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Der Israelit · 1881-05-04 · Heft 18 (4.5.1881) · page 35

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 18 (4.5.1881)
Date
1881-05-04
Page
– (sequence 35)
Language
German
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463 Feuilleton. -Line jüdische Kolonie in Palästina. (Schlnß.) Um nun aber die türkische Regierung von der Vortrefflichkeit einer solchen radicalen Umgestaltung des Regierungssystems zu überzeugen, will Hr. Oliphant ein Versuchsfeld schaffen, um deu türkischen Machthabern die Vortheile einer solchen Maßregeln ad oculos zu demonstriren. Da die Einwendung gegen alle Reformen von jeher gewesen ist, daß sie Ausgabeu mit sich brächten, welche die türkischen Finanzen uicht bestreiten können, so will Hr. Oliphant die Sache durch eine Colonisirungsgesellschaft erreichen, welche die Cultivirung eines der vielen reichen und unbebauten Distrikte des türkischen Reiches unternähme. Bei Erwägung der Frage nach der Nationalität der Colonisten, sah Hr. Oliphant die Schwierigkeit ein, die sich der Colonisirung durch christliche Einwanderer entgegenstellen. Das türkische Gesetz schreibt vor, daß Ausländer, die sich dauernd in Türkisch-Asien niederlaffen, türkische Unterthanen werden müssen; europäische Einwanderer wollen aber den Schutz ihres Consuls nicht entbehren. Einer Colonisirung durch Mohamedaner stellten sich finanzielle Schwierigkeiten entgegen. Wir geben nun den weiteren Jdeengang des Buches nach dem Wortlaute der „Allg. Zeitung." „So wurde ihm klar, daß es nur einen Stamm in Europa gebe, der reich genug sei, das christliche Capital entbehren zu können, gegen den die Pforte nicht die Einwendungen machen könne, die sie gegen neue christliche Seelen erheben würde; der nie die türkische Regierung durch nationale Bestrebungen beunruhigt, im Gegentheil sich immer treu und unterwürfig gezeigt habe; der aber durch historische Traditionen eine große Anhänglichkeit an eine Provinz des türkischen Reiches bewahrt habe, und für den die Aussicht, nochmals ihren geheiligten Boden zu besitzen, vielleicht lockend genug sein möchte, um ihn zu bewegen, sich den Bedingungen der türkischen Regierung zu unterwerfen, zumal da die Verfolgungen, welche die Juden von einigen christlichen Regierungen und Völkern zu erdulden haben (zum Theil von solchen, die sich am meisten ihrer Aufklärung rühmen), sehr ungünstig gegen die Duldsamkeit abstechen, die ihnen in der Türkei zu Theil wird, wo ihre Lage eine relativ bevorzugte ist. Durch diesen Gedankengang kam Hr. Oliphant dazu, Palästina zu seiner Colonie und die Judm zu seinen Colonisten zu wählen. Bevor er sich aber überzeugen konnte, daß der Gedanke praktisch durchführbar sei, schien ihm notwendig, das Land zu bereisen, um die Gegend ausi zuwählen und die Verhältnisse genau kennen zu lernen; aber selbst wenn er einen für den Zweck geeigneten District gefunden hätte, so würde doch — das wußte er — alles von der Geneigtheit der Pforte abhängen. Vor seiner Abreise hielt er es für geboten, den Plan seiner eigenen Regierung vorzulegen. Lord Beaconsfield, damals noch Premierminister, und Lord Salisbury gaben ihre unofficielle Zustimmung zu dem Plan und versprachen ihn zu fördern. Auch der Prinz von Wales und der Prinz und die Prinzessin von Schleswig-Holstein äußerten ihre Theilnahme. In Paris theilte er seinen Plan Hrn. Waddington mit, der sich günstig darüber äußerte und ihm einige werthvolle Empfehlungen mitgab. So verließ er England im Jahre 1879 und begab sich nach Syrien. Nur von einem Freunde begleitet, ohne Dragoman, mit wenigem Gepäck, überließen die beiden Engländer es dem Zufall, ob und wo sie Gastfreiheit und Führer finden würden, und sahen und erfuhren auf diese Weise mehr von den Sitten des Volks als gewöhnliche Reisende. Ihr Weg, von der gewöhnlichen Route abweichend, führte sie durch das schöne Land, welches der obere Jordan durchfließt, wo die Hügel die Ruinen von Belfort und anderen Castellen der Kreuzfahrer tragen, welche die Ebenen nach Süden zu beherrschten. Obgleich Palästina jetzt vielfach von Touristen besucht wird, überschreiten diese doch niemals das enge Thal des Jordan, welcher zu allen Zeiten, auch in Beziehung auf den Charakter und die Geschicke der Bewohner beider Ufer, eine so entschiedene Gränzlinie gebildet hat. Sehr anschaulich schildert Hr. Oliphant, wie nahe terra cognita und terra incognita im heiligen Land an einander gränzen. Doch erst nachdem er den Jabok überschritten, fand er was er suchte. Nach seiner Angabe ist das Ost-Jordan-Land, das alte Peräa, welches in alter Zeit der Stamm Rüben bewohnte, ein ideales Land für eine Ackerbau treibende Colonie, der bevorzugteste Theil von Palästina. Das ganze Territoriunl besteht aus Alluvium der reichsten Art, ans dem sich die Hügel und Bergrücken erheben, aus denen die alten Städte standen. Noch heute sieht man die Cisternen und größeren Wasserbehälter, welche damals in die Felsen eingehauen worden sind. Die natürlichen Hilfsquellen des Landes sind, wie er sich bald überzeugte, des höchsten Grades der Entwicklung fähig und die örtlichen Verhältnisse den Einwanderern höchst günstig, durch deren Capital und Fleiß diese fruchtbaren Landstriche reichen Ertrag liefern und für sie selbst, wie für die türkische Regierung, eine Quelle großer Einkünfte werden könnten. Hr. Oliphant bemerkt: daß das gewöhnliche Urtheil über Palästina von den Eindrücken der Reisenden herrührt, welche nur das felsige, unfruchtbare Land im Westen des Jordan

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