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Der Israelit · 1881-05-04 · Heft 18 (4.5.1881) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 18 (4.5.1881)
Date
1881-05-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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432 hren Höhepunkt. Der „Telegraph" wurde in der heftigsten Weise als Urheber des Gerüchtes angegriffen und eine jüdische Deputation begab sich zu dein erst vor zwei Wochen hier angelangten neuen General-Gouverneur Fürsten Dondukow-Korsakow, um ihn um Schutz zu bitten. Die Folge davon war, das; die zwischen den hiesigen russischen Blättern ausgebrochene Polemik betreffs der angeblich bevorstehenden Judenhetze plötzlich auf Befehl des General- Gouverneurs abgebrochen wurde. Die Eensnr erhielt den Auftrag, kestre Sylbe über diesen Gegenstand in den Zeitungen mehr durchzulassen. Der Deputation versprach Fürst Dondukow-Korsakow, alles Mögliche aufzubieten, um Excesse zu verhindern, und ist auch, wie wir hören, eine Verstärkung der Garnison ungeordnet worden. Indessen wächst hier die Furcht von Tag zu Tag und viele jüdische Familien verlassen Odessa." Afrika. Alexandrien. Herr Banquier E. L. Menasse hat der isr. Gemeinde ein Terrain von 6000 Quadrat- Meter geschenkt, um darauf ein Schulgebäude für die isr. Jugend zu errichten. Feuilleton. Aie Jugendfreunde. Von A. Königshofen. XVI. Edgar v. Botho, der sich bereits seit einem halben Jahre in London aufgehalten, hatte sich durch sein gesellschaftliches Talent und seine einnehmenden Manieren unter dem Namen eines Grafen Rathenow Eingang in sehr angesehene Kreise Londons verschafft, und so war es denn gekommen, das; er bei einem Balle, auf welchen Lord M. seine Tochter begleitet hatte, diesem vorgestellt wurde. Von der Einladung, ihn bald auf seinem Landgute zu besuchen, machte Edgar rasch Gebrauch, denn schon nach acht Tagen stellte er sich dort ein, dem alten Herrn und dem Fräulein seine Aufwartung zu machen. Hulda war damals zufällig nicht anwesend, dafür aber mußte sie am andern Tage viel von dem Besuche hören, über welchen ganz besonders Miß Mary entzückt war. Es mochten wohl drei Wochen vergangen sein, als Edgar sich wieder ans dem Edelsitze cinstelltc. Er war in der eifrigsten Unterhaltung mit den Familiengliedern begriffen, als Hulda, die kleinen Kinder an der Hand, in's Zimmer trat. Ans den ersten Blick hatte der Bösewicht den Gegenstand seiner Verfolgung wieder erkannt, und daß auch Hulda die Züge ihres Vetters nicht vergessen hatte, das bewies der plötzliche Wechsel der Farbe, der sich auf dem Gesichte des jungen Mädchens zeigte, das bewies das Zittern, das ihren ganzen Körper erfaßte, und kaum konnte sie noch die Bitte hervorstammeln, sich aus ihr Zimmer zurückziehen zu dürfen, da eine heftige Migräne sie veranlasse, Ruhe aufzusuchen. Wie gut Edgar diesen Moment ausnutzte, um mit einer Verleumdung jede Anklage des jungen Mädchens im Voraus zu entkräften, oder etwaigen Entdeckungen, die sie über ihn machen sollte, Ohren und Herzen zu verschließen, sollte das unglückliche Mädchen am andern Morgen erfahren. Sie ahnte, daß ihr nichts Gutes bevorstündc, als sie nach einer unruhig verbrachten Nacht zur Dame des Hauses gerufen wurde. Es wären ihr, so sprach sich diese ans, Dinge über die Gouvernante zu Ohren gekommen, die es ihr unmöglich gestatten könnten, ihr die Erziehung ihrer Töchter weiter auzuvertrauen. Wenn sie auch den Eifer und die Gewissenhaftigkeit des Fräuleins anerkennen müsse und gern anerkenne und deren Kenntnisse keine gewöhnlichen seien, so verlange sie doch vor Allem Charakterfestigkeit und Sittenreinheit, beides aber, das bei ihr schwerer als Wissen und Talent wiege, könne unmöglich bei einer Dame zu suchen sein, welche heimlich ihren Wohlthäter verlassen, und es nöthig gefunden, unter fremdem Namen in einem fremden Land Zuflucht zu suchen. „Sie wüßten" — unterbrach Hulda ihre Gebieterin. „Ich weiß Alles, — ich weiß, daß Sie heimlich aus Berlin entflohen sind, ich weiß, daß Sie nicht Bettina Eurtmann, sondern das; Sie Hulda v. Botho heißen. Ist es nicht so?" „Es ist wahr, das; ich meinen wahren Namen verleugnet habe, und — ich sehe es ein — jetzt trifft mich der Fluch der Lüge. Wäre ich wahr geblieben, ich hätte heute nicht zu büßen — aber verdammen Sie mich nicht; ich habe meinen Namen nicht geändert, um mich zu verbergen, sondern um Andere zu schonen." „Das ist gewiß sehr edclmüthig; aber lassen wir das, ich könnte vielleicht dazu kommen, Sie an die Ursachen, welche Sie aus Ihrer Heimath gedrängt, zu erinnern, und ich möchte dies um Ihretwillen nicht; ich beschäme nicht gern Jemanden." „Ich bin mir keiner Schuld bewußt; Gott weif; es-" „Halten Sie ein! In meinem Hause dulde ich keine Gotteslästerung! Sie sollten sich schämen. Gotj anzurusen! Erst den Sohn eines angesehenen Mannes gegen den Willen des Vaters in Liebesnetze verstricken,

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