schreiben könnte, ist die Menschheit nicht besser geworden. Ist es nicht ein entsetzlicher Hohn, daß Ruß-! land, welches vor einigen Jahren gegen die Türkei j auszog, um die unterdrückten Christen zu schützen, ■ jetzt die jüdischen Bürger des eigenen Reiches in; grauenhaftester Weise mißhandelt! Schlimmer noch; als die von rohen Horden verübten Gräuel fallen j die Thaten ins Gewicht, welche von der Negierung! und ihren eigenen Organen verübt werden. Unter den aus Moskau Ausgewiesenen befand sich eine Frau, welche Tags zuvor geboren hatte. Vergebens bat der Gatte um Aufschub für die Wöchnerin. Sie mußte hinaustransportirt werden und starb auf dem Transport!!! Was hatte diese arme Wöchnerin verbrochen? Nichts, nichts! Sie war Jüdin, und das genügte den Organen der russischen Regierung, ihren Tod gewaltsam herbeizuführen. Der Gatte hat jetzt den betreffenden Beamten bei den Gerichten verklagt; man ist auf den Ausgang des Prozesses gespannt. — Vielen alten, kranken und schwachen Leuten ist es ebenso ergangen, ohne daß die Todesursache in so eklatanter Weise nachgewiesen werden könnte. Es genügt jedoch nicht, daß wir die Schlechtigkeit unsrer Verfolger ins richtige Licht stellen; wir müssen auch die Ursache zu erforschen suchen, weßhalb die göttliche Vorsehung solche Verfolgungen zuläßt, und dieser Betrachtnng wollen wir in nächster Nummer ein eigenes Capitel widmen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 1. Mai. Zu unserer Genugthuung entnehmen wir der Nr. 15 des „Libanon," daß Herr Bril seinen übereilten Rath Zurücknimmt und die russischen Israeliten warnt, demselben Folge zu leisten, da die Behörden eine Masseneinwanderung nach Deutschland nicht gestatten würden. Würzburg, 1. Mai. Das „Würzburger- Journal," Organ der hiesigen Volkspartei, fügt einem Berichte über die jüngste Sitzung des hiesigen Thierschutzvereins eine allgemeine Betrachtung über das rituelle Schächten bei, in welcher Sätze wie folgende Vorkommen. „Wir sehen nicht ein, warum der jüdische Cultus der täglich fortschreitenden Cultur der europäischen Völkerfamilie ein unantastbares Bollwerk veralteter unsittlicher Institutionen sollte entgegenstellen dürfen, wollen sehen, ob die Juden durch Aufgeben solch' barbarischer Gepflogenheiten sich der Emancipation würdig erweisen, oder ob diese ihnen zu frühe zu Theil geworden ist." Indem wir constatiren, daß der hiesige Thierschutzvcrein in der Schächtfrage bisher eine maßvolle und loyale Haltung inne hielt, können wir nicht umhin, hervorzuheben, daß das „Wrzb. Journal" dadurch, daß es der jüdischen Religion so ungenirt unsittliche Institutionen vorwirft, daß es die Schächt-

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