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Der Israelit · 1881-05-04 · Heft 18 (4.5.1881) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 18 (4.5.1881)
Date
1881-05-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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43 L „die Weihe" ging erst am zweiten Tage in „feierlichster" Weise Var sich. Tie Spnagoge ist dicht gedrängt bis aus den letzten Platz besetzt. (Mancher würde sich gefreut haben, wenn er einmal bei seiner Gastvorstellung ein solch' volles Haus gesehen hätte!) Tie Tbora ist verlesen und wieder m ihren prachtvollen Schrein znrückgebracht. Da verläßt der Rabbiner seinen Platz, um die im Gemeindezimmer versammelten, der „Weihe" harrenden Eonsirmanden — sie hatten bis dahin die Svnagoge noch nicht betreten — abznholen. Panse! — Jetzt große Stille — er kommt zurück, sein "Antlitz strählt wohl seine augmbticklichen Gefühle wieder — den Kops hübsch zur ^citc, das Gebetbuch mit beiden Händen an'S Herz gedrückt, den Blick zur Erde — es fehlte blos noch der Heiligenschein — und in seinem Gefolge die blühende Jugcndschaar — 19a nupji -o; cr;r o':r — Männlein und Weiblein, zwei und zwei kamen sie." So langen sie vor der Kanzel an, welche der Rabbiner besteigt und vor derselben nehmen die Konfirmanden Platz. Jeder derselben hat einen längeren Spruch herzusagen, an welchen der Rabbiner jedesmal Worte der Ermahnung und Belehrung knüpft. .Hieraus folgt ein Ehoral, dann die Predigt und noch ein Ehoral und die „Weihe" ist beendigt.- (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. F r a n k r e i ch. Paris. Ein dahier verstorbener Hamburger Israelit hat sieben Wohlthätigkeitsanstalten seiner Muttergemeinde 30,000 Fr. vermacht. (Arch. Jsr.) * Rußland. Odessa. Dem „Libanon" wird von hier ans ein Vorgang berichtet, welcher in die heiligsten Institutionen des Judenthums tief einschneidet. Es wurde von Berlin ein Scheidebrief (2:) hierhergeschickt, welchen die Herren Dr. David Cassel, Lehrer an der (Geiger'schcn) Hochschule und Dr. Fr an kel, Rabbiner an der dortigen Gemeinde, hatten anfertigen lassen. Tie hiesigen Rabbinats-Assessoren wurden beauftragt, den Scheidebries der Ehefrau übergeben zu lassen. Als sie jedoch denselben prüften, fanden sie eine Menge Fehler darin, welche den Scheidebries untauglich niacksten. In Folge dessen weigerten sieb die Rabbiuats- Afessoren, denselben übergeben zu lasten. Es wurde nun versucht, auf sie einzuwirken. Die Verwandten der Frau boten eine große Sunnne Geldes, die natürlich mit Enrrüstung znrückaewiesen wurde. Ter Prediger der hiesigen (Gemeinde, Herr Tr. S ch w a b a eh e r, suchte in anderer Weise die Männer zu beeinflussen, indem er vorgab, daß, wenn der Scheidung Hindernisse in den Weg gelegt würden, die in Rede stehende Ehefrau und deren Bräutigam — sie hatte schon als Ehefrau einen solchen — znnt Ebristeutbume übertreten möchten. Als die Rabbincns-Assessoren auch dieser Drohung gegenüber fest blieben, da übergab Herr^ Tr. Sch'wckbacher den nngiltigen Scheidebries der Frau, er allein, ohne ri -'2 und ohne rn-Do Am anders Tage vollzog er die Trauung ohne die gesetzliche Frist zwischen Scheidung und Trauung inue zu halten! Wenn Alles sich so, wie oben mitgetheilt, verhält, so besteht der erste Ehebnnd in Kraft und das zweite Verhältnis; ist eine hebrecherisches; die etwaigen Kinder werden nn;:: sein. — Es wäre sehr zu wünschen, daß die Herren Toetoren Cassel, Frankel und Schwabacher in Bezug ans diese heilige und wichtige Angelegenheit nähere Auskunft geben möchten. Odessa. Heber eine für Ostern annoncirte Jndenhetze in Odessa wird'der „Deutschen Ztg." von dort aus zuverlässiger Onelle Folgendes geschrieben: „Seit der vor acht Jahren hier stattgehabten Oster- Revolte, wobei die hervorragendsten jüdischen Hauser geplüridert und viele Jitdeil schrecklich mißhandelt wurden, ohne daß der Rohheit des russischen Pöbels von Seiten der Behörden Schranken gesetzt worden wären, wiederholen sich alljährlich zu Ostern die Gerüchte von bevorstehenden Jndenhetzen, ohne daß sie besondere Beachtung gefunden hätten. Heuer ist es ausnahnisweise eine einflußreiche Persönlichkeit, welche den Juden den Untergang prophezeite, und zwar ein gewesener Gehilfe des hiesigen Polizeitneisters, Namens Wasspljew. Seine Frau wurde nämlich in einem jüdischen Laden, wo sie einige Arschin Trauerflor kaufte, übervvrtheilt. Wassyljew brachte den Flor zurück und verlangte die Retournirnng des Geldes, während er gleichzeitig die Aenßernng fallen ließ: „Ihr Juden werdet zu Ostern allelvertilgt werden, die Banden find schon vrganifirt." Dieses Wort verbreitete sich wie ein Lauffeuer und brachte die 66,000 jüdischen (.Einwohner Odessas in große Aufregung. Als nach einigen Tagen ein hiesiges antisemitisches Blatt, ^der „Telegraph", die Nachricht von dem in der ^tadt eirenlirenden Gerüchte brachte und gleichzeitig das russische Volk ermahnte, keine (vrce[ie zu begehen, die Inden vielmehr aus andern:, ans ökonomischem Gebiete zn schlagen, erreichte die Erbitterung der Israeliten

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